Posts by Lexa Griffin

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou sitzt alleine in der größten, fast komplett verdunkelten und komplett chaotischen Frachtrampe der Razor auf einem Frachtcontainer.

    In der linken Hand hält sie ein PADD, während sie mit den Fingern ihrer rechten Hand in Gedanken versunken über die Klinge eines Messers fährt.

    Leise redet sie vor sich hin “Es wäre so einfach gewesen mich heute zu töten und dir deine Freiheit zu sichern, aber du konntest nicht. Obwohl du keine Erinnerungen an mich hattest, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt wie eine Terroristin ausgesehen haben muss. Was sagt das über unsere Beziehung aus, wenn selbst fehlende Erinnerungen diese Verbindung nicht komplett trennen können? Ich glaube nicht an Schicksal, aber..” Amicia verzieht das Gesicht und sieht auf ihre Hand, mit einem leichten Grinsen tupft sie mit dem Arm ihrer Uniform die Blutstropfen ab und legt das Messer anschließend sicher in einer Kiste verstaut beiseite.

    Computer, Musik!

    =C= Bitte spezifizieren

    Etwas Fröhliches, Hoffnungsvolles, oh ich weiß! Jazz! Erde, 20. Jahrhundert”

    Über die Lautsprecher ertönt langsam Musik, Amicia klatscht für einige Zeit zum Rhythmus in die Hände und beginnt fast zu tanzen, ehe sie lachend den Kopf schüttelt, die Musik leiser stellt und ihr PADD anhebt.

    “Computer, beginne Logbuchaufzeichnung



    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant. Commander Amicia Georgiou

    S.S. Razor:


    Razor… ich stimme unserer Lachsbrötchen-liebenden, leuchtenden Etherianerin ungerne zu, aber dieser Name war mehr als blöd, er war langweilig und vor allem unpassend für diesen besseren Schrotthaufen mit zwei Warpgondeln.

    Sie sieht sich kurz um und flüstert leise “Sorry”

    Ich habe schon auf dem terranischen Flaggschiff gedient, auf verschiedensten, oft modernsten Schiffen bis hin zu Prototypen der Sternenflotte, aber dieser Frachter mit angeschraubten Waffen.. Es bringt nichts sich aufzuregen, wenigstens waren wir am Leben, waren wir zusammen. Und fast alle hatten ihre Erinnerungen.

    Wir hatten “Captain” Hühnchen und etwa zwei dutzend andere Offiziere, mit denen wir auf der Guardian gedient hatten zurücklassen müssen - und diese waren nun in der Fängen von Piraten, aber ich will nicht vorgreifen, Fokus, Amicia! - und Lexa Griffin hat anscheinend die Seiten gewechselt, aber Doktor Taya Vadiye, Commander Aiden Corlsen, Captain Tom Paris und Lucy waren bei mir, wir waren zusammen an Bord dieses Müllfr… dieses Schiffes.

    Dazu unsere “blinde Passagierin” Fey-Mina und.. oh, natürlich Nadine Hawkins. Ja richtig, *die* Nadine Hawkins.

    Sie hatte den Showdown mit dem Gebieter - natürlich - überlebt und hatte als Starborn nicht nur weiterhin ihre Kräfte, sondern auch alle Erinnerungen.

    Nur ihr hatten wir es zu verdanken, dass wir nicht nur von der Solaris “entkommen” konnten, sondern Commander Corlsen, Doktor Vadiye und natürlich Lucy ihre Erinnerungen wieder hatten.


    Der Weg dorthin, der Weg zur Ankunft auf diesem… Luxuskreuzer war allerdings mehr als nur steinig, mehr als nur “un-sternenflottig”, selbst für unsere Crew von merkwürdigen Gestalten.

    Zu Beginn des Tages stellte ich mich zunächst erneut schlafend, um weitere Untersuchungen von Doktor Vadiye so lange wie möglich hinauszuzögern und sie im Glauben zu lassen, dass ihre Schlafmittel bei mir genauso gewirkt hatten wie bei Captain Paris.

    Es dauerte jedoch nicht lange bis dieser erwachte und direkt in’s Gespräch mit Doktor Vadiye einstieg - über Frühstücke! Für einen Moment zweifelte ich an den Kommando- und ehrlich gesagt auch Überlebens- Fähigkeiten dieses Mannes, ehe ich realisierte was sein Plan war: er wollte nicht nur - wie ich - Zeit schinden, sondern vor allem das Vertrauen von Doktor Vadiye gewinnen. Und unter normalen Umständen wäre die Taktik so freundlich, so harmlos, so kooperativ wie möglich zu sein um diesen Personen zu zeigen, dass wir alle auf einer Seite waren, nicht die schlechteste gewesen.

    Es reichte jedenfalls um Doktor Vadiye zu überzeugen uns Frühstück aus der Messhall zu holen. Zu meiner großen Überraschung lies sie uns sogar alleine in der Krankenstation.

    Es hätte mich nicht gewundert, wäre die Tür oder zumindest der Korridor mit irgendwelchen Fallen oder Kraftfeldern programmiert gewesen, aber alleine dass sie uns alleine in diesem Raum lies…vielleicht hatte ich Captain Paris und seiner Strategie unrecht getan.

    Erst Recht, als plötzlich Nadine Hawkins auf der Krankenstation auftauchte.

    Es dauerte ein paar Sekunden und sehr viele Emotionen bis ich realisierte, was hier gerade passiert war: nicht nur hatte Nadine Hawkins überlebt und weiterhin ihr Starborn-Kräfte, sondern sie hatte uns gefunden und wollte uns helfen. Ich hatte schon mitbekommen, dass sie Commander Corlsen seine Erinnerungen zurückgegeben hatte und unter normalen Umständen wäre das auch für die restliche Crew der richtige Weg gewesen, jedem einzelnen nach und nach seine Erinnerungen zurückgeben bis alle - oder zumindest die überwältigende Mehrheit - die Wahrheit kannte.

    Wir brainstormten eine Weile und hatten einige gute Szenarien entwickelt; Szenarien, mit denen wir Verluste oder unkontrollierte Ereignisse auf ein Minimum hätten reduzieren können.


    Dann jedoch kam “Doktor” Lexa Griffin - es war immer noch merkwürdig diese kriegerische, emotional instabile Trikrun in einer grünen Uniform zu sehen - von der kurz zuvor einberufenen Konferenz der Führungsoffiziere zurück und verkündete, dass wir für “den Transport” vorbereitet werden sollte.

    Lucy kam dann ebenfalls zur Tür herein und nachdem mein Herz sich etwas beruhigt hatte sah ich nicht nur sie, sondern auch das Phasergewehr in ihren Armen.

    Und so selbstsicher, so stoisch sie mit ihrem “Bitchface” Blick dastand, so sehr schien irgendwas anders. Während Doktor Griffin nicht nur überzeugt wirkte, dass sie das Richtige tat, sondern es auch war, schien Lucy uns allen - und vielleicht auch sich selbst - etwas vorzuspielen.

    Aus diesen Gedanken wurde ich dann jedoch jäh herausgerissen, als Lucy und Doktor Griffin verkündeten, dass wir in Kürze die Sternenbasis erreichen, wo wir “mit Glück in ein paar Jahren” wieder Tageslicht sehen würden.

    In diesem Moment wurden mir zwei Sachen klar: nicht nur hatte Doktor Griffin die Krankenstation überwacht, meine Logbuchaufnahme belauscht und nutzte jetzt genau meine Formulierung, um mir das mitzuteilen - nein, vor allem war keine Zeit für den sicheren Plan. Wenn wir nicht jetzt handelten, würden Captain Paris und ich in Zellen eingesperrt, aus denen uns so schnell niemand rausholen würde. Wichtiger noch, der Rest der Crew würde niemals die Wahrheit erfahren, Lucy und ich würden uns nie wieder sehen und der Gebieter wäre möglicherweise da draußen und niemand wusste davon. All unsere Opfer wären wahrlich umsonst gewesen.


    So jedenfalls dachte ich in diesem Moment; ich gebe zu, dass ich trotz all meiner Erfahrungen, all meiner Trainings innerlich in Panik ausgebrochen bin. Ja, das lag auch an meinen Gefühlen für Lucy und der Angst sie für immer zu verlieren - etwas das ich zuvor nie in ähnlichen Situationen, in denen ich ruhig geblieben bin, hatte - aber es war mehr als das.

    Rational betrachtet, im Nachhinein weiß ich, dass Nadine Hawkins uns genauso aus diesen Zellen hätte befreien können, genauso nach und nach die Crew der Solaris hätte “erinnern” können.

    Aber diese Entscheidung wurde nicht getroffen, stattdessen beantwortete sie Doktor Griffin’s Frage wer sie sei, damit sie das Feuer auf die Crew der Solaris eröffnete und Doktor Griffin, Doktor Vadiye und Lucy niederschoss.

    Ich stürmte zu Lucy und versuchte ihr aufzuhelfen, hörte nur im Hintergrund wie Nadine sagte, dass sie “nur betäubt” sei. Und natürlich wusste ich das, aber Lucy so leblos, so hilflos am Boden liegen zu sehen, weckte dennoch Erinnerungen. Erinnerungen an den Kampf auf der Gebieterbasis, Erinnerungen an so viele andere Verluste.

    Während ich Lucy’s Kopf an meine Schulter lehnte realisierte ich plötzlich etwas Anderes: Nicht nur waren die Lichter ausgegangen, das Schiff hatte auch gestoppt. Auch wenn Doktor Vadiye zumindest das Licht auf der Krankenstation mit ein paar mobilen Energiezellen wieder reaktivieren konnte war eines klar: das war hier keine kleine Störung, keine lokale Fehlfunktion.

    Nein, irgendetwas - oder jemand - hatte die gesamte Hauptenergie inklusive aller Backups abgestellt. Ich kannte nur drei Leute die so etwas hätten vollbringen können, ohne dass eine Sternenflottencrew das innerhalb weniger Minuten rückgängig machen könnte und einer davon war an Bord der Solaris und hatte gerade frisch seine Erinnerungen zurück erhalten: Aiden Corlsen.


    Und tatsächlich, genau dieser Mann tauchte kurz darauf auf der Krankenstation auf und verriegelte gerade noch rechtzeitig die Türen ehe ein wütender Klingone diese samt Phasergewehr durchschreiten konnte.

    Captain Hühnchen hatte inzwischen - durch Umleitung von Energie der Lebenserhaltung auf zwei ganzen Decks, offenbar war dieser Vogel nicht zu Späßen aufgelegt - das Comm-System und die internen Sensoren wieder reaktivieren können, wusste also was wir vor sich ging.

    Er befahl der Crew die Gefangenen “um jeden Preis” zu sichern - spätestens jetzt war klar, dass uns nicht nur die Zeit davon lief sondern wir nur noch eine Wahl hatten: entkommen. Sollten dieses Gefieder und seine Crew uns erneut festnehmen können wäre nicht nur unsere Geheimwaffe in Form von Commander Corlsen bekannt, sondern wir würden definitiv nie mehr Freiheit sehen.

    Glücklicherweise hatte Commander Corlsen die Transporter modifizieren können und beamte uns - Lexa Griffin, Taya Vadiye, Tom Paris, Lucy, mich und sich selbst - in ein enges Shuttle. Fey-Mina wollte das nicht stehen lassen und griff im letzten Moment nach Corlsen, sodass diese ebenfalls mitgebeamt wurde.

    Commander Corlsen betäubte sie nach einem kurzen “Gespräch” und sie wurde mit den anderen “Gefangenen” hinter einem Kraftfeld gesichert, während wir auf Warp sprangen.

    Es tat immer noch weh Lucy und auch Lexa und Doktor Vadiye so zu sehen - bei der seltsamen Etherianerin war das eher eine Genugtuung - aber Nadine hatte Recht, niemandem wurde dauerhafter Schaden zugefügt und unsere Freunde würden das mit Zeit verstehen. Wichtiger noch - so sehr ich diesen Satz normalerweise hasse - wir hatten keine Wahl.


    Dann jedoch meldete Captain Paris, dass drei Piratenschiffe der Solaris näherten - genau der Solaris, die weiterhin keine Hauptenergie hatte, also keine Schilde, Waffen oder gar Sensoren, um die ankommende Bedrohung wahrnehmen zu können.

    Diese Offiziere mögen versucht haben uns einzusperren, aber sie waren loyale Offiziere der Sternenflotte, die aufgrund der ihnen vorliegenden Informationen gehandelt hatten.

    Hätte ich genauso wie Captain Hühnchen reagiert, wenn plötzlich zwei - für mich - komplett Fremde auf einem Schiff aufgetaucht wären und all das erzählt hätten?

    Vielleicht nicht, ich würde hoffen, dass ich ihnen zumindest zuhören und versuchen eine Erklärung zu finden würde ehe ich sie in eine Zelle sperre. Aber wer weiß was diese Crew durchgemacht, welche Erfahrungen sie gemacht hat.

    So oder so niemand von uns wollte, dass loyale Sternenflottenoffiziere von den Piraten gefangen genommen oder gar getötet werden, selbst wenn sie uns jagen wollten.

    Commander Corlsen konnte aus der Ferne Zugriff auf die Solaris nehmen und zumindest einige Primärsysteme - Schilde, Waffen - teilweise reaktivieren, aber wie wir später erfahren sollten war das nicht genug und die Solaris wurde unter minimalen Verlusten auf beiden Seiten eingenommen.

    Das traf insbesondere Commander Corlsen, der sich offensichtlich Vorwürfe macht, hart, aber wie Captain Paris sagte war nichts davon seine Schuld. Niemand hätte erahnen können, dass die Piraten im Hinterhalt warten und die Alternative wäre unsere sehr dauerhafte Inhaftierung gewesen.

    Wir würden versuchen Captain Hühnchen und seine Crew zu retten, aber für den Moment brauchten wir ein neues Schiff, also setzen wir Kurs auf das schwer beschädigte Piratenschiff aus der vorherigen Schlacht.

    Die Stimmung während des Fluges war zwischen bewusstlosen “Gefangenen”, dem Wissen um die Solaris und dem engen Platz an Bord sehr bedrückt, sodass alle aufatmeten, als wir die Razor erreichten und an Bord beamten.

    Wir sicherten unsere “Gefangenen” zunächst in einer der Messhalls und setzten nach notdürftigen Reparaturen Kurs auf die Badlands, wo wir in Ruhe unsere nächsten Schritte planen könnten. Zum Glück hatte der klingonische Taktikoffizier der Solaris sich bei seinem Waffenfeuer vor allem auf taktische Systeme fokussiert, sodass der Warpantrieb kaum beeinträchtigt wurde.


    Was waren unsere nächsten Schritte? Ohne funktionierendes Comm-System und nun in den Händen von Piraten ist davon auszugehen, dass Captain Hühnchen und seine Crew keine Gelegenheit mehr hatten der Sternenflotte von unserem Ausbruch zu berichten.

    Wenn die Solaris die Sternenbasis nicht erreicht, wird die Sternenflotte Suchteams losschicken, aber diese werden Waffenfeuer von Piraten finden und mit Sicherheit davon ausgehen, dass wir genauso wie der Rest der Crew gefangen genommen wurden

    Niemand wird also für den Moment aktiv nach uns suchen, nicht in den Badlands. Das kam uns zu gute, aber irgendwann würde die Crew der Solaris - hoffentlich - befreit werden oder sich selber retten, spätestens dann würden wir von der gesamten Sternenflotte gejagt werden.

    Wir hatten also nicht viel Zeit. Während Captain Paris und Commander Corlsen nach Fey-Mina, die durch eine Fehlfunktion nicht in der Messhall landete, suchten und später mit ihr diskutierten, sah ich nach unseren drei “Gefangenen”.

    Alle drei waren noch bewusstlos, ich deckte Lexa Griffin und Doktor Vadiye in ihren mit Kraftfeldern versehenen Betten zu und deaktivierte Lucy’s Kraftfeld.

    Was ich mir dabei gedacht habe? Ich wünschte, ich hätte eine gute, eine rationale Antwort darauf, aber die Wahrheit ist.. Es fühlte sich falsch Lucy einzusperren und ich hatte die Hoffnung, dass ein Vertrauensvorschuss helfen würde ihr zu zeigen, dass wir auf derselben Seite sind.

    Also strich ihr Lucy eine Haarsträhne aus dem Gesicht, versuchte mit all meiner Willenskraft dieser Frau klarzumachen wie wichtig sie mir war als ich plötzlich eine Messerklinge an meiner Kehle spürte.

    Nach dem ersten Schock sprang meine terranische, ja meine Geheimdienst Erfahrung hoch. Ich könnte dieser Messer zur Seite schieben ehe Lucy überhaupt merkt was passiert, aber wollte ich das?

    Nicht dass ich einen Sterbenswunsch hatte aber ich wollte Lucy zeigen, dass sie mir vertrauen kann. Also ließ ich sie gewähren, redete auf sie ein so gut ich konnte.


    Und tatsächlich ließ sie nach einem kurzen Monolog, dass sie keine andere Möglichkeit hätte mit “Verrätern” umzugehen das Messer sichtlich verletzt, verwundert, irritiert fallen und erklärte mir, dass es sich das “falsch” angefühlt hätte; dass wir auf einer Seite sein müssten.

    Könnte es sein, dass sie trotz allem doch noch Erinnerungen hat? Zumindest einen Bruchteil? Ich weiß es nicht und für den Moment war es mir egal, ich umarmte Lucy und die Welt, das Universum schien trotz unserer ausweglosen Situation wieder in Ordnung.

    Natürlich betrat genau dann Nadine die Messhall und fragte ob sie einen “besonderen Moment” stören würde. Lucy wurde sofort wieder aggressiv und wollte auf Nadine losgehen, aber gemeinsam konnten wir ihr alles erklären und Nadine bot ihr an auch ihre Erinnerungen wiederherzustellen. Lucy war sichtlich mit sich selbst am Ringen und sah mich fragend an - so gerne ich euphorisch genickt oder Nadine zugerufen hätte worauf sie wartet hatte Nadine Hawkins mit einem Recht: diese Entscheidung musste Lucy für sich selbst treffen.

    Sie willigte schließlich ein und nach wenigen - offenbar sehr schmerzhaften, sehr intensiven - Sekunden hatte sie all ihre Erinnerungen wieder.

    Während ich ihr versuchte alles in Ruhe zu erklären nahm sich Nadine Doktor Vadiye an, die im Gegensatz zu Lucy sehr.. Neutral auf die Prozedur reagierte.

    Dann war Lexa Griffin an der Reihe, doch sie weigerte sich absolut, behauptete, dass Nadine Hawkins alle einer “Gehirnwäsche” unterziehen und auf ihre Seite ziehen wolle, auch das Worte “Hexe” fiel.

    Nadine, Doktor Vadiye und ich redeten auf sie ein und mit genug Zeit und Geduld hätten wir sie sicher überzeugen können, aber leider hatte unser alter Freund Erron Black andere Pläne.


    Captain Paris hatte die Messhall kaum betreten und einen kurzen Bericht erhalten als Commander Corlsen schon das Piratenschiff direkt über uns meldete und diese uns kurz darauf enterten.

    Ich bewaffnete mich und Nadine setzte Lexa Griffin mit einer…Art Schockwelle außer Gefecht, aber als Lucy und ich die Brücke erreichten war es bereits zu spät. Fey-Mina, Captain Paris und Commander Corlsen waren bereits betäubt und nach einem kurzen Gefecht inklusive dem Einsatz von Dynamitstangen wurde auch für mich alles dunkel.

    Später - Stunden, Tage? - wachte ich in einer dunklen Zelle mit Doktor Vadiye und der Etherianerin auf. Nicht nur war ich - wieder - von Lucy, Nadine, Commander Corlsen und Captain Paris getrennt ohne zu wissen wie es ihnen ging, nein natürlich musste ich ausgerechnet mit Fey-Mina eine Zelle teilen.

    Dann kam Erron Black herein und erklärte, dass auf uns alle ein Kopfgeld ausgesetzt sei und er vorhabe dieses zu kassieren, uns in einigen Stunden weiterzuverkaufen.

    Er redete damit nicht direkt mit uns, also schätzten wir, dass neben uns weitere Zellen sein mussten. Und uns blieb nicht viel außer zuzuhören.

    Ich hatte viel über Erron Black in Geheimdienstberichten gelesen. In unserem Universum war er ein Pirat mit einem gewissen Ruf, aber begrenzter Macht. Hier jedoch…als er sagte, dass die Sternenflotte es nicht schaffen würde ihn zu kriegen obwohl er direkt unter ihrer Nase sei…vielleicht haben die beiden hier eine andere Beziehung als in unserem Universum. Nach Doktor Vadiye’s PADD zu urteilen war die Sternenflotte hier deutlich geschwächter, hatte weniger Verbündete und mehr Verluste erlitten. So sehr sich bei diesem Gedanken mein Magen umdreht, es wäre nicht verwunderlich wenn die Sternenflotte mit jemandem wie Erron Black zusammenarbeitet oder ihn zumindest gewähren lässt - ich bezweifle nur ob das Angriffe auf Föderationsschiffe einschließt.

    Jedenfalls redete dieser Mann sehr viel - zu viel - und hörte sich offensichtlich sehr gerne selber reden wie alle Menschen mit einem übergrößen Ego und wir konnten noch herausfinden, dass er uns eine Ort bringen wollte der Rurapenthe wie Risa scheinen lässt.

    Dann wurde ihm der Monolog wohl zu langweilig und er verschwand.


    Fey-Mina, Doktor Vadiye und ich überlegten wie wir flüchten könnten, aber ohne Technologie, ohne Hilfe schienen unsere Möglichkeit begrenzt bis die Etherianerin einen Lüftungsschacht direkt über uns erblickte.

    Normalerweise hätte uns das gar nichts gebracht, aber hier…gut, dass wir jemanden mit Flügen in unserer Zelle hatten.

    Das war die gute Nachricht… die schlechte war, dass diese Etherianerin der größte Hypochonder war, den ich gesehen hatte. Die Schächte waren zu schmutzig, sie würde krank werden etc. etc.

    Nachdem Doktor Vadiye ihr versichert hatte sie hinterher zu desinfizieren und auch ihr gut zuredete, ihr vor allem klar machte, dass sie Alternative - in dieser Zelle versauern bis wir in ein Arbeitslager kommen - schlimmer war stimmte sie schließlich zu und flog in die Schächte, woraufhin unsere Zelle mit jeder Menge Staub geflutet wurde.

    Es dauerte eine Weile, bis ein “Das ist mir jetzt aber peinlich” zu hören war.

    Ich hätte mit allem gerechnet, aber… dieses Wesen steckte fest. Sie konnte sich am Ende irgendwie befreien, zurück in die Zelle kommen und weiteren Staub und Dreck dort hinterlassen ehe sie verkündete, dass sie nicht durch die Schächte käme, aber eine von uns.

    Als - in Fey-Mina’s Auge, sehr zum Leidwesen von Doktor Vadiye - dünnere wurde ich plötzlich in den Schacht geflogen und krabbelte dort für eine gefühlte Ewigkeit, bis ich plötzlich Stimmen hörte. Es waren drei verschiedene, also konnten es nicht die Etherianerin und unsere vidiianische Ärztin sein. Ich versuchte zu lauschen und stürzte dabei auch eine sich öffnende Klappe in die Tiefe.

    Bereits mit dem Schlimmsten-rechnend - ich hätte mitten im Speisesaal dieser Piraten, direkt vor Erron Black oder Schlimmeres laden können - sah ich mich langsam um und sah direkt in die Augen von Lucy.

    Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass das kein Traum umarmte ich sie und begrüßte auch Captain Paris und Commander Corlsen.

    Es fehlte also nur noch Nadine Hawkins - und Lexa Griffin. Erst später sollte ich von Doktor Vadiye erfahren, dass Lexa sie niedergeschossen und sich offenbar diesen Piraten angeschlossen hatte.


    Für mehr blieb allerdings keine Zeit denn wir hörten plötzlich Schritte. Gerade noch rechtzeitig konnten wir das Schott schließen ehe ein sehr ekelhafter Pirat den Arrestbereich betrat. Er deaktivierte das Kraftfeld und bat uns Widerstand zu leisten, damit es nicht langweilig wird. Angeblich musste er uns alle scannen, aber das machte keinen Sinn. Sicherlich waren wir bereits beim Transport gescannt worden?

    Jedenfalls begann er mit Captain Paris und Commander Corlsen und wandte sich dann mit einem sehr ekelhaften Lächeln Lucy zu. Ich war bereits im Ansatz diesen schmierigen Typen direkt in sein dreckiges Geschicht zu schlagen - erst Recht als er begann Lucy anzufassen - als Fey-Mina plötzlich gegen das Kraftfeld nebenan schlug und der Pirat verschwand. Wenig später hatte er alle gescannt und wir wieder Ruhe.

    Nun brauchten wir also einen Plan, erneut. Die Lüftungsschächte waren zu groß genug für Captain Paris, Commander Corlsen oder Fey-Mina, wir könnten wir höchsten für die Kommunikation zwischen den Zellen nutzen. Oder jemand könnte versuchen auf der anderen Seite herauszukommen und die Kraftfelder zu deaktivieren.

    Captain Paris schlug dann noch einen anderen, wenn auch sehr abwegigen Plan, vor. Wir könnten warten bis eine Wache das Kraftfeld senkt und diese außer Gefecht setzen.

    Während ich noch fragte welche Wache so dumm sei kam die schmierige Wache zurück, grinste und deaktivierte das Kraftfeld. Er hatte seine “Einladung” zum Abendessen an Lucy kaum ausgesprochen, da lag er auch schon auf dem Boden. Niemand fasste meine Lucy an, vor allem kein schmieriger, ekelhafter Möchtegern-Pirat, der seit zwei Wochen keine Schalldusche mehr gesehen hatte.

    Ich nahm mir sein Gewehr, Commander Corlsen den Disruptor und wir öffneten die weitere Zelle, während wir unseren Piraten in eine Zelle sperrten und verschwanden. Nun kaum der schwierige Teil: selbst auf einer riesigen Piratenstation mit Hochbetrieb würden ein paar Sternenflottenoffiziere in Uniform auffallen, noch dazu hatten wir nur zwei Waffen. Wir schritten also vorsichtig voran. Wir hatten kaum die Zellen verlassen, da stand schon Nadine Hawkins vor uns.


    Natürlich war diese nicht überrascht, dass wir uns bereit befreit hatten. Dass Nadine hier war - vor allem frei war - würde die Flucht einfacher machen, wir hatten jetzt eine gute Chance zu einem Schiff zu kommen.

    Dann jedoch betrat Erron Black den Raum, alleine. Ich erhob sofort mein Gewehr, aber was dann passierte.. darauf hätte mich nichts und niemand vorbereiten können.

    Erron Black verkündete, dass wir gehen dürften, dass er bereits bezahlt worden sei und sprach noch irgendwas von “Nimbus III”, was auch immer das zu bedeuten hatte.

    Ich versuchte den Rest zu überzeugen, dass wir jemand der dutzende Föderationsschiffe angegriffen und Crews getötet oder gefangen genommen hatte nicht einfach zurücklassen dürfte, aber Nadine tat das mit einem “Nicht hier, nicht jetzt” ab. Auch Mr. Black gab direkt seine Meinung dazu ab, dass er einige von uns mitnehmen würde. Und er hatte Recht - mit nur zwei Waffen würde er mindestens zwei, drei von uns erledigen ehe wir ihn neutralisieren könnten, ich hatte selber erlebt wie leicht er Lucy und mich auf dem Frachter ausschalten konnte.

    Also ließ ich ihn für den Moment gewähren und wir traten den Weg zum Frachter an, wo Fey-Mina sich bereits auf ihr Lachsbrötchen freute.

    Wenig später waren wir an Bord angekommen und setzten wieder Kurs auf die Badlands, wo wir das weitere Vorgehen planen würden.

    Es blieb nur noch Lexa Griffin: was genau war mit ihr passiert? Doktor Vadiye war von ihr niedergeschossen worden und sie war auf der Station gewesen. War es möglich, dass sie wirklich mit Erron Black zusammenarbeitete. Wenn ja, wieso? Um sich an uns zu rächen, um Nadine Hawkins zu beseitigen? Nein, für beides hätte es andere Wege gegeben.

    Doktor Vadiye hat mir inzwischen vollen Remote-Zugriff auf die Solaris Datenbank gegeben - gut, dass ich dieses PADD mitgenommen habe - und ich weiß, dass Starfleet Intelligence einen Agent auf dieser Station hat. Laut Berichte hat Lexa Griffin eine der Wache exekutiert, aber wieso? Das weiß niemand.


    Wie geht es nun also weiter für uns? Was haben wir am heutigen Tage erreicht? Ja, wir konnten mit Doktor Vadiye und Lucy zwei weitere Crewmitglieder wieder in unseren Reihen aufnehmen und ihre Erinnerungen zurückholen, wir waren - relativ - in Sicherheit und niemand wollte uns für den Moment in eine dunkle Zelle sperren.

    Aber wir hatten auch die gesamte Crew der Solaris inklusive Lexa Griffin an Erron Black und seine Piraten verloren. Schlimmer noch, wir waren auf uns alleine gestellt. Selbst wenn die Sternenflotte noch nichts von unseren Handlungen weiß, wir könnten schlecht auf der Erde auftauchen und um Hilfe bitten.

    “Der Rest der Crew? Oh, ich weiß auch nicht, Admiral, irgendwie sind die alle gefangen genommen worden, aber wir wurden freigelassen!”

    Wenn ich Zugriff auf diese Intel Berichte habe wird es nicht lange dauern bis auch die Admirals diese haben.

    Wir haben also nicht viel Zeit. Und ab morgen früh werde ich meine gesamte Kraft, Anstrengung und all meine Überlegungen darin investieren Lösungen zu finden.

    Bis dahin…bin ich einfach nur froh, dass ich Lucy, meine Lucy wieder bei mir habe.

    Das mag unglaublich egoistisch klingen, aber alleine das war für mich ein Pluspunkt in der “Was hatten wir heute erreicht?” Spalte.

    Captain Paris, Commander Corlsen, Starborn Nadine Hawkins, Doktor Vadiye, Lucy, ich und eine verrückte Etherianerin an Bord eines Frachters… was könnte schon schief gehen?

    Computer, Logbuch beenden.

    =C= Log Ende.

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou wandert durch die minimal beleuchtete Krankenstation der U.S.S. Solaris, stets genauestens beobachtet von einem cardassianischen Sicherheitsoffizier, der seine Finger nicht für eine Sekunde von seinem Phaser lässt. "Als ob ihn dieser billige Phaser retten könnte" denkt Amicia sich während sie langsam den Kopf schüttelt und weiter in Gedanken versunken die Krankenstaiton auf und ab wandert.

    Schließlich nimmt sie sich ein - stark verschlüsseltes - PADD, das Doktor Vadiye ihr voll von Mitleid zum Studieren dieses Schiffes, vor allem dieses Universums gegeben hat, setzt sich in die am weitesten vom Biobett von Tom Paris entfernteste Ecke, kauert sich dort hin und beginnt leise zu sprechen.


    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou

    U.S.S Solaris

    Es gibt Momente, da wünschte ich, ich wäre - in den Worten meiner Mutter - eine "wahre Terranerin". Es sind nicht viele Momente und meistens nicht von langer Dauer, aber meine Mutter hätte diesen Cardassianer schon aus dem Weg geräumt, sich Verbündete gesucht, mittlerweile wahrscheinlich die Kontrolle über dieses Schiff übernommen.

    Stattdessen kauerte ich aufgelöst Sie wischt sich eine Träne aus dem Gesicht und fast wie gelähmt in dieser schlechten Ausrede für eine Krankenstation, ließ andere über mein Schicksal entscheiden und hoffte, dass irgendjemand mir helfen könnte.

    Die Crew der San Diego hatte mir viel beigebracht und ich war dankbar für die Lektionen von Lieutenant Griffin, Jaesa Hawkins, Tom Paris und all den anderen, aber manchmal.. ja, manchmal wünsche ich mir ich hätte nicht so verdammt gut aufgepasst.

    Und das Schlimmste? Nicht nur war ich eine Gefangene auf diesem Schiff, die möglichst bald auf eine Sternenbasis verlegt und dann wahrscheinlich niemals mehr als Tageslicht sehen würde. Nein, ich trauerte einer Frau hinterher, die gleichzeitig nur wenige Meter von mir entfernt stand und dennoch nie existiert hat.

    Wenn ich gewusst hätte, was Nadine Hawkins mit ihren Worten "Dinge werden nicht so sein wie sie waren" meinte, vielleicht wäre meine Motivation auf diese Mission zu gehen eine andere gewesen.

    So sehr ich unter diesem Verlust leide, so wenig habe ich das große Ganze aus den Augen verloren. Ja, wir haben das Multiversum gerettet, aber zu welchem Preis? Wenn die Informationen auf diesem PADD stimmen, ist der Großteil der ehemaligen San Diego bzw. Guardian Crew - Lexa Griffin, Lucy Tamas, Taya Vadiye, Aiden Corlsen und viele weitere - an Bord der Solaris, aber die Föderation ist deutlich isolierter, angreifbarer, von Rassen von Yath oder Uerq hat niemand etwas gehört, all unsere Opfer der letzten Jahren schienen umsonst.


    Aber fangen wir am Anfang an. Der große Tag, der wohl wichtigste Tag in der Geschichte des Multiversums begann mit einem unspektakulären Frühstück ehe Lucy und ich sowie der Rest der Führungsoffiziere ihre Stationen einnahmen und Captain Paris nach kurzem Zögern den Befehl gab den Sprungantrieb zu aktivieren.

    Admiral Telfon hatte kurz zuvor mitgeteilt, dass der Großteil der "Athena" Flotte vor wenigen Minuten von einer weiteren gravimetrischen Welle zerstört wurde, insgesamt gab es zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch 50, maximal 100 intakte Allianzschiffe.

    Etwa 20 Minuten später sollten wir ankommen, sodass ich dem Captain riet, die Zeit für eine kurze Konferenz zu nutzen.

    Wie erwartet, wurde es chaotisch und es wurde schnell offensichtlich, dass es keinen konkreten Plan gab. Nadine Hawkins warnte uns vor schwarzen Löchern, Anomalien und anderen "massereichen Objekten" im Zentrum des Universums, die eine Navigation schwer machen würden, aber das war nicht die Hauptsorge. Die Hauptsorge waren die Tausenden von Starborn, die der Gebieter auf seine Seite gezogen hatte. Selbst wenn wir wirklich einige davon überzeugen könnten die Seiten zu wechseln waren wir dennoch hoffnungslos in der Unterzahl.

    Wir planten Decks zu evakuieren und von Exokomps patrouillieren zu lassen, die Hüllenpanzerung zu testen, Upgrades der Waffen und viel mehr, aber all das würde keine Rolle spielen. Wir mussten den Gebieter finden und ausschalten, sobald wie möglich. Das war die einzige Lösung, das einzige Ziel. Nadine Hawkins, Lieutenant Griffin und Commander Corlsen diskutierten lange, ob wir all den Schaden, den der Gebieter angerichtet hatte, wieder rückgängig machen könnten und ich würde lügen wenn ich - zu diesem Zeitpunkt jedenfalls - nicht auch ernsthaft an den Antworten auf diese Frage interessiert war, aber all das war hinfällig, wenn wir den Gebieter nicht ausschalten konnten.

    Die strukturelle Integrität des Schiffes jedenfalls hielt dem Sprungantrieb statt und wenig später erreichten wir das Zentrum und kehrten auf die Brücke zurück.

    Captain Paris, Nadine Hawkins, niemand schien erfreut über den Ausgang dieser Konferenz, aber dafür war jetzt keine Zeit.

    Was die Sensoren meldeten, was der Bildschirm uns anzeigte.. Lieutenant Griffin's Worte, dass nichts davon so "existieren dürfte" lassen sich in ihrer Aussagekraft nicht übertreffen.

    Unter anderen Umständen wären schwarze Löcher ohne Anziehungskraft, hunderte von unbekannten Anomalien und diese seltsame Strahlung ein spannendes Forschungsprojekt gewesen, aber deshalb waren wir nicht hier.

    Nein, der Grund für unseren Aufenthalt hier stand wenig später wahrhaftig auf unserer Brücke: der Gebieter persönlich. Der Photonenstoß des Hühnchens interessierte ihn nicht sonderlich - das Hühnchen konnte sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen - stattdessen faselte er irgendwas davon wie wunderschön all das wäre, dass er nicht "wegen uns" hier sei und verschwand mit Nadine Hawkins von der Brücke.

    Die strukturelle Integrität begann nun rapide zu sinken und Lieutenant Griffin meldete, dass wir maximal 90 Minuten hätten, ehe die ersten Hüllenbrüche auftreten würden.

    Als wäre all das nicht schon ausweglos genug, meldeten die Sensoren 500 Starborn Schiffe im Anflug. Bisher meldeten die Sensoren zumindest noch keine Starborn an Bord, aber das würde sich in Kürze ändern.

    Und nun trug ich Captain Paris vor, wovon ich schon lange überzeugt war: unsere einzige Chance war quasi die gesamte Crew auf die Station des Gebieters - die wir durch größere Explosionen nach dem Transport von ihm und Nadine Hawkins finden konnten - zu beamen und ihn zu stoppen ehe es zu spät war.

    Der Captain willigte ein und so blieben nur Admiral Teflon und eine Handvoll weiterer Offiziere an Bord zurück, während der Rest sich auf den Weg Richtung Transporterräume machte.

    Gerade rechtzeitig hatte auch Jaesa Hawkins ihren Dornröschenschlaf beendet und humpelte mit einem Gewehr bewaffnet auf die Brücke. Ich konnte nur vermuten, wie das Gespräch mit Doktor Vadiye abgelaufen sein musste, aber selbst in diesem Zustand war Jaesa unsere beste Hoffnung.

    Noch wussten wir nicht, wofür wir hier genau kämpften, einige von uns - Jaesa selbst, aber auch ich - hatten noch geliebte Menschen, die sie schützen, ja sogar retten wollten. Andere wollten das Multiversum retten. Aber was uns alle einte, war ein Ziel: Rache.

    Somit beamten insgesamt vier Teams auf die Station, Doktor Vadiye und das Hühnchen sicherten mit einigen Mediziner unser "Basecamp" für eventuelle Verletzte oder Angriffe aus dem Hinterhalt, Lucy, Lexa Griffin und der Großteil der Sicherheit bildeten Beta Team, Lieutenant Jhan führte Gamma Team an und Captain Paris, Commander Corlsen und Jaesa übernahmen mit mir die Führung von Alpha Team.

    Diese "Station" war so merkwürdig wie der Rest dieses Gebietes. Nicht nur schien die Schwerkraft teilweise gar nicht oder gar in die andere Richtung zu funktionieren, wir konnten offene Korridore mitten im All betreten ohne EVA-Anzüge tragen zu müssen.

    So sprangen, kletterten und rannten wir durch einen Hindernisparcour, während wir von allen Seiten zumindest indirekt beschossen wurden, was einmal zu einem kurzen Sturz und größerem Umweg von mir führte. Als wir schließlich auf der anderen Seite angekommen waren, meldete Beta Team, dass sie unter starkem Beschuss standen.

    McKenzy und weitere Offiziere waren bereits tot, auch Lucy schien getroffen zu sein, als plötzlich die Verbindung abbrach.

    Ich versuchte verzweifelt, Lucy zu erreichen, irgendein Lebenszeichen zu erhalten, aber da war niemand mehr. Jedenfalls niemand, der sprechen konnte. Während ich Emotionen wie Wut, Angst, auch Ärger in mir spürte, hatte Jaesa eine ganz andere Erfahrung, als plötzlich Nadine Hawkins vor ihr stand und beide sich in die Arme fielen.Unter anderen Bedingungen wäre das rührend, wundervoll, emotional gewesen, aber nicht nur hatten wir eine Mission samt Zeitdruck, sondern meine Gedanken waren ganz woanders.

    Wie Jaesa nahm ich dann allerdings mein Gewehr wieder und versuchte mich so gut es ging auf unsere Mission zu konzentrieren, auch Commander Corlsen schien Probleme zu haben.

    Lieutenant Hühnchen verließ das Camp und versuchte Beta Team zu erreichen, während der Rest von uns seinen Weg weiter ging.

    Doktor Vadiye schaffte es kurz darauf gerade noch mitzuteilen, dass die Basis angegriffen wurde, ehe auch Delta Team verstummte, von Gamma Team hatten wir quasi seit Beginn nichts gehört.


    Nun standen wir vor einer Entscheidung: wir könnten versuchen, die Reste von Beta Team - inklusive Lucy - zu erreichen, um ihnen zu helfen, ja, sie vielleicht zu retten. Nadine Hawkins allerdings machte uns eindrücklich klar, dass der Gebieter in seiner "finalen Vorbereitungsphase" war, um das Multiversum endgültig unter seine Kontrolle zu bringen, wir hatten also keine Zeit mehr.

    Kurz darauf tauchte ein Starborn auf, der Commander Corlsen, Captain Paris und mich verletzte, woraufhin Nadine Hawkins eine weitere Starborn Fähigkeit unter Beweis stellte: sie konnte in begrenztem Rahmen Verletzungen heilen.

    Nun also starrten mich alle an, als ob ich die Antworten hätte: Ja natürlich wollte ich nichts mehr tun, als zu Lucy zu stürmen, unterwegs alle Feinde aus dem Weg zu räumen und sie heroisch zu retten, aber es ging hier nicht um mich, nicht um uns. Wir alle wussten von Anfang an, dass das hier eine Selbstmordmission wird, dass die wenigsten zurückkommen würden und wenn eines dieser Opfer Lucy Tamas war... dann würde mir das Herz brechen, aber es war besser als die Alternative.

    Also raffte ich mich hoch, als Jaesa mir auf die Schulter klopfte und meinte, sie würde Lucy retten, ja es mir versprach. Ich nickte ihr zu und schon war sie verschwunden, während der Rest von uns voranschritt. Für einen kurzen Moment hatte ich Hoffnung, dass es vielleicht doch noch ein positives Ende geben würde.

    Wenig später meldete Admiral Telfon, dass die Guardian von hunderten Starborn geentert worden sei und mehrere Hüllenbrüche erlitten hätte ehe seine Nachricht nach “Für das Romulanische Imperium!” verstummte, nur wenige Sekunden später sahen und spürten wir eine große Explosion.

    Die Guardian war nicht mehr, genauso wie Delta Team, Gamma Team, der Großteil von Alpha und Beta Team. Fünf, vielleicht zehn Personen waren alles, was noch zwischen dem Gebieter und seinem finalen Sieg standen.

    Aber es war zu spät umzukehren - wohin hätten wir ohne Guardian auch gehen sollen? - es blieb nur eine Richtung: voran, um jeden Preis.


    Dann jedoch wäre ich fast gebrochen, als eine hörbar angeschlagene, schwache, offensichtlich weinende Lucy sich mit den Worten, dass sie abgeschnitten seien, es nicht schaffen werden und ich solle für sie stark sein meldete. Ich versuchte zu protestieren, zu kämpfen, ihr klarzumachen, dass Jaesa auf dem Weg sei, aber ich kannte Lucy: sie würde so etwas nur sagen, wenn es wirklich keinen Ausweg mehr gäbe.

    Ich zog mich in eine Ecke zurück und ließ meinen Emotionen für einen Moment freien Lauf, ehe ich zu Nadine Hawkins, Captain Paris und Commander Corlsen zurückkehrte - gerade rechtzeitig um zehn Starborn direkt vor uns auftauchen zu sehen. Ehe wir feuern konnten, sprang Nadine Hawkins in diese Mitte dieser Gruppe und alle löschte sie alle aus.

    Sie schien danach erschöpft, aber was für eine Darstellung.

    Erst jetzt stellten wir fest, dass Commander Corlsen von einem dieser Starborn getroffen worden war - tödlich. Oder in Nadine Hawkins' Worten: seine Musik war endgültig verstummt. Ein Scan zeigte, dass nur noch drei nicht-Starborn Lebenszeichen an Bord der Station waren: Captain Paris, Jaesa und ich. Damit hatte ich auch Gewissheit, dass Lieutenant Griffin und Lucy, meine Lucy, tot waren.

    Ich nahm mir zwei Sekunden um durchzuatmen, auch Captain Paris sprach mir sein Beileid aus, aber dafür war keine Zeit. Ich raffte mich hoch und wir gingen weiter, Captain Paris listete noch unsere Verluste auf und entschuldigte sich schonmal im Voraus, falls auch er es nicht schaffen sollte - er hatte diesen Satz kaum beendet, da tauchte ein Starborn hinter ihm auf und rammte ihm ein Messer in den Rücken.

    Ich konnte den Starborn töten, aber es war bereits zu spät. In wenigen Minuten wäre auch Captain Paris tot, auf jeden Fall war er keine Hilfe mehr für diese Mission. Also blieben nur die beiden Hawkins und ich, wir hatten zwei Ziele: wir mussten den Gebieter aufhalten und den Obelisken, der seine Energie kanalisiert, abschalten. Dieser Obelisk war allerdings auch unsere einzige Chance, all das hier ungeschehen machen zu können - eine Vernichtung also keine Option.


    Zu diesem Zeitpunkt mehr denn je war diese Aufgabe fast genauso wichtig wie den Gebieter stoppen. Wir könnten das Multiversum retten und gleichzeitig all die Verlorenen wieder zurückholen, ein besseres Szenario konnte es nicht geben - so dachte ich zu diesem Zeitpunkt jedenfalls. Wenn ich gewusst hätte...egal, das war nicht die Zeit für Selbstmitleid.

    Nadine und ich gingen zu einem Computerkern um mehr über diesen Obelisken in Erfahrung zu bringen, während Jaesa - natürlich - alleine die Jagd auf den Gebieter begann.

    Zuvor allerdings umarmte sie mich aus dem Nichts und dann war es Zeit Abschied zu nehmen. Jaesa und ich, aber vor allem Nadine und Jaesa Hawkins. So tragisch all das hier war, dass diese beiden nach all den Jahren wieder aufeinander getroffen sind, nur um sich direkt wieder zu verlieren... es gab an diesem Tage kein Happy End, egal was weiter passieren würde.

    Nadine Hawkins nahm dann - mit leuchtenden Händen - Zugriff auf die Datenbanken des Gebieters und verkündete mit einem Lächeln, dass es einen Weg gäbe, all die Verluste rückgängig zu machen - wenn auch mit unbekanntem Ausgang. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich alles musste besser sein als diese Realität, aber jetzt...jedenfalls hatten die Starborn etwas gegen unseren Zugriff auf die Konsolen, es folgten weitere Kämpfe, aber wir waren am Ende siegreich und folgten der Blutspur von Jaesa zu einem Fahrstuhl, der direkt in die Kammer des Gebieters führte.

    All die Schlachten, all die Verluste, all die Entwicklungen der letzten Jahre hatten uns zu diesem Showdown geführt. Nadine Hawkins und ich betraten die "Arena" und sahen bereits den Gebieter über dem leblosen Körper von Jaesa Hawkins.

    Meine Wut stieg weiter an, vor allem als dieser Tölpel einen ewig langen Monolog startete, wie er gewonnen hätte, ihn niemand aufhalten könnte und dass wir gleich genauso tot am Boden liegen würden wie unser Crewmitglied - aber natürlich war dieses Crewmitglied nicht tot und der Gebieter hatte Jaesa wieder einmal unterschätzt, sie raffte sich hoch und eröffnete das Feuer, was Nadine und ich ihr gleich taten.

    Es folgte ein langer, intensiver Kampf, in welchem wir alle schwer verletzt wurden, ehe Nadine Zugriff auf den Obelisken nehmen konnte und Jaesa und ich es irgendwie schafften den Gebieter davon abzuhalten sie zu stoppen. Als er sie schließlich außer Gefecht setzte war es bereits zu spät.

    Mitten in der Arena bildete sich eine Anomalie, nun gab es nur noch ein Ziel: wir mussten den Gebieter in dieser versenken. Das war leichter gesagt als getan, wir kämpften, versuchten alles, aber niemand hatte eine Idee ehe Jaesa auf ihn zustürmte, ihn packte und beide gemeinsam in den Abgrund fielen.

    Die wieder zu sich gekommene Nadine und ich sahen uns verwundert, stolz aber auch traurig an, ehe alles schwarz wurde.


    Gefühlt wenige Sekunden später wachte ich dann von einem Rumpeln und dem roten Alarmton eines mir unbekannten Schiffes in einem dunklen Quartier auf. Alleine. Keine Lucy, keine Anzeichen, dass ich an Bord der San Diego,Guardian, Khitomer oder irgendeinem anderen mir bekannten Schiff wäre.

    Dafür stieß ich mir den Kopf an einer Wand und trat vorsichtig über mir unbekannte Korridore den Weg zur Krankenstation an, wo ich zumindest zwei mir bekannte Gesichter sah: Doktor Vadiye und Lieutenant Lexa Griffin - letztere allerdings in einer grünen Uniform.

    Und nach und nach dämmerte mir, was Nadine Hawkins mit ihren Worten meinte, dass wir selbst bei einem Erfolg, selbst bei einem Zurücksetzen der Zeitlinie Dinge verändern würden.

    Aber es war schlimmer als das: weder Lexa Griffin noch Doktor Vadiye erkannten mich. Eine offensichtlich verletzte - erst jetzt erfuhr ich, dass sich das Schiff offenbar im Kampf mit zwei Raidern befand und schwere Schäden erlitten hatte - Etherianerin wurde von Doktor Vadiye behandelt. Wobei “behandelt” hier in beide Richtungen ging, denn auch Doktor Vadiye trug einige Schäden von dieser Behandlung davon.

    Doktor Vadiye schloss sich dann Lieutenant Griffin bei meiner Behandlung an, aber keine der zwei zeigte irgendwelche Anzeichen, mich zu erkennen.

    Wenigstens waren meine Verletzungen minimal, meine Platzwunde am Kopf ließ sich schnell behandeln und die leichte Gehirnerschütterung durch den harten Aufprall war auch keine Gefahr.


    Nun hatte ich zwei Möglichkeiten: ich könnte es bei diesen Behandlungen bewenden lassen, die Krankenstation in all dem Chaos verlassen, diskret Informationen sammeln, Verbündete finden, falls nötig die Kontrolle übernehmen oder dieses Schiff verlassen - den terranischen Weg nutzen bzw. den Weg, den die Geheimdienstagentin in mir nutzen wollte.

    Aber das hier war keine Geheimdienstoperation, keine Mission, kein einfacher Auftrag. Das hier waren meine Freunde, für die ich vor wenigen Minuten bereit war mich zu opfern, zur Hölle die ich selber hatte reihenweise sterben sehen.

    Nein, ich musste ehrlich sein, egal wie die Konsequenzen sein mögen. Auch wenn sie sich nicht an mich erinnern mögen, diese Personen waren Sternenflottenoffiziere und ich hatte diese Crew schon einmal vom Unmöglichen überzeugen können, in dem ich ehrlich war.

    Also fragte ich nach wo ich sei, was passiert wäre und wieso mich niemand erkannte. Die Etherianerin - Fey-Mina war offensichtlich ihr Name - ließ nun von Doktor Vadiye ab und wandte sich mir neugierig zu.

    Alle waren sich einig, dass meine Verletzungen keine Erinnerungslücken erklären würden, also musste es eine andere Erklärung geben.

    Die Etherianerin wollte ihre telepathischen Kräfte nutzen um in meine Erinnerungen zu sehen - zunächst war ich skeptisch, waren wir doch offiziell mit den Etherianern noch im Krieg, aber schließlich willigte ich trotz Datenschutzbedenken ein.

    Und so teilte ich meine Erinnerungen, vom Angriff auf die Basis des Gebieters, den Toden der gesamten Guardian Crew, quasi unseres gesamten Universums.

    Mit dem Kommentar “Was zum Lachsbrötchen?!” hatte ich nicht gerechnet, aber Fey-Mina schien ernsthaft überfordert mit diesen Erinnerungen.

    Sie ging viele Optionen - Holoroman,Täuschungen, Halluzinationen - durch, aber ich versuchte an die Wissenschaftlerin, die Offizierin in ihr zu appellieren. Wenn diese Crew auch nur im Ansatz ähnliche Erfahrungen wie die San Diego gemacht hatte dann war dieses Szenario nicht so weit hergeholt.


    Für eine Weile schien es auch so als würde ich sie erreichen, sie sprach von der “dunklen Gestalt mit dem Helm” und war eher enttäuscht, schockiert, dass ich Erinnerungen hatte, die sie nicht hatte, ja dass sie nicht dabei sein konnte.

    Aber dann schloss sie all das mit den Worten vielleicht sei ich auch einfach verrückt ab, dass sie gesehen hatte, was ich glaubte, gesehen zu haben und verschwand vom Biobett als die Türen sich öffneten und niemand geringeres als Captain Tom Paris die Krankenstation betrat, gefolgt von Commander Corlsen.

    Und dann geschah - das erste Mal seit dem Aufwachen in diesem Alptraum - etwas Positives, Captain Paris hatte seine Erinnerungen! Wir tauschten uns kurz über das Ende der Mission aus, aber dann sah ich Lucy und ich.. Ich konnte mich nicht halten, stürmte auf sie zu und umarmte sie. Und für einen Moment war alles wieder in Ordnung. Vor weniger als einer Stunde dachte ich, ich hätte sie für immer verloren, war nur noch von Rache getrieben, den Gebieter zu töten, aber jetzt stand sie wieder vor mir, in meinen Armen.

    Doch das hielt nicht lange, denn Lucy wies mich zurück und fragte mich, wer ich sei. Wie auch Commander Corlsen hatte sie keinerlei Erinnerungen an die Mission, das Multiversum zu retten, noch dazu trug sie eine gelbe Uniform und war offensichtlich die Sicherheitschefin an Bord.

    Es folgte dann eine lange Diskussion über das weitere Vorgehen - von Brig über psychiatrische Einrichtungen bis hin zu weiteren Untersuchungen war alles dabei - ehe Doktor Vadiye ihren vidiianischen Tricorder aus einer Kiste holte und etwas finden konnte, das Captain Paris und mich retten könnte: minimale Quantenvarianzen in unseren Biosignaturen.

    Weder “Doktor” Griffin noch Lucy hatten bei ihren Scans zuvor etwas entdecken können, aber das bewies zumindest, dass wir nicht aus dieser Zeit, vielleicht sogar nicht einmal aus diesem Universum stammten.

    Ob unser Universum wie wir es kannten noch existierte - und falls ja, ob es Wege gab dorthin zurückzukehren - war für den Moment unwichtig, aber es war ein Lichtblick.

    Noch dazu waren wir umgeben von all den Personen, die uns wichtig waren, alles andere würden wir mit der Zeit regeln können.


    So dachte ich jedenfalls, bis ein Klingone die Krankenstation betrat, mit Lucy ein paar Blicke und Worte wechselte, ehe diese verkündete, dass sie jetzt auf ein Date gehe.

    Und dann…dann brach meine Welt zusammen. Ich versuchte - erfolglos, da bin ich sicher - mir nichts anmerken zu lassen, aber innerlich zerstörte mich das mehr als Lucy’s “Tod” auf der Basis des Gebieters.

    Als Offiziere der Sternenflotte, zumal auf dieser Selbstmordmission, mussten wir immer mit dem Tod rechnen. Das heißt nicht, dass diese Tatsache nicht dennoch unglaublich schmerzhaft war, aber es war nicht überraschend, in all den Jahren im Geheimdienst wurde ich auf solche Verluste vorbereitet.

    Aber das? Nein, darauf hätte mich nichts und niemand vorbereiten können. Sie stand direkt vor mir, am Leben und entschied sich für jemand Anderes.

    Sie verließ dann auch schnell die Krankenstation, allerdings nicht ohne mir einen Blick zuzuwerfen. Wäre ich naiv - oder romantisch - hätte ich daraus Hoffnung geschöpft, dass sie mich doch erkannt oder Gefühle wiederentdeckt hat, aber ich wusste, dass es mehr als das war. Nein, das war ein Test. Ich weiß nicht, ob diese Lucy jemals im Geheimdienst war oder nicht, aber sie war mindestens genauso schlimm wie “meine” Lucy und wollte meine Reaktion testen.

    Nicht aus Eifersucht oder Liebe, sondern um zu sehen, ob ich reagieren würde, wie ich reagieren würde. Es gab keinen anderen Grund, diese Information lauthals durch die Krankenstation zu rufen. Und mit meiner Umarmung hatte ich ihr die Vorlage gegeben zu testen, ob ich die Wahrheit sagen - oder zumindest unglaublich gut schauspielern kann.

    Natürlich musste meine neue etherianische Freundin mich hier weiter provozieren, fragte mich wieso mich der “Paarungsversuch” von Lucy mit einem Lieutenant McKenzy - wenigstens hatte ich schonmal einen Namen für den Fall der Fälle - so stören würde und ob sie wohl den Hochzeitskuchen abbestellen sollte. Aus Versehen trat ich ihr zweimal gegen den verletzten Flügel, ehe sie von Commander Corlsen fortgerufen wurde.

    Captain Paris meinte noch, dass ich ein Talent dazu hätte schnell neue Freunde zu finden und tatsächlich hatte diese Fledermaus das Potential meine neue beste Freundin zu werden - was sie allerdings nicht wusste war, dass ich nicht nur die Tochter eines terranischen Imperators war, sondern auch jahrelanges Training und Erfahrung im Geheimdienst sammeln konnte - darunter wie sehr sich solche Provokationen eignen mehr über andere zu erfahren.


    Wenigstens hatte Lucy durch ihr Verschwinden ihre Hand vom Phaser genommen, mit welchem sie uns am liebsten schon gestern in die Arrestzelle gesperrt hätte - und das nicht auf die angenehme Weise.

    Doktor Griffin beschloss aufgrund der neuen Daten, dass wir vorerst auf der Krankenstation bleiben sollten, Doktor Vadiye sollte “jede mögliche Untersuchung” durchführen.

    Als ich schon dachte, dass dieser Tag nicht mehr verrückter werden kann, betrat ein Hühnchen die Krankenstation - und dieses Hühnchen war der Captain des Schiffes!

    Nach kurzer Beratung willigte der Captain mit Doktor Griffin’s Vorschlag ein, sodass Doktor Vadiye ihre Untersuchungen begann.

    Hier erfuhr ich gleich den nächsten Schicksalsschlag, denn offenbar hatte in diesem Universum noch niemand den Begriff “Terraner” gehört, sodass der Klingone direkt zu lachen anfing als ich meine Rasse nannte. Taktisch könnte das ein Vorteil sein, wenn ich als “verrückter Mensch” statt als Terranerin gesehen werde, aber meine Hoffnung war immer noch, dass wir hier eine andere Lösung finden.

    Der Großteil der anderen - Doktor Griffin, Fey-Mina, der Captain - verließ dann die Krankenstation, sodass es wenigstens etwas ruhiger wurde.

    Doktor Vadiye beschloss dann nach ersten Untersuchungen auch, dass es Zeit wurde uns “zu erholen”, sodass sie das Licht dämmte und ehe ich protestierte konnte Captain Paris und mir ein Schlafmittel verabreichte.

    Das war vor… ein paar Stunden schätze ich, da Captain Paris noch tief und fest schläft und weit und breit kann Anzeichen von Doktor Vadiye oder anderen Medizinern ist schätze ich, dass das Schlafmittel für Menschen konzipiert war, sodass mein terranischer Körper dieses schneller verarbeitet hat als gedacht.


    Amicia Georgiou atmet tief an, legt das PADD für einen Moment zur Seite und studiert den Raum, die Displays, achtet auf jedes Detail wie sie es in unzähligen Sternenflotten und später Geheimdiensttrainings gelernt hat.


    Angeblich soll fokussieren helfen, unliebsame Gedanken zu vergessen, seine Aufmerksamkeit wirklich zu konzentrieren. Und das funktioniert, für eine gewisse Zeit. Aber bei allem was ich heute erfahren, erlebt habe… nicht nur ist quasi meine gesamte Crew vor meinen Augen gestorben und wir haben die größte Bedrohung für das Multiversum besiegt, nein die “Kosten” für diesen Sieg waren schlimmer, vor allem höher als erwartet.

    Ich war in meinem unbekannten Universum gestrandet, in welchem niemand jemals von Terranern gehört hatte, in welchem es keinen Tom Paris und keine Amicia Georgiou gab.

    Wir waren auf einer Deep Space Missionen Monate von der Erde entfernt in einem unbekannten Sektor und unbekannt war auch diese Crew. Das galt nicht nur für eine etherianische Wissenschaftsoffizierin, einen klingonischen Taktikoffizier oder einen Ferengi ersten Offizier, sondern vor allem für diejenigen, deren Gesichter ich zwar kannte, die aber nicht die Personen waren die ich kannte, ja mich kannten: Lexa Griffin, Aiden Corlsen, Taya Vadiye, Hühnchen, Lucy Tamas…es war als wäre ich auf einem Geisterschiff gestrandet, dessen Crew die Seelen meiner Freunde übernommen haben.

    Und dann war da Jaesa. Niemand wusste was mit ihr passiert war, auf der Crewliste der Solaris fehlt von ihr jede Spur. Auch eine Suche in der - zugegeben gesicherten - Datenbank fand keine Treffer, also wo war sie? Ebenfalls mit ihren intakten Erinnerungen gestrandet in “falschem” Universum? Würden wir sie jemals wiederfinden können? Hatte sie einen noch höheren Preis als Captain Paris und ich bezahlt, die möglicherweise als Gefangene oder Verrückte enden würden?


    Ja, die Perspektiven waren… nicht gut. Ich würde gerne motivierende Worte wie “Wir haben schon Schlimmeres geschafft” oder “Wenn der Gebieter uns nicht aufhalten kann, kann das auch keine verrückte Etherianerin” zum Abschluss dieses Eintrags nutzen, aber die Wahrheit ist… ich fühle mich nicht motivierend, nicht positiv. Ja, ich war am Leben, wir hatten das Multiversum gerettet und all unsere Freude, unsere Crew- mit einigen Fragezeichen wie Jaesa Hawkins - waren wieder am Leben, es gab Hoffnung. Und doch… das einzig schlimmere Schicksal als jemanden für immer zu verlieren war wohl diese Personen jeden Tag vor sich zu sehen und doch mit Fremden konfrontiert zu sein.

    Das galt für Lexa Griffin, Doktor Vadiye, Aiden Corlsen und all die anderen, aber natürlich galt es vor allem für Lucy. Hätte ich all das vorher gewusst, hätte ich trotzdem die selbe Entscheidung getroffen? Natürlich, dafür stand zuviel auf dem Spiel. Aber wenn ich ganz ehrlich bin hätte ich vielleicht mit fünf Prozent weniger Energie, fünf Prozent weniger Ehrgeiz gekämpft - und das hätte in diesem Gefecht einen wahnsinnigen Unterschied machen können.

    Aber das spielte keine Rolle, wir hatten gehandelt wie wir gehandelt hatten und jetzt mussten wir damit leben, das würde ich tun. Und ich war noch nicht bereit aufzugeben, nicht mein Universum, nicht diese Crew und erst Recht nicht Lucy. Wir hatten schon einmal in aussichtslos scheinenden Umständen zueinander gefunden, wieso also kein zweites Mal? Und wenn ich dafür Lieutenant McKenzy aus dem Weg räumen müsste.

    Computer, den letzten Satz streichen.

    Die noch wichtigere Frage war: wie stand es um den Gebieter in diesem Universum? Ich glaubte nicht für eine Sekunde, dass wir ihn das letzte Mal gesehen hatten und je früher wir uns darauf vorbereiten, desto besser. Sonst wird sich all das ein paar Wochen, Monaten oder Jahren wiederholen.

    Was ich jetzt nicht für einen Zugriff auf die Geheimdienst Datenbanken geben würde - und ja, das hatte ich bereits erfolglos versucht.


    Die Tür der Krankenstation öffnet und Doktor Vadiye betritt mit einem PADD in einer und einem Heißgetränk in der anderen Hand die Krankenstation, wo sie direkt in’s Büro durchgeht. Amicia sieht ihr hinterher, ehe sie sicher ist, dass Vadiye sie nicht gesehen hat.


    Okay, Agent Georgiou, es wird Zeit das alte Training wieder aufzufrischen: Lektion 104, Assets rekrutieren. Das Ziel: Taya Vadiye.


    Sie grinst für einen kurzen Augenblick, legt das PADD zur Seite und zieht sich an der Wand der Krankenstation hoch.


    Computer, Aufzeichnung beenden.


    =C= Log Ende.

    Lieutenant Lucy Tamas betritt grinsend ihr Quartier, verabschiedet sich mit einem Kuss von ihrem Date und lässt die Türen langsam schließen, ehe sich ihr Gesichtsausdruck verhärtet, sie Schuhe auszieht und auf einem der Sofa in der Mitte des Quartiers Platz nimmt.

    Während sie ihr Quartier aufräumt beginnt sie vor sich hinzusummen, ehe sie folgenden Befehl gibt:

    Computer, beginne persönliches Computerlogbuch


    Persönliches Computerlogbuch

    Leitende Sicherheitsoffizierin Lieutenant Lucy Tamas

    U.S.S. Solaris


    Im Dienste der Sternenflotte, zumal hier draußen weit entfernt von allem Bekannten, ist wohl jeder Tag ein außergewöhnlicher; jeder Tag voll von seltsamen Überraschungen.

    Und jeder dieser Tage hinterlässt Spuren. Der heutige jedoch… nein, sowas hätte ich in meinen kühnsten Träumen, ja Alpträumen nicht erwartet. Kein Wunder, dass das Wort “bekloppt” heute mehr als einmal fiel.


    Dabei begann alles so alltäglich: wir waren auf dem Weg in das unerforschte Gamma Zir System, als wir einen Notruf der S.S. Fortune erhielten. So weit, so gewöhnlich, hier draußen waren Notrufe von Frachtern quasi alltäglich. Fast jeder Captain versuchte “Abkürzungen” zu nehmen, die Warnungen der Föderation, dass die Handelsrouten unter keinen Umständen verlassen werden sollten, wurden eher als Empfehlung denn als lebensrettende Warnung gesehen.

    Und so retteten wir oder ein anderes Schiff quasi täglich Frachter - oder versuchten es zumindest.

    In diesem Fall waren wir fast zu spät, denn bei Ankunft an den Koordinaten des Frachters hatte dieser bereits seine Schilde verloren und die Lebenserhaltung drohte zu versagen.

    Captain Hühnchen gab den Befehl das Feuer zu eröffnen und uns zwischen die beiden unbekannten Raider und die Fortune zu bringen, was auch gelang.

    Wir erlitten allerdings größere Schäden, außerdem beamten die Piraten Enterteams auf den Frachter.

    Der Captain gab Lieutenant Kovek den Befehl ein Enterteams zusammenzustellen, um den Frachter und seine Crew zu sichern - diese Aufgabe delegierte er sofort an mich weiter.

    Streng genommen mag das meine Aufgabe als Sicherheitschefin sein, aber ich habe selten einen Klingonen gesehen, der so wenig Interesse an “ehrenvollen Gefechten” hatte wie unser taktischer Offizier, der lieber aus der Ferne Knöpfe drückte statt sich sein bat’leth schmutzig zu machen.

    Ich berief also ein Sicherheitsteam in den Transporterraum und nahm auch Fey-Mina mit, die bereits auf vorherigen Missionen ihre.. Talente unter Beweis stellen konnte.


    Kurz darauf konnten wir aufgrund hervorragender Manöver unseres Steuermannes die Schilde senken und beamten auf die Fortune.

    Was wir dort vorfanden lässt sich nicht in Worte fassen; Chaos, Tod, Panik und alles dazwischen umgaben uns. Wir konnten einige der Raider ausschalten, verloren allerdings auch einige Offiziere, Fey-Mina wurde ebenfalls am Flügel verletzt - mal wieder.

    Es gelang uns zumindest unter schweren Verlusten den Großteil der noch lebenden Crew zu retten, eher wir über den offenen Comm-Kanal zwischen den Raidern und der Solaris hörten, mit wem wir es hier zu tun hatten: Erron Black.

    Wohl kaum ein “Pirat” ist so berühmt-berüchtigt wie er, aus gutem Grund. Er hat mehr Frachter angegriffen als jeder andere, sein Ruf eilt ihm im gesamten Quadranten voraus.

    Im Raum von Föderation, Klingonen, Romulanern, Tholianern oder anderen Großmächten mag er kurze Angriffe starten, aber hier draußen war seine Macht quasi unbegrenzt.

    Unser Team machte kurz darauf persönlich Bekanntschaft mit Mister Black, er betäubte Fey-Mina und ich konnte sie gerade noch rechtzeitig aus der Gefahrenzone bringen.

    Wir hatten nicht viel Zeit, also beamten wir alle Überlebenden - unser Team sowie die Crew der Fortune - sowie unseren Gefallenen auf die Solaris zurück, ehe es Lieutenant Kovok mit der “klingonischen Taktik” - solange auf die Konsole einschlagen bis etwas passiert - gelang zumindest einen der Raider zu vernichten.

    Die Solaris war allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, sodass Captain Hühnchen den Befehl gab die Fortune samt ihres “Kopfgeldes” zu vernichten und dann auf Warp zu springen, wir wurden nicht verfolgt.

    Während Fey-Mina und der Rest des Teams auf die Krankenstation gingen, blieb ich auf der Brücke und behielt die Sensoren im Auge.


    Dann wurde ich von Commander Corlsen in die Messhall gerufen und der interessante, merkwürdige, mysteriöse, frustrierende Teil des Tages begann.

    In der Messhall angekommen, stand vor uns ein unbekannter Mann in der Sternenflottenuniform eines Captains. Er behauptete sein Name sei Tom Paris, verstrickte sich dann aber sehr schnell in Lügen, da er zuerst auf “Transfer” war und dann plötzlich nicht mehr genau wusste, wie genau er an Bord gekommen war.

    Nach einem kurzen Verhör, das keine verwertbaren Informationen hergab, begleitete ich den “Captain” auf Befehl vom zwischenzeitlich dazu gerufenen Captain Hühnchen auf die Krankenstation. Offiziell, um seine Kopfschmerzen behandeln zu lassen, sollten die Mediziner sich diesen Vogel mal genau vornehmen.

    Er leistete keinen Widerstand und so erreichten wir bald die Krankenstation, wo bereits.. reger Betrieb herrschte.

    Doktor Griffin begann mit der Behandlung des Gastes, während mein Phaser und ich Position an der Ausgangstür einnahmen.

    Und ich beobachte das weitere Vorgehen genau. Auf einem anderen Biobett lag eine mir unbekannte Frau mit den Rankpips eines Lieutenant Commanders an einer roten Uniform, aber auch sie war nicht Teil dieser Crew.

    Captain Paris jedoch schien sie zu erkennen - und andersrum - ehe diese Frau meinen Namen ausrief, wie eine Verrückte durch die Krankenstation rannte und mich umarmte, ehe ich überhaupt irgendwie reagieren konnte.


    Es dauerte ein paar Sekunden und brauchte Fey’s “Darf ich den Paarungsversuch beobachten?” Spruch ehe mir klar wurde was hier gerade passierte, ich diese Frau zurückwies und sah wie sie mit gesenktem Kopf den Weg zurück Richtung Biobett antrat, wo sie das Gespräch mit Tom Paris weiterführte. Beide behaupten, sie könnten sich “erinnern” und Fey schien fast zerstört, dass jemand Erinnerungen hatte, die sie nicht teilte, aber niemand wusste für den Moment, was genau hier vor sich ging.

    Oh, es war möglich, dass diese zwei Eindringlinge waren, Wechselbälger, Mitglieder von Spezies 8472 oder ein dutzend anderer Rassen mit ähnlichen Fähigkeiten, aber diese unbekannte Frau - Amicia Georgiou war angeblich ihr Name - hatte Recht mit einem: welche Spione würden freiwillig auf die Krankenstation gehen, sich öffentlich in der Messhall aufhalten und jede Untersuchung mitmachen? Und diese Geschichte war zu wirr, zu abstrus, um erfunden worden zu sein, das hatte ich in meinen Jahren in der Sternenflotte gelernt.

    Zumal als Doktor Vadiye mit ihren vidiianischen Scanner eine minimale Quantenvarianz bei unseren Gästen feststellte, was zumindest die Möglichkeit offen ließ, dass sie aus einer anderen Galaxie stammten.


    Vor allem aber war da “Commander” Georgiou. Ich kannte diese Frau nicht, nach allem was ich wusste war sie ein Spion, eine feindliche Agentin oder Schlimmeres. Und ich hatte heute mein drittes wahnsinnig schönes Date mit Lieutenant McKenzy, konnte mir mittlerweile sehr gut eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Warum zur Hölle also kann ich diese Umarmung nicht vergessen? Warum fühlt es sich an, als wäre diese Umarmung das worauf ich all die Jahre gewartet habe?

    Ich bat den inzwischen dazugekommenen Lieutenant Kovek meine Wache zu übernehmen und trat den Weg zu meinem Date an. Aus irgendeinem Grund musste ich diese Information mit dem Rest der Krankenstation teilen - bis heute wusste außer Lieutenant McKenzy, Kovek und mir niemand von diesen Dates - und sah im Augenwinkel die enttäuschte, fast zerstörte Reaktion dieser Unbekannten. Das war nicht gespielt, diese Frau kannte mich, wie auch immer das möglich war.


    Ich verließ dann die Krankenstation, genoss das Date auf dem Holodeck, aber meine Gedanken kreisten quasi dauerhaft bei diesen Unbekannten.

    Mit Sicherheit gibt es eine rationale, wissenschaftliche Erklärung, der wir schon etwas näher gekommen sind, aber für den Moment bin ich aufge…aaarghhhas


    Lucy fasst sich an den Kopf, kneift die Augen zusammen und zittert am ganzen Körper, während sie Blitze, Fragmente, aus dem Kontext gerissene Bilder von dieser Fremden vor sich sieht.

    Nach wenigen Sekunden lassen die Schmerzen und Bilder nach und Lucy steht auf.

    Sie geht mehrere Minuten in ihrem Quartier auf und ab, ehe sie den Entschluss fasst, dieses Mysterium, das plötzlich sehr persönlich geworden ist, zu lösen.

    Computer, gib mir alle Informationen über “Amicia Georgiou”, “Terraner”, “Tom Paris” und Quantenvarianzen, Authorisation Tamas-gamma-6.

    Sie setzt sich voller Motivation, aber auch Angst, an ihren Schreibtisch und beginnt die wenigen Einträge zu lesen.


    Okay, das hilft mir nicht. Es gibt nur einen Ort, nur eine Person, von der ich Antworten erhalten werde. Und diese werde ich mir morgen holen, ehe das vielleicht für immer unmöglich wird.


    Mit diesen Worten schließt sie ihren Computer, zieht sich um und legt sich in’s Bett.


    Computer, das Licht dimmen und Logbuch beenden.


    =C= Log Ende.

    12270


    Der nächste Plot ist nächsten Sonntag (18.05.) um 18.00 Uhr. Generell ist das krass, wenn man darüber nachdenkt, dass BERP / RPO nächstes Jahr "volljährig wird", das ist eine sooo lange Zeit.


    @Tom: Wir hatten mit unseren Probespielern oder dem Counselor auch mal fünf oder sechs, aber meistens vier, ja.

    @Harry: Lügen darf man nicht sagen.

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou verlässt gegen 02.30 Uhr die Krankenstation der U.S.S. Guardian, sieht sich auf dem leeren Gang um & schüttelt langsam den Kopf. Trotz ihrer Bemühungen kann sie nicht verhindern, dass sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen bildet. "Vex, Maximus Erlanger, Starborn, Gebieter, Tal Shiar, Borg, Breen, meine Frau Mutter... ich bin schwere Kämpfe gewohnt, aber ich hätte nicht gedacht, dass mich ausgerechnet Steaks in die Knie zwingen...zum Glück hat Doktor Vadiye direkt das richtige Hypo bereit gehabt" murmelt sie auf dem Weg Richtung Turbolift vor sich hin.


    Wenige Minuten später betritt Amicia ihr Quartier und setzt sich auf eines der Sofas im Eingangsbereich.Sie nickt Lucy, die auf dem Bett liegend und leicht angetrunken eine Nachricht aufnimmt, zu, lächelt kurz und starrt anschließend für eine gefühlte Ewigkeit nachdenklich aus dem Fenster. Schließlich schüttelt sich Amicia mehrmals als wolle sie ihren Gedanken entkommen und spricht dann im typischen Sternenflotten Befehlston den sie über Jahre an Kommandoerfahrung geübt hat: "Computer, beginne persönliches Computerlogbuch".


    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou

    U.S.S Guardian:


    Wohl nichts beschreibt unseren aktuellen Zustand so gut wie die Tatsache, dass nicht nur Lucy sondern fast die gesamte Crew in diesen Minuten Abschiedsnachrichten an ihre Freunde, Partner, Familien oder andere Weggefährten aufnimmt. Jede Mission hat ihre Risiken, im Dienste der Sternenflotte könnte jeder von uns jeden Tag durch den Angriff einer feindlichen Spezies, eine Anomalie, eine Fehlfunktion oder ungefähr 5000 andere Dinge sterben. Das weiß jeder von uns, das wissen unsere Familien, damit haben wir alle uns abgefunden.

    Aber diese Mission... mit großer Wahrscheinlichkeit wird das hier mein letzter Logbucheintrag werden. Egal ob wir es schaffen den übermächtig scheinenden Gebieter zu stoppen oder nicht, wohl niemand wird von dieser Mission lebendig zurückkommen.

    Und diese Nachrichten...wir werden sie vor unserem Sprung in's Zentrum des Universums abschicken, aber wird jemand sie hören? Mit der Zerstörung der Erde und der meisten anderen Allianzwelten haben nur die wenigsten von uns Gewissheit, dass unsere Familien überhaupt noch am Leben sind. Lucy konnte ihren Onkel auf einem Frachter erreichen, aber die meisten Crewmitglieder werden wohl nie Gewissheit haben - trotzdem tat es gut diese Nachrichten aufzunehmen.

    Was mich angeht: wem sollte ich schreiben? Lucy, Lieutenant Griffin, Jaesa - deren Zustand leider unverändert ist - ... sie alle sind an Bord der Guardian. Captain Mystral sitzt in der Arrestzelle der Hornet, welche nach letzten Berichten nach dem Angriff auf Admiral Nechayev allerdings schwere Schäden erlitten hat. Also überließ ich Lucy das Nachrichten schreibe - generell hatten wir durch unsere gemeinsame Zeit in Starfleet Intelligence einige gemeinsame "Freunde" - und konzentrierte mich auf das Wesentliche: unsere Mission.


    Commander Corlsen und unsere Starborn hatten ganze Arbeit geleistet, der Sprungantrieb war bereit und wir konnten auf Befehl von Captain Paris jederzeit starten. Zuvor gab es noch einige Punkte abzuarbeiten, Zyniker - oder Realisten, je nach Sichtweise - würden sagen, dass wir unsere "affairs in order" bringen sollten bevor wir unserem unausweichlichen Tod entgegen springen. Zunächst einmal war da die Crew der Kyushu: Commander McFarr hatte ihrem Captain Kindley nach einem kurzem Verhör seinen Rank und seine Kommission entzogen und ihn zur Haft auf Almatha III verurteilt, die Uerq hatten extra eine Art Arrestzelle errichtet. Als Terranerin erschien mir diese Strafe zu lasch - er hatte seine Crew feige im Stich gelassen und selbst nachdem klar war, dass viele überlebt hatten keinerlei Anstalten gemacht zu helfen - aber selbst unter diesen Umständen waren Offiziere wie Commander Hanna McFarr nicht in der Lage über ihr Sternenflottentraining hinaus zu gehen, sodass es bei dieser Strafe blieb.

    Wir wurden dann plötzlich von der Oberfläche gerufen, offenbar hatte die Crew der Kyushu den Uerq einen Subraum Transceiver übergeben, sodass diese nun in der Lage waren Kontakt mit uns aufzunehmen. Streng genommen war das ein Bruch der obersten Direktive, aber angesichts der Umstände war es nur zu verständlich, dass diese Kommunikation ermöglicht werden sollte. Die Uerq hatte das bereits genutzt, um einen ihrer Einwohner auf die Guardian zu beamen, welcher sich ein romulanisches Virus eingefangen hatte.

    Doktor Vadiye warnte, dass die Uerq sich weitere Alpha-Quadranten Krankheiten einfangen würden je mehr Zeit sie mit Menschen, Romulanern, Klingonen, Vulkaniern und anderen fremden Rassen verbringen würden, sodass sie weitere medizinische Güter runterbeamte. Gut möglich auch, dass unsere Leute sich mit Krankheiten der Uerq infizieren würden. Das alles war Teil dieses großen Experiments.


    Während die letzten Minuten der von Captain Paris gesetzten Frist zur Entscheidung, ob man an Bord der Guardian bleiben oder sich den Uerq anschließen wollte, liefen, betrat unsere freundliche Starborn Mitbewohnerin die Brücke und kommentierte einen negativen Satz nach dem nächsten. Das wäre alles "sinnlos", "Zeitverschwendung", die Personen dort unten wären sowieso alle "bald tot" und so weiter. Sowohl Captain Paris als ich versuchten auf sie einzureden, versuchten ihr klarzumachen wie wichtig "Moral", der Glaube an ein Wunder, auch für trainierte Sternenflottenoffiziere war, aber sie setzte nur noch einen drauf. Hatte sie Recht? Sehr wahrscheinlich. Und jeder an Bord der Guardian wusste das. Ich weiß nicht welchen Grund sie hatte das dennoch immer und immer wieder laut zu betonen - ich dachte wir hatten hier das selbe Ziel, alleine könnte auch sie den Gebieter nicht stoppen - aber es war offensichtlich, dass sie nicht aufhören würde.

    Commander McFarr bedankte sich für unsere Hilfe, wünschte uns alles Gute und verließ die Brücke, ehe es auch für Captain Paris Zeit für die Stunde der Wahrheit wurde: während wir diskutierten wie viele Personen wohl die Guardian verlassen würden, sah ich im Augenwinkel wie Crewman DeSantis die Brücke verließ, wenn auch zögerlich. Zu meiner großen Erleichterung blieben sowohl Lieutenant Griffin als auch Lucy an ihren Plätzen sitzen bis die Frist abgelaufen war.


    Ich begleitete Captain Paris in den Frachtraum und wusste bis zuletzt nicht was mich erwarten würde. Wusste nichtmal was ich erwarten sollte. Klar war, dass der Großteil der Kyushu Crew und mit Sicherheit auch viele Zivilisten die Guardian verlassen würden. Aber was war mit unserer Crew? Während ich im Kopf versuchte zu überschlagen wieviele Personen wir brauchen würden um einen Prototypen dieser Größe für eine solch wichtige Mission sicher zu steuern - ich war bei 85 angekommen, als die Türen sich öffneten - zögerte Captain Paris nicht lange.

    Und was wir sahen enttäuschte und bestärkte mich zugleich. Der Frachtraum war fast komplett gefüllt und ich viele bekannte Gesichter, Crew und Offiziere der Guardian. Und dennoch waren es bei weitem nicht alle. Wir hatten mehr als genug verbleibene Crew um unsere Misison zu beenden, Captain Paris und Commander McFarr hielten noch kurze Reden und wünschten einander Glück ehe die Transporte begannen.

    Unsere Starborn konnte es auch hier nicht lassen und kommentierte, dass alle dem Tod geweiht sein, fragte Captain Paris, ob er wüsste, dass diese Kolonie in spätestens einer Stunde aufhören würde zu existieren.

    Bis hierhin dachte ich sie würde nur in ihrer typischen, super charmanten Art schlechte Laune verbreiten, ihre typischen Sprüche bringen. Aber diese konkrete Aussage ließ mich innenhalten. War es möglich, dass sie mehr wusste als wir gedacht hatten. Gab es wirklich konkrete Pläne Almatha III zu vernichten? Falls ja, warum? Es gab keinen konkreten Grund für den Gebieter diesen Planeten auszulöschen. Die Uerq waren keine Bedrohung, die Kyushu nur noch ein Wrack, es gab keine Starborn da unten. Während ich in meinem Kopf bereits begann zu kalkulieren wie wir möglichst viele Personen an Bord bringen könnten, befahl Captain Paris der Brücke unseren alten Kurs wieder aufzunehmen und wir sprangen auf Warp.


    Zu sagen ich war schockiert wäre eine der größten Untertreibungen der letzten Jahre. Ich dachte ich kannte Captain Paris, wüsste wie er in den meisten Situationen handeln würde, aber hiermit hatte ich nicht gerechnet. Er war bereit mehr als 1000 Sternenflottenoffiziere und Zivilisten sowie unzählige Uerq, die unseren Leuten geholfen hatten, ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen zu opfern. Natürlich hätten wir unmöglich alle retten können, aber wir hätten es versuchen müssen. Wir gingen dann zurück Richtung Brücke, aber ich konnte den Gedanken nicht loswerden, wie eine Schockwelle Almatha III verwüstet und alle tötet, darunter auch Personen, die wir hätten retten können. Würden diese Gesichter mich immer verfolgen? Für den Moment meldete Lieutenant Griffin keine Anzeichen von Subraumwellen, dafür funktioniert unsere Lebenserhaltung deutlich besser und die Systeme erholten sich von der extremen Belastung - auch die Crew konnte wieder in ihre eigenen Quartiere zurückziehen. Also mit Ausnahme von Lucy, die beschlossen hatten unser temporäres Zusammenwohnen dauerhaft zu machen und ihr Quartier abgemeldet hatte. Unter normalen Umständen hätte ich mich über diese Nachricht unglaublich gefreut - selbst mit dem Gebieter im Nacken - aber mich beschäftigte nur noch Almatha III.

    Dann jedoch brachte unsere Starborn, die zwischenzeitlich auf der Krankenstation Jaesa "besucht" hatte, tatsächlich einmal einen guten, einen positiven Vorschlag: sie riet Captain Paris vor dem Sprung in's Zentrum der Galaxie eine Zusammenkunft der Crew einzuberufen um in Erinnerungen zu schwelgen und Kraft für den bevorstenden Kampf zu tanken.

    Vorher machte sie Commander Corlsen noch klar, dass unser Sprungantrieb nur für die Reise in's Zentrum des Universums funktionieren würde, es gab keinerlei Pläne für eine Rückkehr.

    Selbst wenn ein Wunder - wen will ich denn belügen, wir brauchten alle Wunder die es in diesem Universum gab - passieren sollte und wir den Gebieter irgendwie bezwingen könnten, wir wären dort gestrandet. Und selbst die Guardian könnte dort auf sich allein gestellt nicht ewig überleben. Captain Paris beauftragte mich dann in der Messhall ein Festmahl zu organisieren - sah ich denn aus wie eine Köchin? - während der Rest der Crew die letzten Vorbereitungen abschloss.

    Gemeinsam mit einigen Freiwilligen konnten wir - also die Freiwilligen und der Replikator - relativ schnell eine große Auswahl an Speisen zubereiten, sodass ich etwa eine Stunde später alle in die Messhall rief. Lieutenant Hühnchen hatte sich freiwillig gemeldet in dieser Zeit das Kommando zu übernehmen und verblieb auf der Brücke - langsam mache ich mir Sorgen, ob dieses Huhn nicht eine ungesunde Obsession mit dem Captain's Stuhl entwickelt.


    Nach und nach trafen dann alle in der Messhall ein, nahmen sich Essen und Trinken - bis auf Doktor Vadiye, die lieber scannte und schimpfte - und nahmen ihre Plätze ein. Während die meisten Erinnerungen austauschten, sich Mut für die anstehenden Stunden antranken oder einfach nur Gesellschaft genossen, konfrontierte sich unsere Starborn, die für sich alleine im Fenster stand.

    Kurz zuvor hatte ich einen verschlüsselte Nachricht von Doktor Vadiye bekommen, dass sich meine Vermutungen bewahrheitet hatten, sodass aus meiner 99 prozentigen Sicherheit 100 wurden. Ich könnte sie also direkt konfrontieren und ihr sagen, dass ich die ganze Wahrheit kannte, aber selbst ich hatte Respekt vor den Starborn und ihren Fähigkeiten - nicht ausgeschlossen, dass sie bei einer zu direkten Konfrontation ebenfalls direkt werden würde oder gar das Schiff verlassen.

    Also redete ich in Geschichten, machte ihr indirekt klar, dass ich wusste, dass sie auch ein Teil dieser Crew war, dass auch sie hier etwas zu verlieren hatte - unabhängig von den anderen Starborn. Sie ließ sich darauf allerdings nicht ein, sodass ich sie mit den Worten verließ sie würde es bereuen, wenn sie diese Zeit, diese wohl letzte Chance, nicht nutzen würde um diese Crew und ihre eigene Geschichte besser kennenzulernen. Dass es dieser Crew und ihrer Moral unglaublich helfen würde, dass auch diese "übermächtige" Starborn nicht nur das Universum, sondern die Personen an Bord der Guardian einsteht.


    Dann nahm ich mir zwei große Steaks und setzte mich zu Lieutenant Griffin, Commander Corlsen, Captain Paris, Doktor Vadiye und Lucy an den Tisch. Captain Paris versuchte eine Rede zu halten, die Geschichte und Errungenschaften dieser Crew hervorzuheben, aber stattdessen machte er klar, dass er - entgegen aller Lehren an der Akademie - keine Distanz zu seiner Crew aufbauen wollte, sondern ein Teil dieser sei. Einige mögen das anders sehen, aber ich fand diese Art des Führens immer besser. Wir tauschen Erinnerungen aus, lachten über geschehene Ereignisse und konnten für einige Zeit fast vergessen, dass dies für viele wenn nicht sogar alle von uns der letzte Tag an Bord der Guardian, der letzte Tag überhaupt sein würde.

    Dann plötzlich fragte unsere Starborn zögerlich ob sie sich zu uns setzen können, "nahm" sich - also teleportierte ihn zu sich wie man das so macht - einen Stuhl und begann zögerlich in's Gespräch einzusteigen. Erzählte, dass sie auch etwas zu verlieren hätte, dass sie diese Crew nicht zum ersten sehen würde. Sie erzählte auch, dass Starborn den Tod nicht fürchteten, da sie - also ihre "Energie" - immer wieder geboren werden, dass sie bereits unzählige Leben gelebt hatte. Dennoch werden die Toten geehrt. Das setzte sich eine Weile fort, aber es dauerte lange - sehr lange - bis zumindest Lucy begann zu verstehen was hier vor sich ging. Sie musterte unsere Starborn lange, murmelte etwas von "Natürlich" und fragte mich ob ich ihr etwas verborgen hatte - und erst jetzt sah ich selbst wie offensichtlich diese ganze Geschichte war. Ja, ich hatte jetzt auch die Scans von Doktor Vadiye und ich hatte als einzige das Verhalten unseres Gastes im Frachtraum gesehen, aber alleine das Äußere sprach hier schon für sich.


    Es mag an Lucy's Training im Geheimdienst liegen, aber niemand anderes an diesem Tisch schien hier zu verstehen worum es ging. Schließlich reichte es unserer Starborn und packte alles aus: sie war Nadine Hawkins, die Tochter von Jaesa Hawkins, die vor wenigen Monaten - unserer Zeit - von Bord verschwunden war. Commander Corlsen ließ vor Schreck die Gabel fallen und auch Captain Paris schien das nicht so richtig glauben zu können, aber es die Wahrheit war nun auf dem Tisch. Wir redeten noch eine Zeitlang über unsere Mission, all die Personen, die wir verloren hatten und auch die Entwicklung von Nadine, ehe sich die Messhall langsam lichtete. Ich trat dann mit immer stärker werdenden Schmerzen in der Brust - ich hätte nicht noch das dritte Steak holen sollen - den Weg Richtung Krankenstation an, während Lucy und die meisten anderen ihre Quartiere aufsuchten.


    Morgen früh um 9.00 Uhr Bordzeit werden wir den Sprung in's Zentrum des Universums beginnen um diesen Konflikt mit dem Gebieter ein für alle mal zu beenden. Entweder werden wir ihn vernichten, er wird uns vernichten - oder beides. Es gibt keine anderen Optionen mehr, keine nächsten Chancen, keinen Rückzug um den Plan zu verbessern. Für die Billionen von Toten, für unsere getöteten Freunde, Familien und Kollegen werden wir diese Bedrohung beenden - und wenn es das letzte ist was wir tun, wir werden nicht zögern.


    Amicia sieht wie Lucy ihr PADD zur Seite legt und sie heranwinkt. Bis dahin werde ich das Beste aus meiner vielleicht letzten Nacht machen, es wird vielleicht keine weitere Chance geben. Computer, Logbuch beenden.


    =/\= Log Ende

    12265


    Ich wüsste auf Anhieb auch gar nicht mehr wie ich HM installieren sollte, ein CD Laufwerk hat mein PC nicht mehr & online gibt es glaube ich nur die RPG-X Version.


    Ist schon krass, wenn man sich überlegt, dass BERP vor 17 Jahren gegründet wurde & wie alt wir alle geworden sind ^^ . Freut mich zu hören, sich positiv sich alles bei dir entwickelt hat.


    Gäste sind immer gerne willkommen, vor allem auch für die Nostalgie. Wir sind meistens so vier bis sechs Leute.

    12263


    Hello there!


    Also wir spielen noch relativ regelmäßig unsere RPG-X Plots, aber sonst ist hier leider nicht mehr so viel los =O . Holomatch habe ich nicht mal, hast du noch die alte Installation oder lief das recht easy wieder?

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou sitzt im großen Bett ihres Quartiers, lehnt sich an die Wand und streckt sich. Dabei stößt sie fast mehrere PADDs vom Bett, kann diese allerdings gerade noch retten. "Das war knapp" sagt sie fast monoton, während sie die Inhalte der einzelnen PADDs überfliegt.

    Das vierte schließlich weckt ihr Interesse, sie legt alle anderen PADDs beiseite und beginnt zu tippen. "Okay, Amicia, das eine hier noch und dann ist Feierabend für heute. In einer Stunde ist Lucy's Schicht vorbei und du musst noch das versprochene Gourmet Abendessen vorbereiten"

    Amicia beginnt nach und nach das PADD mit Informationen zu füllen:

    "Name: Uerq

    Klasse: Insektoid

    Technologie: Prä-Warp Zivilisation, Energiewaffen, rudimentäre Scantechnologie

    Heimatwelt: Almatha III, Klasse L

    Bevölkerung: ca. 1.500.000 Uerq, 850 Menschen, Romulaner, Klingonen, Vulkanier & weitere Rassen (Crew & Zivilisten der U.S.S Kyushu)

    Bedrohung: gelb - technologisch weit vom Level der Föderationsallianz entfernt, allerdings sehr intelligent und schnell lernfähig, scheuen nicht davor zurück Gewalt oder Drohungen einzusetzen um ihre Ziele zu erreichen


    Über die Uerq ist nur sehr wenig bekannt. Bis zum Absturz der U.S.S. Kyushu auf der Oberfläche von Almatha III im Jahre 2392 hatte niemand von dieser Rasse gehört, obwohl ihr Planet mitten im Föderations- bzw. ehemals cardassianischen Raum liegt. Beim Kontakt mit den Rettungsteams der U.S.S. Guardian zeigten sich die Uerq kooperativ und kompromissbereit, allerdings mit klaren Grenzen.

    Sobald wieder Personal verfügbar ist, wird eine weitere, diskrete Beobachtung dringend empfohlen, insbesondere auch zum Schutz der Crew der Kyushu."


    Aminia nickt langsam, speichert ihre Eingaben und legt das PADD dann beiseite. Sie räumt alle PADDs auf einen Stapel und legt diesen auf ihren Nachttisch, bevor sie aufsteht, den Wohnbereich betritt und anfängt den Replikator zu programmieren.


    "Computer, beginne persönliches Computerlogbuch:"


    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou

    U.S.S Guardian:


    Gemeinsames Frühstück zum Start in den Tag, gemeinsames Abendessen nach Schichtende - da soll nochmal jemand sagen die Sternenflotte kennt keine "Work Life Balance". Und überhaupt war heute ein äußerst positiver Tag. Die Starborn, der Gebieter, die unzähligen Toten und Gestrandeten da draußen... all das schien heute in weiter Ferne, in der dunklen Vergangenheit.

    Natürlich arbeiteten unsere Teams weiterhin an Lösungen um den Kern der Galaxie zu erreichen, aber das lief im Hintergrund. Ich konzentrierte mich heute stattdessen auf das gemeinsame Frühstück mit Lucy, die auch direkt einen hervorragenden Vorschlag machte: da ihre Schicht erst später anfing, wollte sie mich in's Wissenschaftslabor begleiten und mich beim Arbeiten "unterstützen" - das war eine Formulierung.

    Wir quälten uns durch die weiterhin extrem vollen Korridore - es war ein Wunder, dass die Lebenserhaltung noch nicht aufgegeben hatte - ehe wir das noch leere Wissenschaftslabor erreichten und die Türen verriegelten. Natürlich hatte das einzig und allein den Grund Zivilisten von diesem Bereich fernzuhalten.

    Ich lud einige Datenbanken herunter und ließ den Computer den Algorithmus unseres "Frühwarnsystems" verbessern, das sollte etwa 30 Minuten dauern. Lucy begann bereits meinen Verspannungen in den Schultern zu lösen und die Zeit somit effektiv zu nutzen, als jedoch plötzlich Lieutenant Johnson das Labor betrat.


    Nach Fertigstellen des Algorithmus informierte ich die Brücke - wo sich zu meiner Verwunderung Lieutenant Hühnchen meldete - dass wir nun Warp 2,9 fliegen könnten. Das war kaum bestätigen da sprangen wir auch schon auf Warp und der gelbe Alarm ertönte. Wir eilten auf die Brücke, wo Lieutenant Griffin meldete, dass wir Bruchteile eines Notrufes von einem ca. 4.000.000 Kilometer entfernten Klasse L empfangen hatten. Auch wenn wir die neue Warpfähigkeit nicht voll ausnutzten, war der sofortige Sprung auf Warp dennoch ein Risiko. Entsprechend irritiert war Captain Paris, als er die Brücke betrat und erfuhr, dass Lieutenant Hühnchen bereits befohlen hatte auf Warp zu springen.


    Lieutenant Griffin konnte ein paar Wortfetzen die Nachricht nicht weiter verbessern, aber das Ende des Schiffsnamens ließ nur einen Schluss zu: dieser Notruf stammte von der U.S.S. Kyushu, das einzige Schiff, das noch nach uns das Setlik-System verlassen hatte. Gut möglich, dass es mit der Welle kollidiert war, ohne komplett vernichtet zu werden oder zu verschwinden. Wenn das wirklich passiert war, war es unglaublich wichtige dieses Schiff und alle seine Daten zu erhalten, um eventuell eine Verteidigung entwickeln zu können - abgesehen davon, dass wir natürlich auch eventuelle Überlebende retten wollten.


    Wenig später erreichten wir den Orbit und sahen bereits auf dem Schirm die Überreste einer Sovereign-Klasse, die eine Bruchlandung hingelegt und fest mit den Felsen verschmolzen war. Während große Teile der Hülle vernichtet wurden, waren einige Segmente noch intakt. Gut möglich also, dass jemand überlebt hatte. Wir erhielten keine Antwort auf Rufe und die Biosignaturen auf der Oberfläche waren nicht eindeutig, aber Captain Paris befahl sofort Rettungsteams zusammenzustellen.

    Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass das in Abwesenheit von Jaesa - ihr Zustand war trotz aller Bemühungen von Doktor Vadiye und ihrem Team weiterhin unverändert - nun meine Aufgabe war. Ich rief Commander Corlsen, Doktor Vadiye und Lieutenant Hühnchen in den Transporterraum, jeder sollte eigenes Personal aus seiner Abteilung mitbringen.

    Nun brauchten wir nur noch passende Kleidung, jeder packte seine Thermo-Jacke aus - auf der Oberfläche herrschten Temperaturen um - 20 Grad Celsius mit starken Winden.


    Auf der Oberfläche angekommen bildeten wir zwei Teams: Commander Corlsen bildete mit seinen Ingenieuren und Lieutenant Hühnchen das Beta-Team, während Doktor Vadiye und ich Alpha-Team bildeten. Wir öffneten Comm-Kanäle untereinander und zur Guardian, ehe jedes Team einen eigenen "Eingang" zur Kyushu" betrat.

    Schnell fanden wir heraus, dass zwar einige Korridore noch intakt waren und sogar Konsolen teilweise noch mit Notenergie versorgt hatten, dass ansonsten aber nicht mehr viel vom Schiff übrig war - jedenfalls in unserem Bereich. Wir fanden bald einen Überlebenden, aber dieser geriet in Panik ehe wir ihn erreichen konnten und Doktor Vadiye stürzte beim Besuch ihn zu beruhigen in die Tiefe - das hieß in diesem Fall zwar "nur" Wasser, aber dieses Wasser war nahe dem Gefrierpunkt, sodass sie kurzzeitig bewusstlos wurde und sie wieder aufwecken musste.

    Kurz darauf rief Commander Corlsen uns, dass er die Brücke erreicht und weitere Überlebende gefunden hatte. Wir machten uns auf den Weg zur Brücke, die nur nach einem Tauchgang erreichbar - da Lieutenant Hühnchen nicht schwimmen konnte musste er zurückbleiben und den Eingang sichern.


    Nach Erreichen der Brücke konnten wir schnell drei Verletzte - darunter den vorher "Geflohenen" finden, behandeln und auf die Guardian beamen. Während Crewman Coulson und der Rest der Ingenieure an der Auswertung der Datenbank sowie der Wiederherstellung der internen Sensoren arbeiteten, sahen Doktor Vadiye und ich uns um Bereitschaftsraum um. Wir stellten wir anhand der Blutspuren schnell fest, dass einige Verletzte durch Fenster versucht hatten die Kyushu zu verlassen.

    Wir wurden jedoch jäh aus den Gedanken gerissen, als wir plötzlich Waffenfeuer von der Brücke hörten und kurz darauf auch dorthin gerufen wurden. Bereits zuvor hatten Commander Corlsen und sein Team einen Überlebenden betäuben müssen, da er unter Panikattacken litt - ich dachte das wäre eine ähnliche Situation.


    Ich hätte jedoch nicht mehr falsch liegen können: tatsächlich lag ein zusammengerollter, ca. 80 Zentimeter großer "Käfer" vor uns, der laut Commander Corlsen betäubt wurde. Während Doktor Vadiye versucht den "in Stasis" gegangenen Fremden wiederzubeleben, versuchte ich herauszufinden, was passiert war: offenbar war dieses Wesen aus dem Nichts gekommen, hatte bedrohliche Klick- Geräusche gemacht und wurde aus dem Affekt heraus von Crewman Coulson betäubt, welcher sich erschrocken hatte. Kurz vor dem Schuss sprang der Universal Translator an, aber da war es schon zu spät. Ich nahm ihm den Phaser ab, eine genaue Untersuchung wird folgen sobald wir die auf die Guardian zurückgekehrt sind.


    Doktor Vadiye konnte den Insektoiden inzwischen wiederbeleben, der sich Commander Corlsen als Strxeashgfsdl vorstellte. Die beiden führten ein längeres Gespräch, in dessen Verlauf sich schnell Doktor Vadiye's Vermutung bestätigte, dass diese Wesen auf diesem Planeten heimisch waren.

    Und wir lernten noch etwas: diese Wesen hatten noch nie ein "Gerät" wie die Kyushu aus dem Himmel fallen sehen, sie kannten keine Raumschiff noch moderne Technologien - sie waren also eine Prä-Warp-Zivilisation. Nur war es zur Vermeidung des Erstkontaktes zu spät, wir mussten also improvisieren. Ich wollte schon eingreifen, aber Commander Corlsen führte das Gespräch erstaunlich gut - sollten wir jemals einen offiziellen Botschafter brauchen, weiß ich wen ich als erstes empfehle.

    Commander Corlsen briefte mich kurz und teilte mir auch mit, dass diese Wesen offenbar über 600 Crewmitglieder der Kyushu gerettet und in ihre Siedlung gebracht hat. Commander Corlsen sollte das Gespräch so lange wie möglich fortsetzen, ich informierte unterdessen den Captain und bat ihn runterzubeamen. Ich konnte unmöglich das weitere Vorgehen hier entscheiden und der Captain machte sich auch den Weg.


    Lieutenant Hühnchen meldete währenddessen, dass er von zwei dutzend dieser Insekten umstellt wurde, welche angefangen hatten das Schiff auseinanderzunehmen. Ich befahl ihm das Ganze aus sicherer Entfernung zu beobachten.


    Dann ging alles ganz schnell: Strxeashgfsdl schlug einen "Handel" vor: er würde unsere "Stammesmitglieder" zurückgeben, im Gegenzug würde sein Volk die Kyushu erhalten. Das war offensichtlich keine Option, also versuchte Commander Corlsen stattdessen einen Taschenlampe zu verkaufen - leider jedoch hatten diese Wesen bereits Taschenlampen entwickelt, sodass die Gesprächsatmosphäre deutlich schlechter wurde.

    Strxeashgfsdl packte auch direkt einen Disruptor-ähnliche Energiewaffe aus und gab einen Warnschuss ab, um zu demonstrieren, dass sie es ernst meinten. Er gab uns zehn Minuten um eine Lösung zu finden und ich beriet mit Commander Corlsen die Optionen: offensichtlich konnten wir die Kyushu keiner Prä-Warp-Kultur überlassen und wir alle wussten, dass die 600 Offiziere dafür auch bereit waren zu sterben. Rettungspläne scheiterten an unserem mangelndem Wissen wo genau die Crew sich aufhielt, aber vor allem an der Kapazität unserer Transporter und dem begrenzten Platz an Bord der Guardian.


    Wir kehrten dann auf die Brücke zurück, wo wir bereits erwartet wurde. Commander Corlsen's Gesprächsbeginn, dass wir ihnen das Schiff nicht geben konnten, aber bereit waren andere Güter anzubieten wurde mit einem lauten "Nein!" abgehandelt. Diese Wesen scheinen dann allerdings doch an Medizin - oder "Drogen" in ihren Worten - interessiert zu sein. Nach längeren Verhandlungen versprach Strxeashgfsdl diesen Plan mit seinen Anführern zu besprechen, vor allem als klar wurde, dass an Bord der Kyushu keine Medizin mehr vorhanden war, da die Krankenstation komplett zerstört worden war.

    Captain Paris war inzwischen angekommen und ich briefte ihn im Bereitschaftsraum über die Vorfälle, den Status des Fremden und alle Informationen, die wir hatten sammeln können - viel war es nicht.

    Seine erste Frage war, ob sich etwas "Wichtiges" an Bord der Kyushu befand und ich hatte sofort das Gefühl, dass er bereit war dieses Schiff zu übergeben - zum Glück hatte ich mich hier getäuscht.

    Wir gingen dann gemeinsam auf die Brücke und Strxeashgfsdl war sichtlich erfreut nun einen "Captain" zu treffen, offenbar hatte die Crew der Kyushu bereits von der Wichtigkeit dieses Ranges berichtet.

    Und tatsächlich gelang Captain Paris mit seinem ersten Satz nach der Vorstellung direkt ein hervorragenden Schachzug: er erzählte dem Insektoid, dass wir alle großes Glück hatten, dass der Energiekern des Schiffs nicht längst explodiert sei . Das führte dazu, dass Strxeashgfsdl, wahrscheinlich ungewusst, drei Schritte - wie zählt man bei etwas mit acht Beinen Schritte? - zurück ging und die sofortige Entfernung dieses Energiekerns verlangte.

    Da alle Waffen bereits beim Aufprall vernichtet wurden waren die Entfernung des Warpkerns und Computerkerns sowie der Datenbanken wahrscheinlich genug, um sicherzustellen, dass diese Wesen nicht unglaublich viel schneller einen Warpkern entwickeln würden - dass sie davon nun wussten ließ sich sowieso nicht mehr vermeiden. Außerdem standen Replikatoren, Umweltsysteme und Holodecks auf der "Demontage-Liste"

    Strxeashgfsdl war hocherfreut über diesen Plan und kündigte bereits an auf der Kyushu mit ihren "bequemen Betten" eine neue Stadt errichten zu wollen.


    Jetzt gab es nur noch ein Problem, welches Doktor Vadiye auch sofort zur Sprache brachte: wir hatten keinen Platz mehr für 600 Personen an Bord der Guardian, alles über 100 weiteren Personen würde die Lebenserhaltung zum Ausfall bringen. Selbst mit den Komponentan der Kyushu würde wir niemals auf 600 Personen kommen, vom Platz ganz zu schweigen. Strxeashgfsdl frohlockte dann noch, dass er auch die angekündigte "Medizin" erwarte, da unsere Medizin deutlich fortschrittlicher sei und Drogen sich in dieser Zivilisation offenbar großer Beliebtheit erfreuen. Nicht unbedingt erfreut stimmte Captain Paris zu und Strxeashgfsdl verschwand um eines unseres "Stammesmitglieder" für die weitere Koordination zu holen.

    Captain Paris hatte Recht, angesichts der Gesamtlage in der Galaxie gerade war dies alles andere als ein schlechter Erstkontakt. Und wir alle waren uns sicher, dass wir diese Rasse eher früher als später wiedersehen würden.


    Crewman Coulson hatte inzwischen rausgefunden, dass fast 70 Prozent des Schiffes beim Aufprall oder kurz danach zerstört wurden, ein Wunder, dass 600 Personen überlebt haben. Er hatte Zugriff auf die Sensorlogs erhalten und mit dem Download begonnen. Die Ingenieure begannen dann gemeinsam mit Lieutenant Hühnchen die Systeme der Kyushu zu demontieren, während eine offensichtlich traumatisierte, menschliche Frau mit verdreckter Uniform die Brücke betrat. Sie konnte ihren Augen nicht glauben, dass ein Captain vor ihr stand und stellte sich als Commander Hanna McFarr vor, der erste Offizier der Kyushu.

    Sie erklärte, dass sie alle gut behandelt wurden, einige Offiziere allerdings medizinische Betreuung bräuchten - die sollten sie natürlich bekommen. Und dann war da die Frage nach dem Captain, die Captain Paris direkt als zweites stellte. Offenbar war Captain Kindley ein "Feigling" gewesen und hatte kurz vor dem Eintritt in den Orbit eine Rettungskapsel genommen, Commander McFarr bat Captain Paris darum ihn unter Arrest zu stellen, sollten wir ihn finden.


    Captain Paris informierte umgehend Lieutenant Griffin, dass die Krankenstation sich bereit für weitere Verletzte halten sollte und sie nach einer Rettungskapsel scannen sollte.

    Dann jedoch machte Commander McFarr einen Vorschlag, mit dem wohl keiner gerechnet hatte - am wenigsten von allen Captain Paris: sie und der Großteil der Kyushu-Crew wollte gerne auf der Oberfläche bleiben - die "Käfer" hatten bereits zugestimmt. Ihr war bewusst, dass das Leben hier unten hart werden würde, aber mit einem hatte sie Recht: angesichts all der Umstände war es das "da oben" momentan mindestens genauso. Auf Captain Paris' Nachfrage hin betonte Commander McFarr dann auch direkt, dass ihre Crew alles mitbekommen hatte was in der Zwischenzeit passiert war. Inklusive der Tatsache, dass an Bord der Guardian nicht genug Platz war.

    Natürlich gab es Optionen - wir könnten versuchen andere Schiffe zu rufen, Transferflüge zum Rest der Flotte absolvieren oder oder - aber diese Rasse schien sehr gastfreundlich und hilfsbereit zu sein. Die Oberfläche war nicht unbedingt für Humanoide gemacht, aber mit passender Kleidung und ein paar Heizgeräten könnte mit der Zeit eine gute Stadt entstehen. Wenn nur ein paar genauso motiviert wie Commnander McFarr waren, könnte dieses Projekt gelingen.


    Doktor Vadiye meldete dann, dass alle medizinischen Güter erfolgreich transportiert wurden, fast zeitgleich hatten Commander Corlsen und sein Team alle wichtigen Bereiche demontiert oder deaktiviert.

    Captain Paris und Commander McFarr riefen dann folgenden Plan aus: alle Verletzten würden auf die Guardian beamen und dort behandelt werden, morgen um 09.00 Uhr würde dann jeder an Bord der Guardian - gerettete Crewmitglieder der Kyushu, Zivilisten und auch die Crew der Guardian - die Wahl haben, ob er an Bord der Guardian bleiben oder auf die Oberfläche beamen wolle. Ebenso könnte jeder, der die Siedlung doch verlassen möchte, natürlich auf die Guardian beamen.

    Der Plan war gut und mit Sicherheit würden viele der Zivilisten dieses Angebot annehmen, sodass wir Kapazitäten an Bord der Guardian schaffen würden. Die Frage: was taten wir, wenn auch der Großteil der Crew das Schiff verlassen wollte?

    Wir erfuhren dann noch den Namen der Fremden - Uerq - welche uns mitteilten, dass sie bereits medizinische Daten über alle wichtigen Rassen von der Crew der Kyushu erhalten hatten.

    Commander McFarr beamte dann gemeinsam mit unserem Außenteam hoch, wo es das Hühnchen wieder mal als erstes auf die Brücke schaffte und temporär das Kommando übernahm.


    Kurz darauf hatten wir die Rettungskapsel mit einem schwachen Lebenszeichen gefunden, der Captain wurde auf die Krankenstation gebeamt und Captain Paris übergab Commander McFarr freie Hand über das weitere Handling der Situation.

    Damit endete die heutige Schicht und ich verließ die Brücke um... Berichte zu schreiben.


    Wir hatten also - trotz Startschwierigkeiten - neue Freunde gewonnen und viele auch eine neue Hoffnung. Was mich betraf... auch ich war kurz unsicher, habe mich mitreißen lassen von der Idee weit weg von all den Kriegen, Schlachten und Gefechten, von Starborn oder Gebietern, eine neue Heimat aufzubauen. Und mit Sicherheit war diese primitive Welt deutlich sicherer als ein Starborn-Prototyp Schiff, auf welchem die Erzfeindin des Gebieters dient.

    Lucy und ich könnten uns dort unten gemeinsam ein schönes Leben aufbauen. Dann aber schoß mit Captain Kindley in den Kopf. Wie er sein Schiff, seine Crew im Stich gelassen hatte.

    Ja, diese Situationen waren nicht komplett vergleichbar und nein, Captain Paris hatte klargemacht, dass diese Entscheidung komplett freiwillig jedem einzelnen überlassen sei. Aber konnte ich dieses Schiff, konnte ich diese Crew, konnte ich die immer noch im Koma liegende Jaesa zurücklassen für die Ideal-Vorstellung von einer zukünftigen Kolonie? Und was wenn die Starborn irgendwann die Föderation und alle anderen Starborn ausgelöscht haben - es wäre niemand mehr da um uns zu schützen, zu retten.


    Nein, mein Endschluss stand fest. Ich würde an Bord der Guardian bleiben und alles geben, um unsere Feinde zu stoppen. Nicht nur für mich oder den Rest dieser Crew, sondern auch für alle Menschen, Vulkanier, Romulaner, Klingonen oder Uerq dort unten. Und doch schlug mein Herz schnell wie lange nicht mehr bei dem Gedanken, dass Lucy vielleicht einen anderen Entschluss treffen könnte...sie betrachtet das komplett verschmorte Steak und schlägt die Hände über den Kopf zusammen... vielleicht sollte ich das erst lange nach dem Essen ansprechen.


    Computer, ich brauche Zugriff auf die Replikatordatenbank. Logbuch beenden.


    =C= Log Ende.

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou betritt um 23.00 Uhr Bordzeit das fast leere Sicherheitsbüro an Bord der frisch getauften U.S.S. Guardian. Sie nickt den diensthabenden Sicherheitsoffizieren zu und nimmt dann an einer einzelnen, isolierten Arbeitsstation Platz. Nach einem kurzen Blick durch den Raum, um sicherzustellen, dass niemand sie und das Display vor sich beobachtet öffnet sie Datenbank "26-beta" und beginnt mit dem Studieren der dort aufgelisteten Pläne.

    Nach wenigen Minuten lehnt sie sich im Stuhl zurück, atmet tief durch und nickt zufrieden.


    Computer, beginne persönliches Computerlogbuch.


    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou

    U.S.S....Guardian


    Guardian.. dieser Name mag gut zu unserer Mission passen, die Umstände allerdings sind einzigartig. Wohl zum ersten Mal wurde ein Schiffsname von einem Captain während einer laufenden Mission festgesetzt, außerhalb eines Docks, außerhalb einer Möglichkeit diesen Schiffsname auf der Hülle einzutragen. Nicht, dass das momentan Priorität hätte.


    Vor 24 Stunden schien unsere Situation aussichtslos, jetzt... gibt es zumindest einen kleinen Silberstreifen am Horizont. Das mag angesichts von 14 toten Sicherheitsoffizieren, dem Verlust unserer verbündeten Starborn sowie unzähligen Verletzten - darunter Jaesa, die immer noch in Lebensgefahr schwebt - merkwürdig klingen, aber wir haben zumindest einen Plan. Etwas, das wir gestern noch nicht hatten.

    Wir hatten das Khitomer-System kaum verlassen als Jaesa aus dem Nichts plötzlich einen vollen Stop anordnete. Ich war positiv überrascht, wie schnell und ohne jede Rückfrage Lucy diesen Befehl ausführte - offenbar hatte sie doch mehr Erfahrung gesammelt als ich gedacht hätte - aber nicht nur Captain Paris war im Anschluss irritiert. Dann jedoch meldete Lieutenant Griffin, dass sich direkt vor uns eine neue Anomalie, eine neue "Welle" gebildet hatte. Diese blockierte nicht nur unseren weiteren Weg zum Sammelpunkt, sondern störte auch unsere Kommunikation zum Rest der Flotte. Wir sendeten zwar Warnungen aus, aber niemand wusste ob diese auch empfangen wurden.


    Für den Moment gab es keinerlei Anzeichen, dass diese Welle die Flotte zerstört hatte - dafür waren die anderen Schiffe zu weit vor uns - aber wir waren wieder einmal komplett auf uns alleine gestellt. Auch wenn diese Anomalie zunächst "nur" stationär vor uns auftrat, gab es keinen sicheren Weg sie mit Warp zu umfliegen. Genauso schnell wie sie aus dem nichts aufgetaucht war, könnte sie ihre Position ändern, könnten weitere Anomalien auftauchen oder 100 andere Szenarien auftreten, an die wir noch nicht denken konnten. Während Lieutenant Griffin und Commander Corlsen an ihrem Algorithmus arbeiteten, der es dem Computer ermöglich sollte das Auftreten bzw. die Bewegungen dieser Anomalien schneller voraussagen zu können, war schnell klar, dass selbst mit diesen Verbesserungen, mit diesem "Frühwarnsystem" maximal ein Flug mit Warp 2 möglich wäre.

    Lucy wollte Captain Paris keine konkrete Zahl sagen - wohl um die Moral zu schützen, aber eines war klar: mit dieser Geschwindigkeit würde niemand von uns die Ankunft am Sammelpunkt lebend miterleben. Ich verursachte in den Sternenflotten- und Geheimdienstdatenbank sowie den Datenbanken unserer Verbündeten Informationen zu ähnlichen Fällen zu finden, aber auch das alles half Lieutenant Griffin nur minimal.


    Wir waren also gestrandet. Auch wenn der Rest der Flotte für den Moment sicher war gab es keinerlei Garantien, dass das so bleiben würde. Und wir hatten keine Möglichkeit Kontakt aufzunehmen. Admiral Teflon kam dann ebenfalls auf die Brücke, versprach Captain Paris, dass er seinen Rank nicht nutzen würde um das Kommando über dieses Schiff zu übernehmen, bat allerdings Commander Corlsen Unterstützung bei Upgrades der Sensoren an - offenbar war er zuvor Ingenieur im romulanischen Militär gewesen.

    Das Angebot von Captain Paris, die Guardian zu verlassen, schlug der Admiral aus. Und ich konnte seine Argumentation - er war an Bord eines der modernsten Prototypen der Flotte sicherer als in einem kleinen Shuttle - mehr als gut verstehen. Hätte ich genauso gehandelt, wenn ich die Option gehabt hätte zu meinem Volk zurückzukehren anstatt auf einem komplett fremden Schiff zu dienen? Ich kannte den Admiral nicht, wusste nichts über seine Familie, seine Beziehungen, was ihn motivierte. Hätte ich die Wahl zwischen dem Dienst auf einem fremdartigen Schiff oder Lucy gehabt... ich weiß nicht was ich gewählt hätte. Aber es ist ihm hoch anzurechnen, dass er nicht nur an Bord blieb, sondern sich vor allem unterordnete und seine Unterstützung anbot.


    Lieutenant Hühnchen kehrte bald darauf ebenfalls auf die Brücke zurück - offenbar war er von seinen Verletzungen genesen - und legte seinen Photonenlancer demonstrativ in die Ecke der Brücke. Wenige Augenblicke später zeigte sich auch unser "freundlicher" Starborn auf der Brücke und begann in Rätseln zu sprechen. "Er" wüsste, dass wir hier seien, hätte uns gefunden und würde uns nun stoppen. Es gäbe einen Plan "ihn" zu stoppen, aber die Risiken wären hoch etc. etc.

    Jaesa, Captain Paris und ich konnten nach einem langen Kreuzverhör, in welchem wir ihm - in Jaesa's Worten - "alles aus der Nase ziehen" mussten schließlich ungefähr herausfinden was er da redete: "er" - der Gebieter - konnte diese "Wellen" Anomalien kontrollieren und diese würden nicht etwa von Warpsignaturen, Populationszentren oder gar spezieller Technologie angezeogen, sondern vor allem von Starborn Signaturen. Das erklärte sowohl, warum das Khitomer-System angegriffen wurde als auch warum diese Welle plötzlich vor uns aber nicht beim Rest der Flotte auftauchte.


    Das Ziel war also klar: alle nicht loyalen Starborn sollten ausgelöscht werden.

    Also war auch unser Ziel klar: wir mussten den Gebieter stoppen. So schnell wie möglich, um jeden Preis. Bis heute dachten wir es gäbe keinen Weg dafür, aber unser Starborn zeigte uns einen Weg, so schwer der auch sei. Er könnte unseren Prototyp anpassen, sodass wir mit Hilfe eines "Sprungsantriebs" in das Zentrum des Universums springen könnten; der einzige Ort, an welchem der Gebieter wirklich verwundbar war. Wir begannen mit den Vorbereitungen, auch ohne die Warnungen des Starborn war uns allen klar, dass wir dort auf uns alleine gestellt sein würden und eine Rückkehr alles andere als garantiert war. Lieutenant Griffin's Kommentare, dass das hier mal wieder eine "Selbstmordmission" - also die Spezialität der San Diego Crew - sei war wohl für alle Motivation genug.

    Und um ganz offen zu sein: was hatten wir noch zu verlieren?


    Eine Frage aber blieb: warum hielt diese Welle direkt vor uns Position? Wir waren quasi gefangen, konnten maximal mit Warp 2 oder besser noch mit Impuls verschwinden, ohne Möglichkeit jemals ein anderes System oder gar den Rest der Flotte zu erreichen. Aber wir waren am Leben, die Starborn an Bord waren am Leben. Diese Welle könnte uns in wenigen Sekunden auslöschen, warum passierte das nicht? Machte der Gebieter sich einfach nur einen Spaß daraus uns leiden zu sehen? Zuzutrauen wäre es ihm.


    Während Commander Corlsen und Admiral Teflon die Jeffriesröhren des Schiffs erkundeten, um unser Sensorsystem zu upgraden und einen Flug mit höherem Warpfaktor zu ermöglich, erhielten wir schnell eine Antwort: "er" höchstpersönlich teilte uns mit, dass es vorbei sei, wir verloren hätten und jede Chance dahin sei. Während Captain Paris versuchte einen Dialog aufzubauen, meldeten die Sensoren plötzlich Eindringlinge im Maschinenraum, Wissenschaftslabor und an weiteren Orten des Schiffes. Lieutenant Hühnchen und der Rest der Sicherheit machten sich sofort auf den Weg und für einen Moment sah ich mich schon mit dem Phasergewehr auf den Weg Richtung Turbolift. Dann sah ich Lucy's besorgten Blick, erinnerte mich an die letzte Enterung unseres Schiffes durch Starborn, welche Lucy nur durch viel Glück gerade so überlebte hatte, weil niemand sie verteidigt hatte und sie alleine auf der Brücke zurückgelassen wurde. Also übernahm ich wieder meine Station und verfolgte die Vorgänge in den geenterten Bereichen.

    Wir riegelten die betroffenen Decks sowie alle kritischen Bereiche ab - auch wenn ich meine Zweifel hatte, ob diese Maßnahmen Erfolg bringen würden - und konnten schnell feststellen, dass alle Bereiche gesichert wurden. Lieutenant Hühnchen und seine Teams konnten alle Konsolen und Zugriffsstationen sichern, allerdings meldeten die Sensoren, dass alle Starborn Lebenszeichen an Bord verschwunden waren. Der Gebieter hatte sein Ziel erreicht, alle mit uns verbündeten Starborn an Bord waren tot.


    Jaesa ging dann selbst in den Maschinenraum, als der Gebieter höchstpersönlich auch schon wieder dort auftauchte. Es folgte eine langes, intensives, heftiges Gefecht, in welches sich auch noch Admiral Teflon einmischte, ehe alle Sicherheitsoffiziere entweder tot oder schwer verletzt und kampfunfähig waren. Ich konnte dann in der Sicherheits-Datenbank ein zuvor verschlüsseltes Programm entdecken, welches Geschütztürme im Inneren des Schiffes aktivierte. Auch wenn der Gebieter diese recht schnell verwüsten konnte, setzten ihm diese ebenso wie Jaesa's Kampfwille zumindest schwer zu.

    Neben seiner schieren Kraft waren vor allem seine - neuen? - Fähigkeiten besorgniserregend. Wir konnten verfolgen wie plötzlich drei von ihm im Maschinenraum auftauchten, zwei davon offenbar Duplikate oder ähnliches. Tatsächlich hatte uns nicht mehrere Starborn geentert, sondern einfach nur viele "Kopien" des Gebieters.


    Der Kampf hatte sich inzwischen in Frachtraum 2 verlagert und wir konnten über das Comm-System quasi live miterleben, wie Jaesa mit allem was sie hatte gegen den Gebieter ankämpfte. Ich wusste bis heute noch nicht im Detail welche Vorgeschichte die beiden haben, aber eines war klar: Jaesa Hawkins war dem Gebieter mindestens genauso ein Dorn im Auge wie alle "nicht loyalen" Starborn und auch sie wollte er unbedingt töten.

    Also hatte ich jetzt eine Wahl: ich könnte auf der Brücke bleiben, könnte die Kommanocrew inklusive Lucy vor einem Angriff verteidigen, der wahrscheinlich niemals kommen würde. Könnte zusehen wie meine wohl beste Freundin ermordet wird. Oder ich könnte mein Gewehr nehmen und zumindest versuchen sie zu verteidigen. Die Chancen, dass ich einen Unterschied machen würde, waren gering. Wahrscheinlich würde im Anschluss nicht nur Jaesa, sondern auch ich tot sein. Aber könnte ich mir jemals verzeihen, wenn ich nicht alles versucht hätte um sie zu retten? Spätestens als Lieutenant Griffin meldete, dass die Sicherheit keinerlei Kapazitäten mehr hatte um Unterstützung zu schicken, wir bis hierher schon 14 Tote hatten - ohne die Starborn - und sie Captain Paris' Befehl Jaesa auf die Krankenstation zu beamen aufgrund eines Dämpfungsfeldes nicht ausführen konnte, war meine Antwort klar.


    Kaum im Frachtraum angekommen sah ich schon wie Jaesa am Boden lag und der Gebieter sie verspottete. Sie war schwer verletzt, konnte sich kaum noch bewegen. Und der Gebieter schien es nicht eilig zu haben sie zu "erlösen", zählte stattdessen all seine Erfolge und Ziele auf, machte ihr klar, dass sie und ihre Crew verloren hatte. Auch hier schien sein Fokus eher darauf zu liegen sich "einen Spaß draus zu machen" statt diese Situation zu beenden. Er würde einen guten Terraner abgeben.

    Während der Gebieter abgelenkt war schlich ich mich langsam zur am Boden liegenden Jaesa und konnte einen mobilen Transporter an ihrem Oberarm platzieren - dieser sollte das Dämpfungsfeld umgehen können.

    Während der Transport begann, sahen Jaesa und ich noch wie ein weitere Starborn plötzlich im Frachtraum auftauchte und den Gebieter durch den Raum schleuderte. Nach einem kurzen - sowohl verbalen als auch körperlichen bzw. kräfte-technischen - aber intensiven Schlagabtausch verschwand der Gebieter mit einem "überraschend" aus dem Frachtraum, ließ uns über das Comm-System aber noch wissen, dass das nicht vorbei sei und wir alle keine Chance hätten. Jedem war klar, dass das nicht unser letzter Zusammentreffen mit ihm war.


    Auch der Starborn war verschwunden, sodass ich mich nach einem kurzen Zwischenstopp auf der Brücke direkt auf der Krankenstation einfand. Lieutenant Hühnchen konnte bereits wieder entlassen werden, auch Admiral Teflon war auf dem Weg zur Besserung. Neben den 14 bereits verstorbenen Offizieren waren alle anderen außer Lebensgefahr, Doktor Vadiye und ihr Team hatten mal wieder großartige Arbeit geleistet. Jaesa war allerdings weiterhin in akuter Lebensgefahr. Die ersten Not-OPs waren gut verlaufen und ihre inneren Verletzungen konnten geheilt werden, aber ihr Körper hatte unglaubliche Traumata erleiden müssen. Die nächsten 24 Stunden waren entscheidend. Dann sah ich im Augenwinkel die "Sicherheitskraft" aus Madran's Bar auf der Krankenstation stehen, diese war allerdings verschwunden ehe ich sie zur Rede stellen konnte. Ich übergab diese Information an das Sicherheitsteam, wünschte Jaesa viel Kraft und kehrte auf die Brücke zurück.


    Dort waren unsere Vorbereitungen auf den Sprung in's Universumszentrum ohne die Unterstützung von Starborn in's Stocken geraten, auch die Moral war weiterhin unglaublich angeschlagen. Niemand musste wie es jetzt weitergehen würde, all die Hoffnung, dass wir zumindest einen Plan hatten schien dahin.

    Dann rief Doktor Vadiye plötzlich den Captain in den Arrestzellenbereich und so langsam konnte ich zusammen setzen was passiert war: Lieutenant Hühnchen hatte die "Bardame" finden und unter Arrest stelen können, der Routinescan von Doktor Vadiye zeigte an, dass sie eine Starborn war. Gleichzeitig auch genau die Starborn, die Jaesa im Frachtraum zur Hilfe gekommen war und den Gebieter vorerst in die Fluchte geschlagen hatte.

    Sie kam dann mit Captain Paris bald darauf auf die Brücke und sicherte zu, dass sie die Arbeit ihrer Vorgänger fortsetzen und uns helfen würde den Gebieter zu stoppen.

    Auch wenn sie erwähnte, dass der Gebieter die gefallen Starborn "absorbiert" hätte und somit nun noch stärker sei als vorher hatten wir ihn zumindest temporär in die Flucht geschlagen und wieder einen Plan.

    So schnell war unser Hoffnungsschimmer zurück, aber irgendwas an dieser Situation ließ mich trotzdem nicht los. Wieso sollte eine Starborn sich als Barkeeperin tarnen? Wieso interessierte sie das Schicksal von Jaesa so sehr? Und wieso schien sie so anders, so deutlich weniger "abgehoben" als die meisten anderen Starborn?


    Ich sprach sie also direkt an, wie ihr Name sei, welche Bedeutung dieses Schiff und diese Crew für sie habe. Natürlich antwortete auch sie sehr kryptisch und ohne klare Antworten, aber je länger ich darüber nachdenke, je mehr ich alle Faktoren zusammenzähle, desto klarer wird: es gibt nur eine Option, wer gerade hier auf der Brücke dieses Schiffes vor uns sitzt.

    Und vielleicht ist das all die Motivation die wir alle brauchen, um nicht nur Jaesa oder dieses Schiff sondern den verbleibenen Teil der Galaxie zu retten.


    Wir haben keine Zeit zu verlieren.


    =/\= Log Ende.

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou drängelt sich so gut und schnell sie kann durch die überfüllten Korridore ihrer neuen, eher unfreiwilligen Heimat. Weniger als zwei Stunden sind seit der Flucht aus dem Khitomer-System vergangen, doch bereits jetzt hat sich beim Großteil der Crew eine Normalität eingespielt, viele haben die Horror der letzten Stunden bereits vergessen - oder zumindest verdrängt.

    Nach etwa fünf Minuten erreicht Amicia ihr neues Quartier, in welchem bereits zwei Familien warten. Sie schließt die Türen zu "ihrem" - etwa acht Quadratmeter großen - eigenen Wohn- & Schlafbereich, setzt sich auf das Bett und nimmt ein PADD.


    Computer, beginne persönliches Computerlogbuch:


    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou

    U.S.S.... ja, wie zur Hölle heißt dieses Schiff eigentlich?


    Die Tür zum Schlafbereich öffnet sich und eine offensichtlich erschöpfte Lucy Tamas betritt diesen. Sie schafft es gerade noch die Türen wieder zu verriegeln, ehe sie in Tränen ausbricht. Amicia springt sofort auf, umarmt Lucy und versucht sie so gut es geht zu beruhigen:


    "Ich würde ja sagen 'Alles wird gut', aber..." Amicia kann den Satz nicht beenden und kämpft angesichts all der Verluste der letzten Wochen selbst mit den Tränen. Ihre Mutter, ja ihre ganze Familie würde sie für Tränen hinrichten, eine Terranerin hatte zu wissen, dass Verluste Teil eines jeden Kampfes, eines jeden Sieges waren. Das Training im Geheimdienst hatte sein übriges dazu getan, dass Amicia quasi niemals Emotionen zuließ oder gar zeigte. Aber jetzt, wo sie in die tränenüberströmten Augen einer am Boden zerstörten Lucy Tamas sah, wirkte all das als wäre es einer anderen Amicia widerfahren.

    "Amicia...so viele Personen sind gestorben. Wir wissen immer noch nicht was genau da überhaupt passiert geschweige denn haben eine Ahnung wie wir es stoppen können. Alles was wir tun können ist wegrennen, so schnell, so weit wir können. Bis wir wieder gefunden ..."

    Amicia wischt Lucy' die Tränen aus den Augen und zeigt auf ihre eigenen Rankabzeichen: "Wenn eine Terranerin, die Tochter der blutrünstigen Imperatorin Philippa Georgiou, Lieutenant Commander in der Sternenflotte werden kann, dann können wir auch diese Bedrohungen zurückschlagen. Ich weiß das klingt wie leere Phrasen, ich weiß, dass Worte alleine dir nicht helfen werden, dich besser zu fühlen. Aber wir beide haben uns wieder gefunden, wir haben Admiral Erlanger geschlagen, ich habe das Terranische Imperium verlassen, Q und die Zeit selbst besiegen können...wir werden auch hierfür eine Lösung finden!"

    Es dauert noch einige Minuten, aber schließlich gelingt es Amicia irgendwie Lucy - und sich selbst - zu beruhigen, sie deckt Lucy zu, welche mit den Worten "Das Schiff hat noch keinen Namen, ich schätze wir wurden noch nicht an Bord erwartet" einschläft.


    "Kein Name?" murmelt Amicia leise vor sich hin.


    Ich schätze, das macht Sinn. Selbst nach den optimistischsten Schätzungen hätten wir die Werft erst in frühestens zwei Wochen verlassen, Und überhaupt waren angesichts der Gesamtsituation Dinge wie Schiffsnamen oder feierliche Zeremonien zum Start eher unwichtig, teilweise unangebracht.

    Und diese Gesamtsituation... sie sieht kurz zu Lucy um sicherzustellen, dass sie wirklich schläft sie ist quasi aussichtslos. Ich bin die letzte, die dieses Wort übertrieben nutzt, aber hier... wir waren geschlagen. Das würde ich der Crew gegenüber, das würde ich Lucy gegenüber niemals offen zugeben, aber wir hatten diese Schlacht bereits verloren. Es ging nur noch um eines: um's Überleben.

    Und selbst das würde schwierig werden.

    Dabei sah unsere Situation vor 24 Stunden gar nicht so schlecht aus: wir hatten die Station im Khitomer System gesichert, die Kolonien im System hatten weitere Siedlungen für neue Flüchtlinge geschaffen, jede Stunde kam ein weiteres Schiff in's System. Wir hatten fast 40 Allianz-Schiffe im Khitomer-System versammelt, Millionen von Zivilisten und Offizieren. Es schien als hätten wir wirklich eine Chance auf einen Wiederaufbau. Ja, die Erde, Qo'noS, Vulkan, Rator waren zerstört worden, Billiarden von Personen hatten ihre Leben verloren. Nichts und niemand würde diese zurückbringen. Aber mit genug Zeit könnten wir zumindest die Föderation, das Klingonische & Romulanische Imperium wiederaufbauen.


    Der romulanische Admiral Teflon hatte von Admiral David Jackson, der die Kolonien besichtigte, das Kommando über die Station übernommen & hielt zu Beginn des Tages ein Briefing über die aktuelle Lage: der Bau unseres neuesten Prototyps schritt gut voran, Commander Corlsen sollte sich bereits direkt im Anschluss an's Briefing in die Werft beamen, um die letzte Schritte persönlich zu überwachen. Es gab keine größeren Fragen, aber die Stimmung schien minimal besser als in den letzten Tagen.


    Die nächsten Stunden verliefen relativ ereignisreich, ich aktualisierte die taktischen Datenbank, las Berichte über Flüchtlingstransportrouten, seltsame Scanresultate, von kleinen Gefechten zwischen Klingonen, Tholianern, Breen, Son'a und anderen Rassen - offenbar sorgte die Panik, die Angst vor der Auslöschung bei vielen zu Kurzschlussreaktionen.

    Und tatsächlich hatte es in den letzten Stunden nicht nur Allianzwelten getroffen, sondern auch andere Planeten waren ausgelöscht worden. Im Gegensatz zu anderen Krisen - Kha'ak-Krieg, Terraner-Invasion etc.- gab es dieses Mal allerdings keinerlei Versuch irgendeine Art neuer Allianz zu schmieden, im Gegenteil waren alle paranoid und vertrauten niemandem.

    Dazu passte auch, dass der Barkeeper Brunt und sein "Sicherheitsteam" offenbar einen anstrengenden Gast einfach ermordet und im Anschluss beseitigt hatten. Lieutenant Hühnchen nahm zwar die Ermittlungen auf - und konnte Mr. Brunt auch "auf frischer Tat" ertappen als er mit einem Koffer samt blutigem Latinum seine Bar verlassen wollte - aber gefühlt herrschte der wilde Westen, jeder dachte nur noch an sich. Selbst Doktor Vadiye betrank sich lieber an der Bar anstatt sich um die ankommenden Verletzten zu kümmern.


    Umso erfreuter war ich, als ich einen Ruf von Lucy erhielt, die "dringend meine Hilfe" auf dem Holodeck brauchte. Natürlich war mir - und wohl jedem anderen auf der OPS - bewusst, welche Art von "Hilfe" sie von mir erwartete, aber es hatte auch seine Vorteile, wenn die meisten Regeln gefühlt ausgesetzt waren. Lucy hatte ein Holodeckprogramm namens "Garten der Stille" geladen, aber "still" war es nach unserem Besuch des Sees nicht lange Computer, den letzten Satz löschen. Jedenfalls war es beruhigend und tat gut, ein wenig zu "entkommen", ein wenig vergessen zu können was dort draußen gerade vor sich ging. Dennoch war es ungewohnt wirklich zu schwimmen, etwas das im terranischen Imperium als "Zeitverschwendung" abgetan worden wäre.

    Es waren die schönsten Minuten meines Tages - nicht nur dank Lucy - aber natürlich sollte das nicht lange anhalten, denn plötzlich wurde Alarm ausgelöst. Auf der OPS angekommen sahen wir auch schon das Problem: in weniger als neun Stunden wollten eine Subraumwelle unbekannter Art das Khitomer-System erreichen, die selbe Art von Welle, die bereits das Sol-System innerhalb von Minuten hatte wortwörtlich verschwinden lassen.


    Admiral Teflon befahl sofort allen Schiffen mit Evakuierungen zu starten und auch Jaesa sowie Captain Paris hatten ähnliches im Sinn. Wir standen nun allerdings vor einer unmöglichen Aufgabe: alle Schiffe im System, selbst wenn wir Shuttles, Fähren, Runabouts etc. mitzählten, hatten eine maximale Kapazität von vielleicht 60.000 Personen. Alleine Khitomer Prime hatte - vor der Ankunft der Flüchtlinge - fast 500 Millionen Bewohner.

    Wie konnten wir entscheiden wen wir retten und wen wir sterben lassen würden? Wer würde so eine Entscheidung auf sich nehmen wollen? Es entstanden rege Diskussionen - Diskussionen in welchen der Romulaner bemerkenswerter Weise nicht ein Wort mehr sagte, als ihm bewusst wurde, dass in wenigen Stunden Millionen vor allem Romulaner sterben würden.


    Es mag meine Vergangenheit sein, manche würden sagen meine DNA, aber schließlich war es als hätte jemand einen Schalter umgelegt und ich übernahm die Situation: wir würden in jeder Kolonie einen zentralen Ort einrichten, an welchem sich "essenzielles Personal" - Mediziner, Wissenschaftler, Ingenieure - einfinden sollten. Personen die wir brauchen würden, wenn wir jemals eine Verteidigung gegen diese Welle entwickelt sollten. Dieser Aufruf wurde dann über alle Kanäle verbreitet und wie erwartet führte das zu Panik, Wut, Protesten - unter Anderem auch auf der Promenade der Station.

    Zur großen Verwunderung fast aller an Bord jedoch hielten sich die Proteste in Grenzen und in vielen Kolonien wurden tatsächlich nur wenige Personen an die zentrale Sammelplätze geschickt. Captain Paris entscheid dann, dass jeder sich von seinen Familien begleiten lassen dürfte. Als Offizierin konnte ich das nicht gutheißen - diese Plätze würden später fehlen - als Person mit Emotionen verstand ich, dass ich es hier nie eine Alternative gegeben hatte. Die wenigstens würden freiwillig ihre Familie zurücklassen und zwingen würden wir keinen - nichts, dass wir dazu überhaupt die Mittel hätten.


    Lieutenant Hühnchen kam nach wenigen Minuten mit einem leeren Photonenlancer zurück auf die OPS, zumindest hatten sich die Proteste an Bord wieder beruhigt - auch wenn ich schätze, dass wir nun einige freie Plätze mehr hatten.

    Drei Stunden vor Ankunft der Schockwelle begann die Station zu erbeben, mehrere Systeme fielen aus, was zu weiterer Panik führte. Wir konnten die Trägheitsdämpfer zwar schließlich anpassen, auf der Oberfläche allerdings hatten Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis begonnen. Captain Paris fragte ob wir helfen könnten und vielleicht hätten wir das gekonnt, aber.. wozu? So kalt das klang, in wenigen Stunden waren diese Personen tot, egal was wir jetzt taten. Umso wichtiger, dass wir alle Energie in die Fertigstellung unseres Prototypen steckten.

    Unser "friendly" Starborn hatte sich inzwischen dauerhaft Commander Corlsen's Team angeschlossen und etwa 30 Minuten bevor die ankommende Welle den Warpflug im System unmöglich machte war das Schiff warpfähig. Es war nicht fertig, bei weitem nicht, aber es hatte einen funktionierenden Warpantrieb und eine Hülle, diesem standhalten würde.

    Nachdem die letzten Schiffe das System verlassen hatten - die U.S.S. Kyushu war sogar noch zur Unterstützung in's System gekommen - beamten die Führungsoffiziere, Admiral Teflon und eine Hand voll weiterer Khitomer Station Offiziere auf das neue Schiffe.


    Dieser Prototyp war beeindruckend, da gab es keine Frage. Allerdings blieb kaum Zeit diesen ausreichend zu bestaunen, also eilten wir so schnell es ging zur Brücke, nahmen unsere Stationen ein und sprangen auf Warp. Einzelne Shuttles und improvisierte Fähren der Kolonien starteten noch nach, aber wenig später wurde das Khitomer-System ausgelöscht.

    Weitere Millionen Tote, eine hochentwickelte Station... und unsere Moral. Es gab viele Verluste zu beklagen. Lieutenant Hühnchen hatte sich selbst angeschossen, nachdem Jaesa erwähnt hatte, dass Admiral Nechayev von ihm enttäuscht wäre - die Nerven lagen überall blank.

    Als wäre all das nicht schlimm genug fehlte auch noch jede Spur von Brunt's mysteriöser Mitarbeiterin, die den betrunkenen Klingonen in der Bar ermordet hatte.


    58.954 Personen konnten wir retten, insgesamt 39 Föderations-, romulanische und klingonische Schiffe sind für den Moment Teil unseres Konvois, dazu einige Shuttles, Runabouts und kleinere Schiffe. Wir haben Kurs auf einen Sammelpunkt nahe der klingonisch-romulanischen Grenze gesetzt, an welchem bereits weitere Schiffe auf uns warten sollen.

    Und dann werden wir Entscheidungen treffen müssen. Keines unserer Schiffe ist für den dauerhaften Transport so vieler Personen ausgerüstet, bereits jetzt arbeiten die Umweltsysteme auf 150 %. Auf einem brandneuen Schiff wie diesem mag das funktionieren, aber viele Schiffe in dieser Flotte sind 70, 80 oder 100 Jahre alt und nie für solche Zwecke konzipiert worden.


    Was würden wir mit den geretteten Personen machen? Eine neue Kolonie finden, nur damit diese dann ebenfalls vernichtet wird? Einen Teil zurücklassen? Egal wie schrecklich der heutige Tag gewesen sein mag, ich habe das Gefühl die nächsten Wochen werden nicht besser - nicht, bis wir eine Lösung gefunden haben diese Welle da draußen zu stoppen.


    =/\= Log Ende.

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou verlässt das Büro von Admiral David Jackson auf Sternenbasis 281 im Khitomer-System mit einem ernsten Blick. Nach einem kurzen Durchatmen studiert sie ein soeben erhaltenes PADD ehe sie langsam den Weg zum Turbolift antritt. Auf dem Weg grüßt sie sechs Romulaner, drei Klingonen, zwei Menschen und einen Tellariten ehe sie das zählen aufhört.

    Nach einer kurzen Fahrt erreicht sie "Labor 14-gamma". Für wenige Sekunden überlegt sie ob sie diese Tür nicht besser geschlossen lassen sollte, ehe sie nach mehreren Blicken, ob sie alleine in diesem Korridor ist den Zugangscode vom PADD eingibt und das Labor betritt.

    Sie verriegelt die Tür hinter sich und beginnt die Beleuchtung zu aktivieren.


    Computer, beginne persönliches Computerlogbuch


    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou

    U.S.S. San Diego....San Diego eher nicht mehr. Khitomer Station? Khitomer-System? Romulanische Sternenbasis 281?


    Nach meiner ersten Heimat im Geheimdienst - zu welchem ich zwar offiziell noch gehören mag, der in seiner ursprünglichen Form aber lange nicht mehr existieren wird - hatte ich heute nur wenige Wochen nach der Rückkehr mit der U.S.S. San Diego auch meine zweite Heimat verloren.


    Ja, ich hatte schon einmal ein Schiff mit dem Namen "San Diego" verloren, aber das hier fühlte sich anders an. Und natürlich lag das vor allem an den Umständen.

    Selbst ich als Tochter der terranischen Imperatorin Philippa Georgiou hatte bisher noch keine Raumschiff benutzt, um die Basis eines Feindes samt dieser Person selber auf einem Planeten in die Luft zu jagen. Die San Diego hatte einen würdigen Abschied und wir würden dieses Schiff samt all den Erinnerungen an Bord auf ewig ehren.


    Wie konnte eine Crew von prinzipientreuen, by-the-book arbeitenden Sternenflottenoffizieren eine solche Entscheidung treffen? Das alleine zeigt schon welche Umstände herrschten.

    Zu Beginn des heutigen Tages hatte ich die Krankenstation nach meinem etwas zu intensiven Training gerade verlassen als wir auch schon im Khitomer-System eintrafen.

    Lieutenant Griffin meldete mehr als 100 Schiffe da draußen, die meisten romulanisch, aber auch viele Föderationsschiff und etwa ein dutzend klingonische Signaturen, weitere Schiffe waren auf dem Weg.

    Kaum im System angekommen beamte direkt ein Admiral David Jackson an Bord, der von Captain Paris persönlich begrüßt wurde. Wenige Minuten später hielt dieser Admiral ein Briefing für die Führungsoffiziere, wo er die quasi aussichtslose Lage nochmals schilderte: Drei der vier Heimatwelten der Föderationsgründungsmitglieder - Erde, Vulkan, Tellar - sowie die Welt der Klingonen und die neue Heimatwelt der Romulaner im Rator-System waren durch eine unbekannte Energiewelle vernichtet worden, es schien als hätten sie nie existiert. Mehr als 30 weitere Planeten, darunter Betazed und Minos Korva, wurden ebenfalls verwüstet.

    Neben Billiarden von Zivilisten sind natürlich auch tausende von Sternenflottenoffizieren unter den Toten.


    Admiral David Jackson machte uns allen klar, dass wir nur noch eine letzte Chance hatten Admiral Erlanger zu stoppen und damit seinem Auftraggeber vielleicht zumindest einen ersten Strich durch die Rechnung zu machen.

    Durch unseren "Peilsender" konnten wir sein Schiff und ihn in das Vorrn-System verfolgen, niemand wusste allerdings genau was uns dort erwarten würde.

    Entsprechend versprach Admiral Jackson, dass wir beim Start in zwei Stunden Unterstützung von einer Taskforce aus 20 Schiffen erhalten sollten.

    Er fragte mich dann nur, ob ich mit "Operation Wolf" vertraut wäre - das war ich - ehe er das Wort übergab und hastig verschwand. Ich war kurz irritiert, aber es dauerte nicht lange ehe ich verstand was genau der Admiral mit seinen wenigen Worten sagen wollte.


    "Operation Wolf" war der Codename für eine Operation im Falle der Machtübernahme des Geheimdienstes durch eine feindliche Macht. Nicht durch Waffen, Cybertechnologie oder Gift, sondern indem der leitende Admiral die Seiten wechseln würde - genau das hatte Admiral Erlanger getan. Teile dieser Operation waren aus dem terranischen Imperium kopiert, aber außer mir wussten nur wenige Personen davon, wahrscheinlich nicht einmal der junge Admiral Jackson.

    Wichtiger noch, Admiral Erlanger hatte als amtierender Leiter nicht an der Planung von Operation Wolf mitgewirkt. Nun klang "Operation" nach einem durchgeplanten, komplexen Konstrukt, ein Wahrheit ging es nur um eine Aussage: "Den Leiter töten, um jeden Preis".


    Und dann musste ich an die Worte meines zweiten Trainers in Starfleet Intelligence, Commander R'Rait, denken. Dieser altgediente Andorianer hatte fast alles da draußen gesehen, gegen fast alles gekämpft - und gewonnen. Vor allem aber hatte er ein Talent komplexe Sachverhalte so zusammenzufassen, dass jeder sofort die Dringlichkeit verstand:


    "Zu jeder Zeit ist das Universum nur Millimeter vom kompletten Chaos entfernt. Fünf Prozent der Wesen da draußen sind wirklich komplett “gut”, sind das was manche als Helden bezeichnen würden. Fünf Prozent sind in ihrer Seele komplett, unwiederbringlich bösartig und müssen vernichtet werden. Die restlichen 90 Prozent sind einfach nur Mitläufer, Personen, die denjenigen folgen, die gerade die Oberhand haben. All die Offiziere im Geheimdienst zuletzt, die meisten Cardassianer während der Besetzung von Bajor oder im Dominion-Krieg. Die wenigsten davon waren oder sind bösartig. Um diese Personen kämpfen wir. Es gibt keinen “Sieg”, keine finale Schlacht, es gibt nur die Oberhand haben und behalten, um jeden Preis"

    Das warf die Frage auf: War Admiral Erlanger, der unter Anderem Sternenflottenoffiziere entführte, folterte und tötete, ein Mitläufer? Natürlich nicht, das heißt unser Auftrag war klar. Auch die Crew um Captain Paris schien das zu verstehen. Jetzt blieb nur noch ein Problem. Wir hatten Motivation, wir hatten den Aufenthaltsort von Admiral Erlanger, wir hatten eine Flotte. Was wir nicht hatten war eine Option ihn zu treffen, ihm wirklich Schaden zuzufügen.

    Unsere Waffen waren wirkungslos gegen Starborn, sowohl im All als auch am Boden. Wir überlegten lange hin und her, jeder brauchte Ideen ein, aber nichts schien praktikabel. Dann schlug Lieutenant Griffin etwas vor, das unter normalen Umständen als "verrückt", "wahnsinnig" oder "komplett übertrieben" abgetan worden wäre, hier allerdings wohl unsere einzige Hoffnung war: eine Antimaterie-Explosion in direkter Umgebung des Starborn-Schiffes.


    In anderen Worten: wir würden das Schiff von Admiral Erlanger rammen. Die Warpkerne von Shuttles, Runabouts oder Ähnlichem hätten nicht annähernd genug Antimaterie, also zog Captain Paris den einzig logischen Schluss, wir würden die San Diego als "Rammbock" nutzen. Erstaunlicherweise gab es nicht einen einzigen Protest gegen diesen Plan, stattdessen meldeten sich alle anwesenden Offiziere frewillig an Bord zu bleiben, um sicherzustellen, dass Admiral Erlanger und seine Starborn-Freunde das Schiff nicht übernehmen ehe es sein Ziel erreicht hat.

    Lieutenant Griffin würde uns mit einem Runabout folgen um wenige Sekunden vor dem Zusammenprall einen Notfalltransport durchzuführen. Lucy, Doktor Vadiye, Jaesa, Commander Corlsen, Captain Paris & ich selbst übernahmen die Brückenstationen. Captain Paris erhielt von Admiral Jackson dann auch die offizielle Genehmigung, sodass wir kurz darauf nach Abschluss der Evakuierung der restlichen Crew fröhlich und motiviert in die Mission "San Diego vernichten" starteten - Jaesa's Kommentar, dass wir die mentale Gesundheit der Crew überprüfen sollten wäre auf wohl jedem anderen Schiff mit Sorge zur Kenntnis genommen worden, für diese Crew war das einfach nur ein Tag wieder jeder andere.


    Die 16 Stunden Flug fühlten sich an wie ein Ewigkeit, aber keiner von uns konnte schlafen oder gar die Brücke länger verlassen. Im Vorrn-System angekommen registrierten unsere Sensor-Upgrades bereits ca. zehn Starborn-Signaturen. Das alleine war problematisch genug - zumal diese bald darauf das Feuer auf unsere Taskforce eröffneten - aber da war ein anderes, größeres Problem: Admiral Erlanger's Schiff war nun Teil seiner neuen Basis auf der Planetenoberfläche, er selbst war ebenfalls dort unten.

    Es war eine Sache mit einem schweren Kreuzer eine kleine Eskorte im All zu rammen und zu sprengen, aber eine Sovereign-Klasse durch eine Atmosphäre zu fliegen und punktgenau auf eine Basis "abstürzen" zu lassen... natürlich sollte selbst diese Zerstörungs-Mission nochmal komplizierter werden.


    Und dann kam Jaesa: typisch Jaesa Hawkins reichte es ihr natürlich nicht, dass wir als wohl erste Sternenflottencrew unser eigenes Schiff auf eine feindliche Basis steuern wollten, nein sie musste selber vorher noch an Bord dieser Basis beamen. Offiziell ging es ihr darum "wichtige Daten zu sichern" - und natürlich hatte sie absolut Recht, das war ein ganz wichtiger Punkt, schließlich hatten wir immer noch kaum Wissen über die Starborn.

    Ich kannte Jaesa jedoch und wusste, dass es fast genauso sehr darum gehen musste Admiral Erlanger in die Augen zu sehen kurz bevor er starb. Da die Basis allerdings über aktive Schilde verfügte, welche unsere Explosion wirkungslos machen könnten, blieb uns auch hier keine Wahl. Wir alle wünschten ihr Glück und Jaesa beamte runter, während die Schlacht im Orbit immer heftiger wurde.

    Nach wenigen Minuten hatten wir bereits vier Schiffe verloren, fünf weitere waren kampunfähig. Die Starborn-Schiffe zeigten im Gegensatz dazu keinerlei Anzeichen von Schäden. Dann jedoch verlor die Basis ihre Schilde - natürlich hatte Jaesa das geschafft -und wir begannen unseren Sinkflug. Es war ein holpriger Flug verfolgt von der gesamten Starborn-Armada - wenigstens war der Rest unserer Taskforce für den Moment sicher - aber wir schafften es gerade so die San Diego solange zusammenzuhalten bis wir die Basis direkt vor uns sahen. Im letzten Moment beamte zunächst Jaesa und dann wir auf die U.S.S. Hornet, welche uns in die Atmosphäre gefolgt war.


    Dort angekommen meldeten die Offiziere bereits, dass weitere Starborn Schfife in's System gewarpt seien und nun beide "Gruppen" aufeinander feuerten. Nach wenigen intensiven Minuten als Zuschauer zogen sich die "Erlanger-Starborn" zurück und die Hornet setzte mit dem Rest der verbliebenen Taskforce Kurs zurück in's Khitomer-System.

    Wir hatten Admiral Erlanger getötet und die "freundlichen" Starborn offenbar zum Einschreiten bewegen können, aber niemandem an Bord war zu feiern zu mute. Nicht nur hatten wir unser eigenes Schiff zerstört, über 2000 weitere Offiziere waren an Bord der zerstörten Schiffe gestorben. Und unsere Welten brachte nichts hiervon zurück.


    An Bord der Sternenbasis erwartete uns Admiral Jackson bereits im Transporterraum und versprach uns möglichst schnell ein neues Schiff zu organisieren, er gratulierte uns zu diesem Erfolg, aber niemand hörte wirklich zu. Dann jedoch tauchte ein weiterer Starborn direkt vor uns - was den Admiral natürlich erstmal zu der intelligenten Frage brachte wo dieser herkomme und wie er es an Bord geschafft habe - und gratulierte uns ebenso.

    Wie so oft sprach auch dieser Starborn in Rätseln, aber er versprach uns beim Bau eines neuen Schiffes zu helfen, welches den Starborn etwas entgegen setze könne - trotz unserer primitiven Technologie. Der Bau sollte bereits morgen beginnen, bis dahin erhielt der Rest der Crew dienstfrei um sich zu erholen - Captain Paris hatte sich das nicht zweimal sagen lassen und war direkt beim ersten Auftauchen des Starborn wortlos verschwunden. Für einen Captain kann es nicht einfach sein, sein eigenes Schiff in die Zerstörung zu fliegen, egal zu welchem Zwecke.


    Ich erhielt von Admiral Jackson dann allerdings die gesammelte Datenbank von Admiral Erlanger sowie dieses... "Büro". In diesem Labor wurden alle bisher gefundenen Artefakte, Technologien und Informationen der Starborn gesammelt. Bis vor wenigen Tagen waren das nicht viele - auch wenn der Tal'Shiar aus seiner Zusammenarbeit mit Admiral Erlanger natürlich einiges hatte "ausleihen" können, aber nach der Zerstörung von Admiral Erlanger's Basis kommen täglich weitere Objekte an.

    Es wird eine Zeit dauern, aber gemeinsam mit Doktor Johnson, Admiral Selos und weiteren Wissenschaftlern und Agents werden wir mehr über diese Starborn und ihre Schwächen herausfinden - mit etwas Glück bevor unser neues Schiff fertig gestellt wurde.


    =/\= Log Ende.

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou sitzt am großen Tisch in ihrem Quartier, auf welchem sie ihre beiden Ellenbogen aufgestützt hat. Ihren Kopf hat sie in beiden Händen begraben und wirft nacheinander PADDs vom Tisch oder schlägt mit ihrem Kopf gegen die Wand neben ihr.

    Erst als sie die vor wenigen Minuten nach langen Protesten in's Bett gegangene Lucy im Augenwinkel sieht, kann Amicia kurz durchatmen, sammelt die PADDs wieder vom Boden auf und nimmt einen Schluck abgestandenen Raktajino.


    Sie setzt sich auf die Bettkante, streichelt der mittlerweile eingeschlafenen Lucy sanft über die Stirn, ehe sie ihre Schuhe überzieht und langsam aufsteht: "Wenigstens du bist mir geblieben. Ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert. Und ich werde alles tun, um diese Verrückten aufzuhalten und die Föderation, den Rest der Föderation zu retten".

    Mit diesen Worten verlässt sie das Quartier in Richtung Holodeck, wo sie ein altes Trainings Szenario von Admiral Maximus Erlanger lädt und diesen in holografischer Form vor sich erscheinen lässt.

    "Bis vor wenigen Tagen schien mein Leben perfekt: wir hatten die San Diego zurück, unsere Crew war inklusive Lucy wiedervereint, sogar die Politiker waren fast einer Meinung. Seitdem wurde der Geheimdienst quasi aufgelöst, Jaesa hat ihre Tochter abgeben müssen und jetzt..." Amicia holt aus und schlägt Maximus Erlanger mehrmals mit voller Wucht in's Gesicht, ehe dieser blutend zu Boden sinkt.

    "Computer, die Kampffähigkeiten eines klingonischen Dahar-Meisters in das Erlanger-Hologramm laden, Sicherheitsprotokolle deaktivieren und das Hologramm zurücksetzen!"

    Amicia ignoriert die Warnung des Computers und ist nicht auf den ersten Schlag des Holo-Erlangers vorbereitet, welcher sie direkt an der Schläfe trifft und zu Boden schickt. Sie kann gerade noch rechtzeitig seinem bat'leth ausweichen und schafft es ihm in den Schritt zu treten.

    Nach fast zehn Minuten harten Kampfes hat "Erlanger" ein mek'leth in Herz stecken und sinkt röchelnd zu Boden, während Amicia stark blutend und kaum noch Luft kriegend an einem Felsen zu Boden sinkt.


    Computer, ein Glas Wasser, neun Grad Celsius. Beginne persönliches Computerlogbuch.


    Persönliches Computerlogbuch

    Lieutenant Commander Amicia Georgiou

    U.S.S. San Diego:


    Admiral Nechayev ist tot. Wir hatten heute viele Rückschlage, viele Verluste, viele schreckliche Nachrichten erhalten, aber wohl nichts beschrieb unsere momentane Situation in einem Satz besser als der Umstand, dass Admiral Nechayev auf der Brücke der San Diego ermordet worden war und niemand von uns etwas dagegen tun konnte. Die Admiral Nechaev, die dutzende Kriege, Meutereien und Intrigen überlebt hatte.

    Während Captain Paris sich in einem Bereitschaftsraum verbarrikadiert hatte, um "Nachforschungen" anzustellen begannen wir den heutigen Tag mit der Ankunft im Alhena-System.

    Lucy, Jaesa und ich waren zunächst noch auf der Krankenstation, wo Doktor Vadiye allen drei allerdings Dienstbereitschaft bescheinigte, wenn auch in Jaesa's Fall mit massiven Einschränkungen. Nachdem Frau Doktor in ihr Büro verschwunden war, erhielten Lucy und ich eine längere Standpauke von Jaesa, dass wir zwei "Hormonbomben unsere Hosen anbehalten" sollten, insbesondere wenn übermächtige Fremde jederzeit vorbeischauen könnten.

    Natürlich ging es hier nicht darum, dass irgendwelche Starborn uns möglicherweise in einem intimen Moment überraschen könnten, sondern es ging darum, dass Lucy und ich nicht nur die Nachtruhe von Jaesa auf der Krankenstation massiv gestört hatten, sondern vor allem auch um unser Timing. Sie war nicht nur schwer verletzt worden, sie hatte auch ihre Tochter weggeben müssen. Und selbstverständlich hatte sie auch Recht, wir waren immer noch Sternenflottenoffiziere, Führungsoffiziere, die dem Rest der Crew als Vorbilder dienen sollten. Ich schwor Lucy also entsprechend ein und stützte sie im Anschluss auf dem Weg zur Brücke, wo sie dann ihre neue Station, die Helm, einnahm.

    Jaesa und der Rest der Brückencrew brainstormten dann kurz die letzten Ereignisse: Warum hatte Erlanger uns leben gelassen, was waren seine nächsten Ziele, wie könnten wir ihn finden? Dann erreichten wir allerdings auch schon das Alhena-System und Lucy ging unter Warp.


    Gemeinsam mit Lieutenant Griffin begann sie das System zu scannen.

    In diesem fanden wir ein größeres Deuterium-Depot inklusive Handelsstation und Begleitschiff der Ferengi sowie mehrere Frachter verschiedener Rassen. Captain Mystral hatte uns in dieses Schiff geschickt und Vulkanier - selbst im Geheimdienst - waren nicht für subtile Hinweise bekannt.

    Während Jaesa gemeinsam mit Lieutenant Johnson im Wissenschaftslabor Nachforschungen zu den Starborn anstellte, beschloss ich also dem offensichtlichsten Hinweis nachzugehen: was, wenn diese Ferengi Händler mehr über Erlanger wussten? Ich ließ einen Kanal öffnen & ein junger Ferengi namens Madran verlangte sofort Antworten - offenbar war sein Vater der Daimon, dem diese Station gehörte.

    Ich wollte ungerne mit Ferengi - zumal mit Minderjährigen - verhandelt, aber uns lief die Zeit davon. Also bot ich diesem Madran 20 Barren goldgepresstes Latinum an, wenn er Hinweise für uns hatte, wo sich Admiral Erlanger gerade aufhielt.


    Doktor Vadiye hatte kurz zuvor Biowerte und weitere Sensordaten von Erlanger's letztem "Besuch" an Bord der San Diego auf die Brücke gebracht und dabei auch verkündet, dass Admiral Erlanger im Gegensatz zu den weiteren Besuchern noch kein vollständiger Starborn sei, er also noch Schwächen hatte, die wir ausnutzen könnten.

    Nach ihrem strengen Blick und der Tatsache, dass sie mir das PADD regelrecht auf die Konsole schmiss zu urteilen, gehe ich davon aus, dass auch Doktor Vadiye noch sehr genervt von mir ist - insbesondere nach ihrem Satz, dass ich "dann mal etwas Sinnvolles" zu tun hätte.

    Ich verstand diese Crew manchmal nicht... ja, Jaesa war eine Ausnahme, aber Doktor Vadiye? Ich konnte nicht verstehen, warum sie mir mein Glück nicht gönnen konnte.

    Jedenfalls konnten wir die biologischen Daten dann samt einem Foto an Madran schicken, die bei "20 Barren" direkt größere Ohren kriegte und uns mitteilte, dass Erlanger mit zwei Schiffen - einem Shuttle und einem größeren Schiff - regelmäßig im System sei um Vorräte zu tauschen und Ressourcen an Bord seiner Schiffe zu bringen.

    Ich ließ schließlich eine Anzahlung von zehn Barren rüberbeamen und versprach dem Ferengi weitere 15 Barren, sollte er weitere Informationen haben oder wir Admiral Erlanger durch seine Informationen fassen können.


    In der Zwischenzeit war die U.S.S. Hornet im System angekommen, wenn auch nur im Traktorstrahl der Khitomer. Es war durchaus interessant zu sehen, wie weit Admiral Nechayev bereit war zu gehen um ihr Schiff zu retten. Nach offiziellen Befehlen hätte die Khitomer schon lange auseinandergenommen worden sein, sie war allerdings noch gut genug um die warpunfähige Hornet in's Alhena-System zu schleppen.

    Kurz zuvor hatten wir eine Nachricht von Admiral Nechayev bekommen, dass Admiral Erlanger auch die Hornet kurz zuvor besucht hatte und sie nur sehr knapp mit dem Leben davon kam, im Gegenzug wurde die Hornet allerdings schwer beschädigt. Ähnlich wie bereits bei seinem Angriff auf die San Diego erhielt Erlanger auch hier plötzlich ein Signal und verschwand mitten im Angriff, zu einem Zeitpunkt, als sein Sieg bereits gewiss war. Beide Crews arbeiteten mit Hochdruck daran den Ursprung dieser Nachrichten zu finden.


    Admiral Nechayev beamte dann an Bord und ich ließ unser Bordhühnchen, das mit dem letzten Crewtransfer an Bord kam, die Eskorte zum Wissenschaftslabor übernehmen. Das Gespräch da unten ging eine Weile, bis Admiral Nechayev plötzlich auf die Brücke und schnurrstracks auf Commander Corlsen zuhielt. Jaesa versuchte uns noch über das Com-System zu warnen, aber da war es schon zu spät: der letzte Chefingenieur der Hornet war beim Versuch, Admiral Nechayev zu schützen, in eine offene Plasma-Leitung gefallen und nun sollte Commander Corlsen ihr Flaggschiff wieder einsatzbereit machen. Er beamte bald darauf rüber, während Admiral Nechayev temporär das Kommando über die San Diego übernahm und ich mich in der Astrometrie einfinden sollte.


    Dort wartete Jaesa bereits und wir gingen die nächsten möglichen Schritte durch. Klar war nur eines: wir mussten Admiral Erlanger so schnell wie möglich finden und neutralisieren. Admiral Nechayev hatte uns dafür 48 Stunden eingeräumt, aber selbst ohne diese Deadline lief uns die Zeit davon. Unabhängig davon, was Admiral Nechayev vielleicht noch vorhatte, blieben uns nur zwei Möglichkeiten:

    Wir könnten - sobald wir die Koordinaten der Basis hatten - einen direkten Angriff starten, was zu unglaublich hohen Verlusten mit ungewissem Ausgang führen würde.

    Oder wir könnten Admiral Erlanger an Bord locken, unter unseren Bedingungen. Natürlich würden wir dabei unsere Leben und die der gesamten Crew riskieren, aber das taten wir auch wenn wir nichts tun würden.

    Es gab nun also zwei neue Ziele: wir mussten erstens eine Möglichkeit finden, Admiral Erlanger an Bord zu locken, hier war schnell klar, dass nur eindeutige Nachrichten bezüglich Nadine Hawkins Grund genug wären. Und dann brauchten wir eine Lösung, wie wir den guten Admiral ausschalten könnten.

    Offenbar war das Feld inklusive Strahlung, das Starborn normalerweise vor Energiewaffen oder sonstigen Angriffen schützt, bei Admiral Erlanger noch nicht komplett ausgeprägt. Wenn wir ein Phasergewehr komplett überladen, könnte dieses ihm Schaden zufügen. Die ersten Holo-Simulationen - oder "Holomatch" wie Jaesa es nannte - waren nicht besonders vielversprechend, aber sie hatte an mehr als einem Phasergewehr mir unglaublichem Endergebnis rumgeschraubt, ich war optimisch, dass wir hier die richtigen Einstellungen finden würden. Und tatsächlich präsentierte sie mir etwas, das in der Theorie genau das vollbringen könnte. Nun könnten wir das im Simulationen testen, aber nur ein Livetest würde und Gewissheit geben. Zu schade, dass wir unsere Starborn "Freunde" nicht um Unterstützung bitten konnten, jetzt wo wir sie dringend brauchten. Nach ihren eigenen Aussagen waren sie genauso in Gefahr wie wir.


    Wir waren in der Zwischenzeit in's nächste System gesprungen und hatten dort unsere Suche fortgesetzt, Lieutenant Griffin sollte sich Commander Corlsen außerdem auf der Hornet anschließen. Als wir gerade das Galanda-System verlassen wollte, versagte plötzlich der Warpantrieb und die internen Sensoren meldeten einen Eindringlingsalarm im Maschinenraum.

    Ich zögerte nicht lange, nahm ein Phasergewehr und stürmte los. Kaum aus dem Turbolift raus, hörte ich bereits Waffenfeuer und sah mehrere Offiziere am Boden liegen. Crewman Hühnchen und ich konnten schließlich den Maschinenraum sichern, allerdings nicht bevor der Eindringling - offensichtlich ein Starborn - uns mitteilte, dass wir zu spät seien und uns einlud "Zeugen der Unendlichkeit" zu werden, ehe der Eindringling verschwand.

    Die Ingenieure begannen den Warpkern zu sichern, als die Sensoren plötzlich Waffenfeuer auf der Brücke meldeten. Ich stürmte Richtung Brücke, wo ich direkt die leblose Admiral Nechayev vor dem Captain's Stuhl liegen sah. Der Starborn war so hell erleuchtet, dass ich meine Augen abschirmen muss, ehe dieses Wesen in einem hellen Lichtblitz samt leuchtender Aura verschwand.

    Ich ließ Admiral Nechayev auf die Krankenstation beamen, als auch schon Jaesa auf die Brücke und nach einem Lagebericht fragte. Erst als sie mehrmals "Tamas" rief, fielen meine Gedanken zurück auf Lucy. Ich war so auf den Eindringling fokussiert gewesen, dass ich die Tatsache, dass meine eigene Freundin in Gefahr oder vielleicht tot war, komplett aus den Augen vergessen hatte. Jeder Sternenflotteninstruktor wäre stolz auf mich, einem Teil von mir machte es Angst.

    Lucy jedenfalls kam langsam und offensichtlich getroffen hinter einer Wand hervorgekrochen. Ich hätte sie gerne umarmt, geküsst oder direkt in unser Quartier gebracht, aber wir hatten andere Sorgen, also bat ich das Hühnchen sie sicher auf die Krankenstation zu bringen, während der Rest der Crew die Brücke sicherte.


    Commander Corlsen und Lieutenant Griffin waren fast fertig mit den Arbeiten an der Hornet, es machte keinen Sinn nicht diese paar Minuten noch zu warten. Eine kampfbereite Hornet konnte uns nur helfen.

    Wir hatten Admiral Nechayev verloren, mehrere weitere Tote auf der Brücke und vor dem Maschinenraum, aber die Lage schien geklärt. Dann jedoch...so etwas habe ich noch nie gesehen. Innerhalb von wenigen Minuten erhielten wir 47 Notrufe, die alle von ähnlichen Vorfällen berichteten: ein "übermächtiges, helles Wesen" übernahm das Kommandozentrum und tötete wahllos Personen. Manche konnte die Kontrolle zurückerlangen, die meisten nicht. 47 Schiffe oder Stationen der Allianz wurden angegriffen, dazu die San Diego. Es gab tausende Tote, noch deutlich mehr Verletzte.

    Die Lage war schrecklich. Und dennoch überwog die Hoffnung, dass wir bald eine Lösung finden würden. Dann allerdings blieb es nicht mehr bei Schiffen, sondern es kamen Planeten dazu: wir erhielten Berichte von Angriffen auf die Erde, auf Qo'noS, auf Andoria... ehe diese Kommunikation plötzlich abbrach. Die Lage war unübersichtlich.


    Bereits zu Beginn des Tages hatte Doktor Vadiye noch auf der Krankenstation gewarnt, dass die Moral der Crew am Tiefpunkt sei. Nach all diesen Nachrichten, zumal noch niemand genau wusste, was wirklich passiert war... es gab keine Moral mehr. Ich briefte die inzwischen zurückgekehrten Commander Corlsen und Lieutenant Griffin in aller Kürze und befahl beiden alle gesammelten Daten des letzten Angriffs auszuwerten, aber das wird dauern.

    Jaesa holte sich währendddessen auf der Krankenstation Verlustberichte ab: wir hatten über 80 Crewmitglieder alleine auf der San Diego verloren, weit über 200 waren verletzt. Die Biobetten und Plätze in der Leichenhalle waren uns ausgegangen, Doktor Vadiye und ihr Team improvisierten so gut sie konnten. Lucy kam kurz darauf zurück auf die Brücke gehumpelt, dicht gefolgt von Jaesa, die direkt in ihrem nach wie vor leicht beschädigten Raum ging, um mehr über die Lage zu erfahren.


    In ihrer Abwesenheit tuschelte und diskutierte die Crew mehr als zuvor, wie genau wir diese Starborn stoppen könnten. Ich hasste es das zuzugeben, aber ein Teil von mir dachte das selbe. Selbst wenn Jaesa's Phasermodifikationen den Starborn schaden könnten, es würde Tage dauern genug Waffen zu replizieren. Bis dahin könnten diese Starborn zehn Mal zurückkommen und den Rest der Crew auslöschen.


    Kurz darauf kam Jaesa aus ihrem Büro zurück und begann eine Ansprache an die Crew; was ich dort hörte ließ selbst mir zum ersten Mal seit langer Zeit den Atem stocken: nicht nur hatten die Starborn dutzende Schiffe und Stationen angegriffen, nein ganze Planeten waren "erstummt, das heißt wir hatten jede Kommunikation verloren. Den letzten Berichten zufolge näherte sich eine riesige Welle den betroffenen Planeten, ehe diese plötzlich komplett von den Sensoren verschwanden und jede Kommunikation stoppte. Die Planeten samt aller Einwohner sind weg.

    Die Liste ist noch nicht komplett, aber wir haben bestätigte Berichte, dass die Erde, Andoria, Qo'noS, Vulkan und Tellar Prime unter den betroffenen Welten sind. Der Rest des Allianzkommandos unter Führung von Admiral Janeway hat die verbliebenen Schiffe in's Khitomer-System beordert, wir werden gemeinsam mit der Hornet und Khitomer in etwa 26 Stunden ankommen.

    Jaesa versuchte der Crew Mut zuzureden, versuchte uns alle zu erinnern, dass diese Crew schon ganz andere Katastrophen gemeinsam durchgemacht hatte und natürlich hatte sie damit Recht. Aber in diesem Moment... niemand an Bord, mich eingeschlossen, glaubte das was sie da sagte.

    Und uns allen waren die Worte unserer "verbündeten" Starborn im Kopf, dass Erlanger die gesamte Galaxie auslöschen würde, wenn wir ihn nicht rechtzeitig stoppen. Hatten wir diesen Moment schon verpasst? Im Anschluss versuchten wir alle verzweifelt weitere Verbündete zu erreichen, Systeme zu reparieren oder ließen einfach unseren Frust raus, ehe gemeinsam beschlossen wurde, dass wir die Brücke für den Moment verlassen sollten.


    Wie sollte es jetzt also weitergehen? Selbst wenn wir im Khitomer-System auf mehr Verbündete treffen sollten als gedacht, selbst wenn wir durch ein Wunder Erlanger finden und ausschalten können, wenn wir dann auch an den mysteriösen Gebieter kommen sollten....wäre das genug? Waren wir nicht dennoch für Billionen von Toten verantwortlich?

    Gab es eine Möglichkeit diese Welten zu retten, irgendwie? Und wo war überhaupt Captain Paris?


    Diese Fragen werden mich, werden wohl uns alle noch lange beschäftigen. In wenigen Tagen wird dieser Konflikt endgültig vorbei sein, auf die eine oder andere Art und Weise. Bis dahin werden wir versuchen so gut es geht unseren Dienst für die Sternenflotte weiterzuleisten und diejenigen zu schützen, die noch da sind.

    Amicia Georgiou schließt die Augen und schläft innerhalb von wenigen Sekunden ein.

    =C= Warnung, Lebenszeichen kritisch. Medizinisches Team wurde informiert.


    LOG ENDE.

    Lieutenant Lucy Tamas wacht in einem Biobett der U.S.S. San Diego auf und braucht einige Sekunden um sich zu orientieren. Sie sieht an sich herunter und betrachtet die Wunden an ihrer Schulter, ihren Armen, Beinen und fährt mit ihren Fingern über die große Wunde auf ihrem Bauch. Schmerzverzerrt setzt sie sich langsam im Bett auf und studiert ihre Umgebung. Es dauert eine Weile, bis ihre Augen sich an die Lichter um sie herum gewöhnt haben. Dann jedoch sieht sie in den umliegenden Biobetten Jaesa Hawkins, einen ihr unbekannten Crewman und Amicia Georgiou, alle drei entweder betäubt, im Koma oder im Schlaf.


    "Amicia..." Sie zieht sich an der Wand entlang zu Amicia's Biobett und versucht verzweifelt die Anzeigen zu studieren, jedoch ohne Erfolg. Sie legt sich neben Amicia in's Biobett, spürt erleichtert einen regelmäßigen Puls, streicht ihr dann einige Haare aus dem Gesicht und gibt ihr einen vorsichtigen Kuss auf die Stirn, ehe sie sich die rechte Schulter hält, um plötzlich aufkommende Schmerzen etwas zu dämpfen.


    "Ugh...so eine Waffe hätte ich auch gerne". Sie sieht Amicia und die anderen zwei Patienten ein letztes Mal an und betrachtet den Rest der leeren Krankenstation, ehe sie beginnt zu flüstern.

    "Computer, beginne persönliches Logbuch, Lucy Tamas:"


    Persönliches Computerlogbuch

    Helm Lieutenant Lucy Tamas

    U.S.S. San Diego:


    Meine Eltern mögen nicht immer für mich da gewesen sein, im Nachhinein mögen sie ihre eigenen Wünschen und Interessen sehr oft über meine Bedürfnisse oder eine gute Erziehung gestellt haben. Aber eine Sache haben sie mir beigebracht: am Ende jeden Tages eine Aufzeichnung, egal ob altmodisch schriftlich auf einem Papier, über den Computer oder auch nur im Kopf, zu führen und ein Fazit zu finden: "Lucy, war heute ein guter oder ein schlechter Tag? Was hast du gelernt und was machst du nächstes Mal besser?"

    Natürlich war das damals mehr Beschäftigungstherapie als alles andere, aber das heißt nicht, dass meine Eltern hier falsch lagen. Im Gegenteil. Wir alle lernen unser ganzes Leben lang dazu, selbst an der Sternenflottenakademie wurde uns immer wieder eingebrannt, dass wir keine Angst vor Fehlern haben sollten, sondern Angst davor denselben Fehler zweimal zu machen. Ein Tag ohne Fehler war auch ein Tag ohne Gelegenheit zu lernen.


    Also.. Lucy... war heute ein guter oder schlechter Tag? Ich konnte eines meiner größten Ziele der jüngeren Vergangenheit heute erreichen, ich habe mit dem Helm-Posten nun offiziell eine Position, eine Rolle, eine Bedeutung an Bord dieses Schiffes. Das Gespräch mit Captain Paris verlief deutlich entspannter, deutlich einfacher als ich befürchtet hatte. Natürlich fragte er welche Qualifikationen, welche Erfahrungen ich hatte, aber am Ende gab er mir quasi die freie Wahl. Ich hätte die Leitung der Sicherheitsabteilung oder einen taktischen Posten übernehmen können, aber mein Austritt aus dem Geheimdienst sollte nicht nur symbolisch sein, sondern ich wollte wirklich etwas Anderes machen. Das Steuern von Schiffen hatte mir immer sehr viel Spaß gemacht, also bin ich nun Helm.

    Dann war da Captain Paris selber, der zum Glück komplett genesen wieder auf die San Diego zurückgekehrt war. Der Rest allerdings... sie sieht besorgt Amicia an und schüttelt den Kopf ... nein, heute war kein guter Tag. Absolut nicht. Wir hatten unglaublich viel verloren.


    Und dabei begann der Tag mit einem Erfolg nach dem nächsten: während die Führungsoffiziere inklusive Amicia von der Brücke aus weiterhin die A.I.V. Chin'toka verfolgten, stattete ich direkt nach meiner letzten Aufnahme dem arrestieren Captain Mystral einen Besuch ab. Amicia hatte viel von diesem Mann erzählt, fast geschwärmt. Hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich fast eifersüchtig auf diesen Mann gesehen, so sehr wie Amicia zu ihm aufsah. Wir redeten lange über Admiral Erlanger, Amicia's Zeit an Bord der Khitomer und natürlich Captain Mystral selber. Nur Narren glaubten, dass alle Klingonen ehrenvoll waren und kein Vulkanier lügen konnte - vor allem Vulkanier die jahrzehntelang im Geheimdienst gedient hatten - aber Captain Mystral war kein Lügner. Er glaubte, was er sagte, er war bereit für die Fehler von anderen lange Zeit in Betonzellen voller Kraftfelder zu verbringen.

    Er würde lange, lange Zeit aus meinem, aus unseren Leben verschwinden. Also der perfekte Mann, um offen zu sprechen. Er kannte Amicia besser als fast jeder andere und nach fast 30 Minuten stand mein Entschluss fest: ich würde entgegen meiner vorherigen Pläne keinen Versetzungsantrag stellen, nicht einmal mit Amicia darüber sprechen. Nein, ich würde hier bleiben. Wenn auch nur ein Bruchteil von Captain Mystral's Aussage stimmte, war all das hier noch lange nicht vorbei. Es war meine Pflicht, diese Crew vor mehr Schaden durch den Geheimdienst zu schützen.


    Als - noch - offizieller Vertreter von Starfleet Intelligence nahm Captain Mystral auch meinen Austritt aus dieser Organisation zur Kenntnis und versprach die Information weiterzugeben. Dieses Kapitel meines Lebens ist abgeschlossen. Ich hatte nicht nur positive Gefühle bei diesem Entschluss, aber für den Moment könnte ich eine weitere Mitgliedschaft nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

    Dann hörte ich plötzlich Waffenfeuer und laute Knalle auf dem Korridor vor der Tür. Für einen Moment dachte ich jemand - vielleicht Admiral Erlanger persönlich? - wäre gekommen um Captain Mystral wahlweise zu befreien oder zu töten. Tatsächlich aber kamen diese Geräusche aus dem Korridor, das Waffenfeuer aus der Krankenstation.


    Zehn Sicherheitsoffiziere lagen in verschiedenen Stadien von Verletzungen - bewusstlos, blutend, benommen oder "nur" mit ein paar Kratzern - auf dem Korridor vor der Krankenstation. Nachdem ich erste Hilfe geleistet hatte bis weitere Mediziner eintrafen, nahm ich mir ein Phasergewehr und ließ mir einen kurzen Bericht geben: wir hatten die Chin'toka ohne größere Zwischenfälle sichern können, Amicia und ihr Team hatten die Kontrolle übernommen und das Schiff war nun in unserem Traktorstrahl, gemeinsam waren wir auf dem Weg zurück nach Athena. Währenddessen hatten Teams von der Hornet sowohl die Khitomer und Nimbus als auch Erlanger's Basis auf Narendra eingenommen und begonnen die Daten zu analysieren.

    Der Captain der Chin'toka, Admiral Stevens, hatte Selbstmord begangen, um Befragungen zu vermeiden, aber das war zu erwarten gewesen. Die Sicherheit hatte zusammen mit Jaesa Hawkins versucht die Krankenstation in Folge eines Eindringlingalarms zu betreten, war nach einer kurzen Feuersalve allerdings direkt wieder vor die Tür verfrachtet worden. Auf das Schlimmste vorbereitet öffnete ich vorsichtig die Tür zur Krankenstation und sah etwas mit dem ich absolut nicht gerechnet hätte: ein geradezu zivilisiertes Gespräch zwischen Doktor Vadiye, Commander Jaesa Hawkins und einem Unbekannten, zwei weitere bewaffnete Eindringlinge standen auf der anderen Seite der Krankenstation.


    Ich betrat mit einer Mischung aus Vorsicht und gespielter Arroganz langsam die Krankenstation, mein Gewehr nur halb gehoben. Ich wollte erfahren was hier passiert war und falls nötig die Crew schützen, aber ich würde alleine kaum etwas erreichen, wenn zehn Sicherheitsoffiziere nicht weiter kamen. Also hörte ich zu, was diese Person da sprach. Und was er sagte verschlug mir mehr als einmal die Worte.

    Offenbar gehörten diese drei Fremden einer "Rasse" - auch wenn es keine "Rasse" war wie wir sie kannten - an, die sich selbst "Starborn" nannte. Diese Personen waren wegen "des Kindes" - der Tochter von Commander Hawkins - hier. Diese stelle angeblich eine Gefahr für uns alle da und nur diese Starborn könnten sie angemessen großziehen.

    Ich werde nicht behaupten alle Informationen verstanden zu haben, die im Anschluss ausgetauscht wurden, aber gemeinsam gelang es Commander Hawkins, Doktor Vadiye und mir mit gezielten Fragen und Aussagen diese drei Starborn zu überzeugen, dass wir auf derselben Seite sind, dass wir mit Erlanger und seinem Auftraggeber dieselben Feinde haben.

    Somit wurden wir nicht "alle ausgelöscht" - was sonst wohl der Auftrag wäre, da wir nach ihren Aussagen bereits zu viel wüssten - sondern könnten uns nach dem Aussagen des Starborn-Anführers sogar als nützlich erweisen.


    Und so erhielten wir zumindest eine grobe Beschreibung: die Starborn waren Personen, die die Macht besitzen, Gravitation und andere physikalische Größen in größerem Umfang zu manipulieren, von diesen Wesen ging kosmische Strahlung aus. Sie waren "Reisende", die von außerhalb unserer Galaxie stammten. Auch ihre Technologie war unserer weit voraus, erst jetzt erfuhren wir, dass diese drei Starborn unbemerkt ein kleineres Schiff an die San Diego angedockt hatten, während wir mit hohem Warp unterwegs war. Das erklärte den vorherigen unruhigen Warpflug und die vielen Ruckler.

    Ich hatte in einigen - extrem gut verschlüsselten - Geheimdienst-Berichten von "Starborn" gelesen, wie deren Kräfte eventuell für die Allianz nutzbar gemacht werden könnten.

    Ging es am Ende nicht fast immer darum? Wie kann ich stärker als mein "Feind" sein, wie kann ich mir einen Vorteil verschaffen? Wir hatten es geschafft nicht nur mit einem oder zwei, sondern mit drei unserer Erzfeinde Frieden zu schließen, aber die Lektion war für die meisten immer noch, dass Waffen stärker sprachen als Worte.

    Etwas ähnliches sagten sowohl der Starborn als auch Commander Hawkins: Macht korrumpiert jeden und am Ende sind diese Faktoren in jedem Universum gleich.


    Dann erklärte dieser Unbekannte, dass auch Erlanger's "Meister" sowie Erlanger selbst und einige seiner Verbündeten Starborn seien und in mir dämmerte etwas, also fragte ich direkt: war der "Commander Jettingham", der vor wenigen Tagen unsere Brücke angegriffen hatte, ein Starborn? Unser Gast schien kurz irritiert und ehrlich verwundert, offenbar wusste er nichts von diesem Vorfällen. Er gestand dann aber ein, dass dieses Muster gut zu Erlanger's Starborn passen würde.

    Waren wir hier mitten in einen Bürgerkrieg von einer übermächtigen Rasse gestolpert? Hatte Admiral Erlanger diese Zustände verursacht, nur ausgenutzt oder war tatsächlich selber nur ein kleiner Spielball? Offenbar wollte diese Fraktion der Starborn einfach nur im Verborgenen leben, während die andere Seite ganze Universen nach ihren Vorstellungen formen wollte - das klang auf jeden Fall nach Maximus Erlanger.

    Diese Antworten mussten jedoch warten, denn Jaesa Hawkins hatte eine Entscheidung zu treffen. Ihre Tochter, Nadine Hawkins, war ebenfalls Starborn und diese drei Fremden wollten sie nun mitnehmen. Je länger das Gespräch ging, desto mehr schien sich ihre Haltung zu ändern. Am Anfang hatte sie ihre Hände noch sehr fest um ihr Gewehr gewickelt und schien in ihrem Kopf alle möglichen Szenarien durchzugehen, schließlich war es wohl eher ein wirkliches Überlegen, was für ihre Tochter das Beste sei.


    Und da war eine noch größere Bedrohung als dieser interne Starborn-Konflikt, ein größerer Konflikt als Erlanger. Auch Admiral Erlanger's Meister war ein Starborn, der allerdings bereits ganze Universen in seinem Streben nach noch mehr Macht ausgelöscht hatte. Die U.S.S. Sovereign soll schon Kontakt mit "ihm" gehabt haben, aber ehe wir weitere Antworten erhielten, erleuchtete direkt neben mir ein heller Transporterstrahl und Amicia stand mit einem Gewehr neben mir - es verlangte mir alles ab sie nur neutral mit einem kurzen Nicken zu begrüßen, welches sie erwiderte und dann ihren Platz direkt an der Seite von Jaesa Hawkins einnahm, die sie im Moment definitiv mehr brauchte als ich.


    Wieso war Amicia hier? Offenbar hatte Doktor Vadiye in einem genialen Einfall alle Tricorderdaten über unsere Gäste an die Brücke geschickt, welche an Gegenmaßnahmen arbeiteten und dabei auch Amicia informiert hatten, die nach dem Sichten der Biodaten direkt auf die Krankenstation beamte.

    Diese ganze Situation war schlimm genug, aber da war noch mehr: wir alle waren der Auffassung gewesen, dass Admiral Erlanger mitsamt seiner Crew Nadine Hawkins genetisch, biologisch verändert hatte um sie diese Strahlung aussenden zu lassen, um sie - wie wir jetzt wussten - zu einer Starborn zu machen. Tatsächlich jedoch war Nadine bereits so geboren worden, all die Ausrüstung an Bord der Draugr war lediglich da, um das Schiff und die Crew vor Nadine zu schützen und ihre Entwicklung zu dämpfen, Risiken zu minimieren. Der Starborn gab uns, gab vor allem Commander Hawkins eine Wahl: sie könnte Nadine freiwillig übergeben, sodass die Starborn sie als eine von ihnen angemessen aufziehen könnten - oder wir müssten sie selbst töten. Der Starborn war sehr sicher, dass Nadine andernfalls unser Schiff und uns alle töten würde.

    Außerdem sei es wohl extrem selten, dass jemand in diesem Alter bereits beginnt diese Kräfte zu entwickeln. Wir hatten immer gewusst, dass Commander Johnson's "Heilung" temporär war, aber könnten unsere Mediziner, unsere Wissenschaftler eine dauerhafte Lösung finden? Gab es eine dritte Möglichkeit neben der Ermordung und der Abgabe eines Kindes an eine fremde Rasse? Vielleicht, mit genug Zeit. Zeit war allerdings etwas, das wir nicht mehr hatten.

    Was auf dem Spiel stand war klar: würden Erlanger und sein Meister Erfolg haben, würden sie nicht nur die Allianz und uns alle auslöschen, sondern auch alle "feindlichen" Starborn, wir hatten also definitiv einen gemeinsamen Feind.


    Mit all diesen Informationen hätte sich Commander Hawkins vielleicht dennoch entschieden Nadine an Bord zu verhalten, hätte die Crew mit Sicherheit hinter ihr gestanden. Aber da war mehr: es gab einen Grund wieso Erlanger so interessant an Nadine Hawkins war und dieser Grund war nicht mehr Macht oder das Nutzen ihrer Kräfte. Nein, der Körper seines eigenen Meisters, dessen Kräfte ließen nach und er brauchte Ersatz, welchen Admiral Erlanger beschaffen sollte. Das war alles.

    Commander Hawkins war sichtlich erschüttert und Amicia versuchte sie so gut sie konnte zu beruhigen, stellte dem Starborn jede Menge Fragen. Einige der Fragen war auch aus taktischer Sicht berechtigt - wie konnten wir einer intern zerstrittenen Rasse trauen, was waren Erlanger's weiteren Ziele - aber der Großteil drehte sich um Nadine: was sollte aus ihrer Familie werden, konnten die Starborn sie wirklich schützen? Ich habe das in dem Moment nicht verstanden, dachte Amicia will einfach nur Zeit schinden, um der Brücke oder Doktor Vadiye zu ermöglichen aktivere Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Im Nachhinein ist mir klar, dass diese Fragen einen anderen Sinn hatten: sie sollten Jaesa Hawkins helfen zu akzeptieren, dass es hier nur eine Lösung gab: sie musste ihre Tochter in die Hände von Fremden geben. Nicht nur als erste Offizierin der San Diego, die geschworen hatte, den Schutz der Sternenflotte und die Leben ihrer Crew über alles andere zu stellen, sondern vor allem auch als Mutter von Nadine Hawkins, die das beste für ihre Tochter wollte.

    Würde Nadine das wünschen, könnten sie später jederzeit zurückkehren.

    Es dauerte noch eine Weile, aber schließlich wurde Commander Hawkins klar, dass niemand an Bord, selbst sie nicht, die Starborn aufhalten könnte, Nadine mitzunehmen. Und sie wollte natürlich das Beste für ihre Tochter, als willigte sie ein.

    Sie drohte den Starborn aber bereits vorsorglich für den Fall, dass sie ihr Versprechen nicht halten und Nadine schützen könnten.


    Im Gegenzug erhielt Amicia ein "PADD"-ähnliches Display mit Daten über die Starborn, hauptsächlich über Wellen und Frequenzen, die sie für ihre gravimetrischen Fähigkeiten nutzten, außerdem die genauen Spektren ihrer kosmischen Strahlung. Und da waren auch Informationen über den Ort, an welchem die "Transformation" von Nadine Hawkins lange vor ihrer Zeit an Bord der Draugr stattgefunden hat, diesen Ort sollten wir finden und untersuchen. Amicia gab dieses PADD an mich weiter, ich brachte es auf die Brücke. Natürlich machte ich mir Sorgen, Commander Hawkins und Amicia mit diesen Fremden alleine zu lassen, aber für den Moment schien die Gefahr gebannt.

    Diese Daten... es war nicht viel, aber es sollte Lieutenant Griffin und Commander Corlsen die Möglichkeit geben, Starborn Signaturen zuverlässig zu ordnen, sollte zumindest verhindern, dass wir erneut einen "Commander Jettingham Vorfall" erleben.

    Amicia folgte mir wenig später auf die Brücke und übernahm das Kommando, während Commander Hawkins ohne weiteren Kommentare in ihren Raum ging und innerhalb weniger Sekunden den gesamten Glasvorrat der San Diego zerschmetterte. Lieutenant Griffin's Kommentar, dass wir dringend einen Counselor bräuchten, war alles andere als angebracht. Natürlich konnte sie nicht wissen was da gerade passiert war, aber Empathie scheint für diese Frau ein Fremdwort zu sein.


    Wenige Minuten später erreichten wir schon Station Athena und begannen anzudocken. Captain Paris und Amicia diskutierten kurz seine Genesung, die letzten Vorfälle auf der San Diego und unsere nächsten Befehle, ehe beide gemeinsam mit dem Turbolift Richtung Arrestzelle fuhren, wo Captain Paris das weitere Schicksal von Captain Mystral entscheiden sollte. Währenddessen erhielten wir neue Güter und auch Offiziere, nach knapp zwei Stunden verließen wir Athena wieder in Richtung Alhena-System, um unsere Suche nach Admiral Erlanger fortzusetzen. Amicia hatte dem Captain zwischenzeitlich auch von den Vorfällen um Jaesa Hawkins erzählt, die wenig später die Brücke betrat.

    Captain Mystral war in die Arrestzellen von Athena gebeamt worden. Amicia kennt ihn besser als ich, aber selbst für mich scheint das unfair. Wir werden sehen, wie Admiral Nechayev und die Kriegsgerichte in seinem und ähnlichen Fällen entscheiden werden.


    Kaum waren wir auf Warp gesprungen sah ich meine Chance gekommen. Ich wollte keine weiteren Sekunde Zweifel über meine Zukunft mit mir herumtragen, also bat ich Captain um ein kurzes Gespräch. Wie angedeutet lief dieses sehr gut, er verstand meine Beweggründe und sprach sein Bedauern über die Entwicklung vom Geheimdienst aus. Diese Kapitel hatte ich nun hinter mir gelassen und würde mich auf den Dienst in der Sternenflotte, meine neue Helm-Position an Bord der San Diego, diese Crew und auf Amicia konzentrieren. Natürlich würde ich Wissen und Kontakte aus Geheimdienst Zeiten nutzen, aber ich würde keine neuen Aufträge mehr annehmen.


    Mit einem Grinsen und Handschlag übernahm ich die Helm-Station von Amicia und überbrachte ihr gleichzeitig die gute Nachricht, als Lieutenant Griffin auch schon ein Starborn Signal meldete - zumindest die Sensoranpassungen funktionierten. Wir wussten, ob es hier hierbei um "freundliche" Starborn handelte - vielleicht wollten unsere vorherigen Besucher uns helfen die Sensoren zu testen oder hatten das Lieblingsstofftier von Nadine Hawkins vergessen - oder aber feindliche Starborn handelte. Wir gingen also auf gelben Alarm, als die Sensoren auch schon drei Eindringlinge meldeten - wieder auf der Krankenstation.

    Captain Paris befahl der Sicherheit die Krankenstation zu stürmen, aber Commander Hawkins rief den Befehl sofort wieder zurück. Wir hatten vor wenigen Stunden gesehen, was unsere Sicherheit, unsere Waffen für den Moment gegen Starborn ausrichten, das war sinnlos. Wir aktivierten dann die Kameras auf der Krankenstation gerade rechtzeitig um zu sehen, wie ein Starborn Doktor Vadiye zu Boden schlug - dieser Starborn war Admiral Erlanger!

    Es dauerte nicht lange und er betrat mit seinen zwei Bodyguards nach einer verzweifelten Suche auf der Krankenstation den Turbolift. Es herrschte kurze Unruhe, wohin genau Erlanger fuhr, ehe plötzlich die Türen auf der Brücke aufgingen und Erlanger mit zwei weiteren Starborn einfach durch die platzierten Kraftfelder durchmarschierte.


    Es zeugte von unglaublicher Professionalität, dass nicht einer der Brückenoffiziere oder stationierten Sicherheitskräfte das Feuer eröffnete, sondern alle Admiral Erlanger begrüßten und fragten, was er wollte. Natürlich wollte auch er "das Kind". Auf den nächsten Teil jedoch war selbst ich als erfahrene Agentin nicht vorbereitet: Jaesa Hawkins legte eine überragend gute Schauspieleinlage ein, in der sie Erlanger vorwarf, dass er Nadine getötet habe, dass sie vor wenigen Stunden auf der Krankenstation an seinen Manipulationen verstorben sein. Es mag die Tatsache gewesen sein, dass sie nicht viel schauspielern mussten - in gewisser Weise hatte sie ihr Kind wirklich verloren - aber ihre Beleidigungen, ihre Emotionen wirkten sehr echt. Admiral Erlanger allerdings schien wenig begeistert, während sich seine zwei Bodyguards direkt Amicia zuwandten und ihr klarmachten, dass sie bei jeder falschen Bewegung sterben würde.

    Ich wollte instinktiv einen Phaser nehmen und sie verteidigen, aber sie schüttelte nur den Kopf. Natürlich hatte sie Recht, das wäre sinnlos. Aber konnte ich wirklich tatenlos mit ansehen, wie ihr Leben bedroht wurde?

    Ich musste nicht lang weiter überlegen, denn nun stimmte auch Captain Paris ein, dass Nadine Hawkins tot sei. Der Geduldsfaden von Admiral Erlanger schien zu reißen, Commander Hawkins' Kommentar, dass er von seiner eigenen Familie wissen müsse wie sich so ein Verlust anfühlt brachten das Fass zum Überlaufen und er schlug ihr mitten in's Gesicht. Jaesa Hawkins wollte zurückschlagen, aber einer von Erlanger's Gehilfen schleuderte sie quer über die Brücke in ihren Bereitschaftsraum.


    Wir hatten kaum Zeit uns von diesem Schock zu erholen, als Admiral Erlanger auch schon Amicia packte und sie über sich in der Luft hielt. Sie kämpfte mit allem was sie hatte dagegen an, versuchte irgendwie Luft zu bekommen, aber das war aussichtlos. Während ich regelrecht das Leben aus ihren Augen verschwinden saß, nahm ich meinen Phaser und schoß auf höchster Stufe auf Erlanger. Das mag nicht besonders schlau gewesen sein, aber ich konnte nicht zulassen, dass er Amicia etwas antat, während ich tatenlos daneben saß.

    Wenige Sekunden später wurde alles dunkel, ich sank zu Boden und sah nur noch wie Erlanger auch Amicia in eine Ecke schleuderte, während er Captain Paris ein Ultimatum gab. Mit allem was ich hatte konnte ich gerade noch genug Kraft auftun, um das Bewusstsein zu halten, ehe Admiral Erlanger von Bord beamte.


    Laut Computer war das vor mehr als neun Stunden und angesichts von keinen Alarmleuchten und der absoluten Ruhe schätze ich, dass Erlanger tatsächlich verschwunden ist. Für den Moment. Ich bezweifle jedoch, dass wir ihn das letzte Mal gesehen haben, dass er so schnell aufgibt. Wir haben wohl keine größeren Verluste davon getragen, aber zu sehen wie Amicia vor meinen Augen...Admiral Erlanger wird bezahlen für alles was uns angetan hat. Starfleet Intelligence, Jaesa Hawkins, Nadine Hawkins, Captain Mystral, Amicia...

    Lucy sieht erneut auf das Display und dann zu Amicia, als sie ein plötzlich lauter werdendes Atmen neben sich hört und sieht wie Amicia sich auf einmal im Bett hin- und herdreht. Sie legt ihr Hände um Amicia's Gesicht und flüstert ihr zu:

    "Hey, es ist alles gut. Ich bin hier. Du bist in Sicherheit." Wenige Sekunden später öffnet Lieutenant Commander Amicia Georgiou die Augen, sieht Lucy an und grinst kurz ehe sie ihre Augen wieder schließt: "Ist das ein Traum... au, nein, diese Schmerzen sprechen nicht dafür"

    "Nein, es ist kein Traum. Ich... habe gerade mein persönliches Log aufgenommen, willst du noch etwas ergänzen?"

    Amicia dreht sich zu Lucy um, legt ihren Kopf auf Lucy's Schulter und denkt kurz nach: "Ohne zu wissen was genau du aufgenommen hast, scheint das schwierig. Auf der anderen Seite kenne ich deine Logbücher und weiß, dass diese mindestens genauso umfangreich wie meine sind.

    Ich habe nur vier persönlichen Anmerkungen:

    1. Wir wissen jetzt, wer Erlanger's Boss, sein "Meister" ist: der Gebieter. Für alle die nicht wie Jaesa selbst dabei waren, lese sich die hoch klassifizierten Berichte wie eine Holoroman, aber dieses Wesen mit Q-ähnlichen Kräften - weit mehr als das, was die anderen Starborn heute eingeräumt haben - ist nicht beim Angriff von Admiral Petersen gestorben. Er hätte schon einmal fast für das Ende der Föderation gesorgt, ich werde hier mit Jaesa gemeinsam ein Briefing für die Führungsoffiziere vorbereiten - für unsere Allierten ebenso. Wir müssen wissen mit wem wir es hier zu tun haben. Lucy macht im Hintergrund ein kurzes "Oh nein" Geräusch, ehe Amicia sie böse ansieht.

    2. So sehr wir alle - wohl auch Jaesa selbst - wissen, dass es die richtige Entscheidung war, Nadine gehen zu lassen, so sehr sind wir alle in der Verantwortung sicherzustellen, dass wir Jaesa hier unterstützen wo wir können. Für den Moment ist ihr "Tod" die beste Tarnung, die wir haben. Sie hat in den letzten Wochen mehr durchgemacht, als die meisten von uns in ihrem gesamten Leben durchleben müssen und irgendwie schafft sie es immer noch ihren Dienst zu leisten, ein Vorbild nicht nur für diese Crew, sondern auch den Rest der Sternenflotte und sogar Romulaner wie Admiral Selos oder Breen zu sein. Sie wird uns die nächsten Wochen brauchen.

    3. Diese "Starborn" mögen aus unserer Sicht "übermächtig" sein, aber war das nicht immer nur eine Frage der Perspektive? Vor fast tausend Jahren schienen die europäischen Siedler auf der Erde mit ihren Waffen, Schiffen und Instrumenten "übermächtig" für Ureinwohner, nach dem ersten Kontakt schienen Rassen wie Klingonen oder Romulaner unglaublich mächtig. Für eine Katze ist ein Mensch übermächtig. Die Starborn sind mächtig, ja, aber auch sie hatten eine Schwäche.

    4. Die weitere Inhaftierung von Captain Mystral hat mich schockiert, aber nicht überrascht. Jeder, der von diesen Ereignissen noch überrascht ist, hat in den letzten Wochen und Monaten, ja in den letzten Jahren nicht aufgepasst. Bei all unserem Gerede von Entwicklung, von der Verbesserung der Menschheit und so weiter hat sich eines nicht verändert: die Menschen brauchen einen Sündenbock, jemanden den sie für all ihre Misserfolge verantwortlich machen können. Natürlich ist der Geheimdienst nicht dafür verantwortlich, dass Crewman Miller's Versetzungsantrag nicht genehmigt worden oder dass die U.S.S. Unrelenting bei der Erforschung eines Nebels zerstört wurde, aber fühlt es sich nicht gut an, diese Lösung gefunden zu haben? Bis Admiral Erlanger tot oder inhaftiert ist, fürchte ich werden Offiziere wie Captain Mystral weiterhin ihre Tage in Zellen verbringen, während sich alle um sie herum auf die Schultern klopfen.


    Eines ist klar, uns wurden heute erneut unsere Grenzen aufgezeigt. Admiral Erlanger, der Gebieter, ihre Starborn Verbündeten... wir haben gegen niemanden davon alleine eine Chance. Nicht bis wir mehr herausfinden, eine Schwäche finden können. Durch das Opfer von Jaesa und ihrer Familie konnten wir allerdings Allierte finden, die uns vielleicht helfen können das Blatt zu wenden ehe es zu spät ist. Bis dahin... Lucy gähnt im Hintergrund ironisch laut Ja...du hast Recht, wir könnten bessere Dinge mit unserer Zeit anfangen als ewige Monologe in Displays zu sprechen....

    "Natürlich habe ich Recht. Gut, dass wir uns einig sind" Lucy grinst, aktiviert einen Sichtschutz und setzt zu einem Kuss an, als plötzlich das Licht anspringt.

    "Commander Georgiou, Lieutenant Tamas! Das hier ist keine Klassenfahrt und ich bin keine Lehrerin, die hormonkontrollierte Teenager trennen muss. Ich habe wichtigere Aufgaben. Und Ihre beiden Körper brauchen Ruhe oder haben Sie vergessen, dass Sie beide vor wenigen Stunden noch über die Brücke geflogen wurden?

    Ich checke die Werte von Commander Hawkins, im Anschluss erwarte ich Sie beide in ihren eigenen Biobetten!"

    Mit diesen Worten wendet sich Doktor Vadiye Commander Hawkins zu, während Lieutenant Commander Georgiou und Lieutenant Lucy Tamas grimassen-schneidend ihre Schlafpositionen einnehmen.

    "Gute Nacht, Lieutenant" versucht Amicia so ernst wie möglich zu sagen.

    "Gute Nacht, Lieutenant Commander" erwidert Lucy, ehe sie das Lachen anfängt und sich vor Schmerzen die Rippen hält.

    "Gute Nacht! Mögen Ihnen das eine Lektion sein! Computer, das Licht wieder dämmen und alle Aufzeichnungen beenden"

    Mit diesen Worte kehrt Doktor Vadiye wieder in ihr Büro zurück.


    =/\= Log Ende.