Lieutenant Commander Amicia Georgiou sitzt alleine in der größten, fast komplett verdunkelten und komplett chaotischen Frachtrampe der Razor auf einem Frachtcontainer.
In der linken Hand hält sie ein PADD, während sie mit den Fingern ihrer rechten Hand in Gedanken versunken über die Klinge eines Messers fährt.
Leise redet sie vor sich hin “Es wäre so einfach gewesen mich heute zu töten und dir deine Freiheit zu sichern, aber du konntest nicht. Obwohl du keine Erinnerungen an mich hattest, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt wie eine Terroristin ausgesehen haben muss. Was sagt das über unsere Beziehung aus, wenn selbst fehlende Erinnerungen diese Verbindung nicht komplett trennen können? Ich glaube nicht an Schicksal, aber..” Amicia verzieht das Gesicht und sieht auf ihre Hand, mit einem leichten Grinsen tupft sie mit dem Arm ihrer Uniform die Blutstropfen ab und legt das Messer anschließend sicher in einer Kiste verstaut beiseite.
“Computer, Musik!
=C= Bitte spezifizieren
Etwas Fröhliches, Hoffnungsvolles, oh ich weiß! Jazz! Erde, 20. Jahrhundert”
Über die Lautsprecher ertönt langsam Musik, Amicia klatscht für einige Zeit zum Rhythmus in die Hände und beginnt fast zu tanzen, ehe sie lachend den Kopf schüttelt, die Musik leiser stellt und ihr PADD anhebt.
“Computer, beginne Logbuchaufzeichnung
Persönliches Computerlogbuch
Lieutenant. Commander Amicia Georgiou
S.S. Razor:
Razor… ich stimme unserer Lachsbrötchen-liebenden, leuchtenden Etherianerin ungerne zu, aber dieser Name war mehr als blöd, er war langweilig und vor allem unpassend für diesen besseren Schrotthaufen mit zwei Warpgondeln.
Sie sieht sich kurz um und flüstert leise “Sorry”
Ich habe schon auf dem terranischen Flaggschiff gedient, auf verschiedensten, oft modernsten Schiffen bis hin zu Prototypen der Sternenflotte, aber dieser Frachter mit angeschraubten Waffen.. Es bringt nichts sich aufzuregen, wenigstens waren wir am Leben, waren wir zusammen. Und fast alle hatten ihre Erinnerungen.
Wir hatten “Captain” Hühnchen und etwa zwei dutzend andere Offiziere, mit denen wir auf der Guardian gedient hatten zurücklassen müssen - und diese waren nun in der Fängen von Piraten, aber ich will nicht vorgreifen, Fokus, Amicia! - und Lexa Griffin hat anscheinend die Seiten gewechselt, aber Doktor Taya Vadiye, Commander Aiden Corlsen, Captain Tom Paris und Lucy waren bei mir, wir waren zusammen an Bord dieses Müllfr… dieses Schiffes.
Dazu unsere “blinde Passagierin” Fey-Mina und.. oh, natürlich Nadine Hawkins. Ja richtig, *die* Nadine Hawkins.
Sie hatte den Showdown mit dem Gebieter - natürlich - überlebt und hatte als Starborn nicht nur weiterhin ihre Kräfte, sondern auch alle Erinnerungen.
Nur ihr hatten wir es zu verdanken, dass wir nicht nur von der Solaris “entkommen” konnten, sondern Commander Corlsen, Doktor Vadiye und natürlich Lucy ihre Erinnerungen wieder hatten.
Der Weg dorthin, der Weg zur Ankunft auf diesem… Luxuskreuzer war allerdings mehr als nur steinig, mehr als nur “un-sternenflottig”, selbst für unsere Crew von merkwürdigen Gestalten.
Zu Beginn des Tages stellte ich mich zunächst erneut schlafend, um weitere Untersuchungen von Doktor Vadiye so lange wie möglich hinauszuzögern und sie im Glauben zu lassen, dass ihre Schlafmittel bei mir genauso gewirkt hatten wie bei Captain Paris.
Es dauerte jedoch nicht lange bis dieser erwachte und direkt in’s Gespräch mit Doktor Vadiye einstieg - über Frühstücke! Für einen Moment zweifelte ich an den Kommando- und ehrlich gesagt auch Überlebens- Fähigkeiten dieses Mannes, ehe ich realisierte was sein Plan war: er wollte nicht nur - wie ich - Zeit schinden, sondern vor allem das Vertrauen von Doktor Vadiye gewinnen. Und unter normalen Umständen wäre die Taktik so freundlich, so harmlos, so kooperativ wie möglich zu sein um diesen Personen zu zeigen, dass wir alle auf einer Seite waren, nicht die schlechteste gewesen.
Es reichte jedenfalls um Doktor Vadiye zu überzeugen uns Frühstück aus der Messhall zu holen. Zu meiner großen Überraschung lies sie uns sogar alleine in der Krankenstation.
Es hätte mich nicht gewundert, wäre die Tür oder zumindest der Korridor mit irgendwelchen Fallen oder Kraftfeldern programmiert gewesen, aber alleine dass sie uns alleine in diesem Raum lies…vielleicht hatte ich Captain Paris und seiner Strategie unrecht getan.
Erst Recht, als plötzlich Nadine Hawkins auf der Krankenstation auftauchte.
Es dauerte ein paar Sekunden und sehr viele Emotionen bis ich realisierte, was hier gerade passiert war: nicht nur hatte Nadine Hawkins überlebt und weiterhin ihr Starborn-Kräfte, sondern sie hatte uns gefunden und wollte uns helfen. Ich hatte schon mitbekommen, dass sie Commander Corlsen seine Erinnerungen zurückgegeben hatte und unter normalen Umständen wäre das auch für die restliche Crew der richtige Weg gewesen, jedem einzelnen nach und nach seine Erinnerungen zurückgeben bis alle - oder zumindest die überwältigende Mehrheit - die Wahrheit kannte.
Wir brainstormten eine Weile und hatten einige gute Szenarien entwickelt; Szenarien, mit denen wir Verluste oder unkontrollierte Ereignisse auf ein Minimum hätten reduzieren können.
Dann jedoch kam “Doktor” Lexa Griffin - es war immer noch merkwürdig diese kriegerische, emotional instabile Trikrun in einer grünen Uniform zu sehen - von der kurz zuvor einberufenen Konferenz der Führungsoffiziere zurück und verkündete, dass wir für “den Transport” vorbereitet werden sollte.
Lucy kam dann ebenfalls zur Tür herein und nachdem mein Herz sich etwas beruhigt hatte sah ich nicht nur sie, sondern auch das Phasergewehr in ihren Armen.
Und so selbstsicher, so stoisch sie mit ihrem “Bitchface” Blick dastand, so sehr schien irgendwas anders. Während Doktor Griffin nicht nur überzeugt wirkte, dass sie das Richtige tat, sondern es auch war, schien Lucy uns allen - und vielleicht auch sich selbst - etwas vorzuspielen.
Aus diesen Gedanken wurde ich dann jedoch jäh herausgerissen, als Lucy und Doktor Griffin verkündeten, dass wir in Kürze die Sternenbasis erreichen, wo wir “mit Glück in ein paar Jahren” wieder Tageslicht sehen würden.
In diesem Moment wurden mir zwei Sachen klar: nicht nur hatte Doktor Griffin die Krankenstation überwacht, meine Logbuchaufnahme belauscht und nutzte jetzt genau meine Formulierung, um mir das mitzuteilen - nein, vor allem war keine Zeit für den sicheren Plan. Wenn wir nicht jetzt handelten, würden Captain Paris und ich in Zellen eingesperrt, aus denen uns so schnell niemand rausholen würde. Wichtiger noch, der Rest der Crew würde niemals die Wahrheit erfahren, Lucy und ich würden uns nie wieder sehen und der Gebieter wäre möglicherweise da draußen und niemand wusste davon. All unsere Opfer wären wahrlich umsonst gewesen.
So jedenfalls dachte ich in diesem Moment; ich gebe zu, dass ich trotz all meiner Erfahrungen, all meiner Trainings innerlich in Panik ausgebrochen bin. Ja, das lag auch an meinen Gefühlen für Lucy und der Angst sie für immer zu verlieren - etwas das ich zuvor nie in ähnlichen Situationen, in denen ich ruhig geblieben bin, hatte - aber es war mehr als das.
Rational betrachtet, im Nachhinein weiß ich, dass Nadine Hawkins uns genauso aus diesen Zellen hätte befreien können, genauso nach und nach die Crew der Solaris hätte “erinnern” können.
Aber diese Entscheidung wurde nicht getroffen, stattdessen beantwortete sie Doktor Griffin’s Frage wer sie sei, damit sie das Feuer auf die Crew der Solaris eröffnete und Doktor Griffin, Doktor Vadiye und Lucy niederschoss.
Ich stürmte zu Lucy und versuchte ihr aufzuhelfen, hörte nur im Hintergrund wie Nadine sagte, dass sie “nur betäubt” sei. Und natürlich wusste ich das, aber Lucy so leblos, so hilflos am Boden liegen zu sehen, weckte dennoch Erinnerungen. Erinnerungen an den Kampf auf der Gebieterbasis, Erinnerungen an so viele andere Verluste.
Während ich Lucy’s Kopf an meine Schulter lehnte realisierte ich plötzlich etwas Anderes: Nicht nur waren die Lichter ausgegangen, das Schiff hatte auch gestoppt. Auch wenn Doktor Vadiye zumindest das Licht auf der Krankenstation mit ein paar mobilen Energiezellen wieder reaktivieren konnte war eines klar: das war hier keine kleine Störung, keine lokale Fehlfunktion.
Nein, irgendetwas - oder jemand - hatte die gesamte Hauptenergie inklusive aller Backups abgestellt. Ich kannte nur drei Leute die so etwas hätten vollbringen können, ohne dass eine Sternenflottencrew das innerhalb weniger Minuten rückgängig machen könnte und einer davon war an Bord der Solaris und hatte gerade frisch seine Erinnerungen zurück erhalten: Aiden Corlsen.
Und tatsächlich, genau dieser Mann tauchte kurz darauf auf der Krankenstation auf und verriegelte gerade noch rechtzeitig die Türen ehe ein wütender Klingone diese samt Phasergewehr durchschreiten konnte.
Captain Hühnchen hatte inzwischen - durch Umleitung von Energie der Lebenserhaltung auf zwei ganzen Decks, offenbar war dieser Vogel nicht zu Späßen aufgelegt - das Comm-System und die internen Sensoren wieder reaktivieren können, wusste also was wir vor sich ging.
Er befahl der Crew die Gefangenen “um jeden Preis” zu sichern - spätestens jetzt war klar, dass uns nicht nur die Zeit davon lief sondern wir nur noch eine Wahl hatten: entkommen. Sollten dieses Gefieder und seine Crew uns erneut festnehmen können wäre nicht nur unsere Geheimwaffe in Form von Commander Corlsen bekannt, sondern wir würden definitiv nie mehr Freiheit sehen.
Glücklicherweise hatte Commander Corlsen die Transporter modifizieren können und beamte uns - Lexa Griffin, Taya Vadiye, Tom Paris, Lucy, mich und sich selbst - in ein enges Shuttle. Fey-Mina wollte das nicht stehen lassen und griff im letzten Moment nach Corlsen, sodass diese ebenfalls mitgebeamt wurde.
Commander Corlsen betäubte sie nach einem kurzen “Gespräch” und sie wurde mit den anderen “Gefangenen” hinter einem Kraftfeld gesichert, während wir auf Warp sprangen.
Es tat immer noch weh Lucy und auch Lexa und Doktor Vadiye so zu sehen - bei der seltsamen Etherianerin war das eher eine Genugtuung - aber Nadine hatte Recht, niemandem wurde dauerhafter Schaden zugefügt und unsere Freunde würden das mit Zeit verstehen. Wichtiger noch - so sehr ich diesen Satz normalerweise hasse - wir hatten keine Wahl.
Dann jedoch meldete Captain Paris, dass drei Piratenschiffe der Solaris näherten - genau der Solaris, die weiterhin keine Hauptenergie hatte, also keine Schilde, Waffen oder gar Sensoren, um die ankommende Bedrohung wahrnehmen zu können.
Diese Offiziere mögen versucht haben uns einzusperren, aber sie waren loyale Offiziere der Sternenflotte, die aufgrund der ihnen vorliegenden Informationen gehandelt hatten.
Hätte ich genauso wie Captain Hühnchen reagiert, wenn plötzlich zwei - für mich - komplett Fremde auf einem Schiff aufgetaucht wären und all das erzählt hätten?
Vielleicht nicht, ich würde hoffen, dass ich ihnen zumindest zuhören und versuchen eine Erklärung zu finden würde ehe ich sie in eine Zelle sperre. Aber wer weiß was diese Crew durchgemacht, welche Erfahrungen sie gemacht hat.
So oder so niemand von uns wollte, dass loyale Sternenflottenoffiziere von den Piraten gefangen genommen oder gar getötet werden, selbst wenn sie uns jagen wollten.
Commander Corlsen konnte aus der Ferne Zugriff auf die Solaris nehmen und zumindest einige Primärsysteme - Schilde, Waffen - teilweise reaktivieren, aber wie wir später erfahren sollten war das nicht genug und die Solaris wurde unter minimalen Verlusten auf beiden Seiten eingenommen.
Das traf insbesondere Commander Corlsen, der sich offensichtlich Vorwürfe macht, hart, aber wie Captain Paris sagte war nichts davon seine Schuld. Niemand hätte erahnen können, dass die Piraten im Hinterhalt warten und die Alternative wäre unsere sehr dauerhafte Inhaftierung gewesen.
Wir würden versuchen Captain Hühnchen und seine Crew zu retten, aber für den Moment brauchten wir ein neues Schiff, also setzen wir Kurs auf das schwer beschädigte Piratenschiff aus der vorherigen Schlacht.
Die Stimmung während des Fluges war zwischen bewusstlosen “Gefangenen”, dem Wissen um die Solaris und dem engen Platz an Bord sehr bedrückt, sodass alle aufatmeten, als wir die Razor erreichten und an Bord beamten.
Wir sicherten unsere “Gefangenen” zunächst in einer der Messhalls und setzten nach notdürftigen Reparaturen Kurs auf die Badlands, wo wir in Ruhe unsere nächsten Schritte planen könnten. Zum Glück hatte der klingonische Taktikoffizier der Solaris sich bei seinem Waffenfeuer vor allem auf taktische Systeme fokussiert, sodass der Warpantrieb kaum beeinträchtigt wurde.
Was waren unsere nächsten Schritte? Ohne funktionierendes Comm-System und nun in den Händen von Piraten ist davon auszugehen, dass Captain Hühnchen und seine Crew keine Gelegenheit mehr hatten der Sternenflotte von unserem Ausbruch zu berichten.
Wenn die Solaris die Sternenbasis nicht erreicht, wird die Sternenflotte Suchteams losschicken, aber diese werden Waffenfeuer von Piraten finden und mit Sicherheit davon ausgehen, dass wir genauso wie der Rest der Crew gefangen genommen wurden
Niemand wird also für den Moment aktiv nach uns suchen, nicht in den Badlands. Das kam uns zu gute, aber irgendwann würde die Crew der Solaris - hoffentlich - befreit werden oder sich selber retten, spätestens dann würden wir von der gesamten Sternenflotte gejagt werden.
Wir hatten also nicht viel Zeit. Während Captain Paris und Commander Corlsen nach Fey-Mina, die durch eine Fehlfunktion nicht in der Messhall landete, suchten und später mit ihr diskutierten, sah ich nach unseren drei “Gefangenen”.
Alle drei waren noch bewusstlos, ich deckte Lexa Griffin und Doktor Vadiye in ihren mit Kraftfeldern versehenen Betten zu und deaktivierte Lucy’s Kraftfeld.
Was ich mir dabei gedacht habe? Ich wünschte, ich hätte eine gute, eine rationale Antwort darauf, aber die Wahrheit ist.. Es fühlte sich falsch Lucy einzusperren und ich hatte die Hoffnung, dass ein Vertrauensvorschuss helfen würde ihr zu zeigen, dass wir auf derselben Seite sind.
Also strich ihr Lucy eine Haarsträhne aus dem Gesicht, versuchte mit all meiner Willenskraft dieser Frau klarzumachen wie wichtig sie mir war als ich plötzlich eine Messerklinge an meiner Kehle spürte.
Nach dem ersten Schock sprang meine terranische, ja meine Geheimdienst Erfahrung hoch. Ich könnte dieser Messer zur Seite schieben ehe Lucy überhaupt merkt was passiert, aber wollte ich das?
Nicht dass ich einen Sterbenswunsch hatte aber ich wollte Lucy zeigen, dass sie mir vertrauen kann. Also ließ ich sie gewähren, redete auf sie ein so gut ich konnte.
Und tatsächlich ließ sie nach einem kurzen Monolog, dass sie keine andere Möglichkeit hätte mit “Verrätern” umzugehen das Messer sichtlich verletzt, verwundert, irritiert fallen und erklärte mir, dass es sich das “falsch” angefühlt hätte; dass wir auf einer Seite sein müssten.
Könnte es sein, dass sie trotz allem doch noch Erinnerungen hat? Zumindest einen Bruchteil? Ich weiß es nicht und für den Moment war es mir egal, ich umarmte Lucy und die Welt, das Universum schien trotz unserer ausweglosen Situation wieder in Ordnung.
Natürlich betrat genau dann Nadine die Messhall und fragte ob sie einen “besonderen Moment” stören würde. Lucy wurde sofort wieder aggressiv und wollte auf Nadine losgehen, aber gemeinsam konnten wir ihr alles erklären und Nadine bot ihr an auch ihre Erinnerungen wiederherzustellen. Lucy war sichtlich mit sich selbst am Ringen und sah mich fragend an - so gerne ich euphorisch genickt oder Nadine zugerufen hätte worauf sie wartet hatte Nadine Hawkins mit einem Recht: diese Entscheidung musste Lucy für sich selbst treffen.
Sie willigte schließlich ein und nach wenigen - offenbar sehr schmerzhaften, sehr intensiven - Sekunden hatte sie all ihre Erinnerungen wieder.
Während ich ihr versuchte alles in Ruhe zu erklären nahm sich Nadine Doktor Vadiye an, die im Gegensatz zu Lucy sehr.. Neutral auf die Prozedur reagierte.
Dann war Lexa Griffin an der Reihe, doch sie weigerte sich absolut, behauptete, dass Nadine Hawkins alle einer “Gehirnwäsche” unterziehen und auf ihre Seite ziehen wolle, auch das Worte “Hexe” fiel.
Nadine, Doktor Vadiye und ich redeten auf sie ein und mit genug Zeit und Geduld hätten wir sie sicher überzeugen können, aber leider hatte unser alter Freund Erron Black andere Pläne.
Captain Paris hatte die Messhall kaum betreten und einen kurzen Bericht erhalten als Commander Corlsen schon das Piratenschiff direkt über uns meldete und diese uns kurz darauf enterten.
Ich bewaffnete mich und Nadine setzte Lexa Griffin mit einer…Art Schockwelle außer Gefecht, aber als Lucy und ich die Brücke erreichten war es bereits zu spät. Fey-Mina, Captain Paris und Commander Corlsen waren bereits betäubt und nach einem kurzen Gefecht inklusive dem Einsatz von Dynamitstangen wurde auch für mich alles dunkel.
Später - Stunden, Tage? - wachte ich in einer dunklen Zelle mit Doktor Vadiye und der Etherianerin auf. Nicht nur war ich - wieder - von Lucy, Nadine, Commander Corlsen und Captain Paris getrennt ohne zu wissen wie es ihnen ging, nein natürlich musste ich ausgerechnet mit Fey-Mina eine Zelle teilen.
Dann kam Erron Black herein und erklärte, dass auf uns alle ein Kopfgeld ausgesetzt sei und er vorhabe dieses zu kassieren, uns in einigen Stunden weiterzuverkaufen.
Er redete damit nicht direkt mit uns, also schätzten wir, dass neben uns weitere Zellen sein mussten. Und uns blieb nicht viel außer zuzuhören.
Ich hatte viel über Erron Black in Geheimdienstberichten gelesen. In unserem Universum war er ein Pirat mit einem gewissen Ruf, aber begrenzter Macht. Hier jedoch…als er sagte, dass die Sternenflotte es nicht schaffen würde ihn zu kriegen obwohl er direkt unter ihrer Nase sei…vielleicht haben die beiden hier eine andere Beziehung als in unserem Universum. Nach Doktor Vadiye’s PADD zu urteilen war die Sternenflotte hier deutlich geschwächter, hatte weniger Verbündete und mehr Verluste erlitten. So sehr sich bei diesem Gedanken mein Magen umdreht, es wäre nicht verwunderlich wenn die Sternenflotte mit jemandem wie Erron Black zusammenarbeitet oder ihn zumindest gewähren lässt - ich bezweifle nur ob das Angriffe auf Föderationsschiffe einschließt.
Jedenfalls redete dieser Mann sehr viel - zu viel - und hörte sich offensichtlich sehr gerne selber reden wie alle Menschen mit einem übergrößen Ego und wir konnten noch herausfinden, dass er uns eine Ort bringen wollte der Rurapenthe wie Risa scheinen lässt.
Dann wurde ihm der Monolog wohl zu langweilig und er verschwand.
Fey-Mina, Doktor Vadiye und ich überlegten wie wir flüchten könnten, aber ohne Technologie, ohne Hilfe schienen unsere Möglichkeit begrenzt bis die Etherianerin einen Lüftungsschacht direkt über uns erblickte.
Normalerweise hätte uns das gar nichts gebracht, aber hier…gut, dass wir jemanden mit Flügen in unserer Zelle hatten.
Das war die gute Nachricht… die schlechte war, dass diese Etherianerin der größte Hypochonder war, den ich gesehen hatte. Die Schächte waren zu schmutzig, sie würde krank werden etc. etc.
Nachdem Doktor Vadiye ihr versichert hatte sie hinterher zu desinfizieren und auch ihr gut zuredete, ihr vor allem klar machte, dass sie Alternative - in dieser Zelle versauern bis wir in ein Arbeitslager kommen - schlimmer war stimmte sie schließlich zu und flog in die Schächte, woraufhin unsere Zelle mit jeder Menge Staub geflutet wurde.
Es dauerte eine Weile, bis ein “Das ist mir jetzt aber peinlich” zu hören war.
Ich hätte mit allem gerechnet, aber… dieses Wesen steckte fest. Sie konnte sich am Ende irgendwie befreien, zurück in die Zelle kommen und weiteren Staub und Dreck dort hinterlassen ehe sie verkündete, dass sie nicht durch die Schächte käme, aber eine von uns.
Als - in Fey-Mina’s Auge, sehr zum Leidwesen von Doktor Vadiye - dünnere wurde ich plötzlich in den Schacht geflogen und krabbelte dort für eine gefühlte Ewigkeit, bis ich plötzlich Stimmen hörte. Es waren drei verschiedene, also konnten es nicht die Etherianerin und unsere vidiianische Ärztin sein. Ich versuchte zu lauschen und stürzte dabei auch eine sich öffnende Klappe in die Tiefe.
Bereits mit dem Schlimmsten-rechnend - ich hätte mitten im Speisesaal dieser Piraten, direkt vor Erron Black oder Schlimmeres laden können - sah ich mich langsam um und sah direkt in die Augen von Lucy.
Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass das kein Traum umarmte ich sie und begrüßte auch Captain Paris und Commander Corlsen.
Es fehlte also nur noch Nadine Hawkins - und Lexa Griffin. Erst später sollte ich von Doktor Vadiye erfahren, dass Lexa sie niedergeschossen und sich offenbar diesen Piraten angeschlossen hatte.
Für mehr blieb allerdings keine Zeit denn wir hörten plötzlich Schritte. Gerade noch rechtzeitig konnten wir das Schott schließen ehe ein sehr ekelhafter Pirat den Arrestbereich betrat. Er deaktivierte das Kraftfeld und bat uns Widerstand zu leisten, damit es nicht langweilig wird. Angeblich musste er uns alle scannen, aber das machte keinen Sinn. Sicherlich waren wir bereits beim Transport gescannt worden?
Jedenfalls begann er mit Captain Paris und Commander Corlsen und wandte sich dann mit einem sehr ekelhaften Lächeln Lucy zu. Ich war bereits im Ansatz diesen schmierigen Typen direkt in sein dreckiges Geschicht zu schlagen - erst Recht als er begann Lucy anzufassen - als Fey-Mina plötzlich gegen das Kraftfeld nebenan schlug und der Pirat verschwand. Wenig später hatte er alle gescannt und wir wieder Ruhe.
Nun brauchten wir also einen Plan, erneut. Die Lüftungsschächte waren zu groß genug für Captain Paris, Commander Corlsen oder Fey-Mina, wir könnten wir höchsten für die Kommunikation zwischen den Zellen nutzen. Oder jemand könnte versuchen auf der anderen Seite herauszukommen und die Kraftfelder zu deaktivieren.
Captain Paris schlug dann noch einen anderen, wenn auch sehr abwegigen Plan, vor. Wir könnten warten bis eine Wache das Kraftfeld senkt und diese außer Gefecht setzen.
Während ich noch fragte welche Wache so dumm sei kam die schmierige Wache zurück, grinste und deaktivierte das Kraftfeld. Er hatte seine “Einladung” zum Abendessen an Lucy kaum ausgesprochen, da lag er auch schon auf dem Boden. Niemand fasste meine Lucy an, vor allem kein schmieriger, ekelhafter Möchtegern-Pirat, der seit zwei Wochen keine Schalldusche mehr gesehen hatte.
Ich nahm mir sein Gewehr, Commander Corlsen den Disruptor und wir öffneten die weitere Zelle, während wir unseren Piraten in eine Zelle sperrten und verschwanden. Nun kaum der schwierige Teil: selbst auf einer riesigen Piratenstation mit Hochbetrieb würden ein paar Sternenflottenoffiziere in Uniform auffallen, noch dazu hatten wir nur zwei Waffen. Wir schritten also vorsichtig voran. Wir hatten kaum die Zellen verlassen, da stand schon Nadine Hawkins vor uns.
Natürlich war diese nicht überrascht, dass wir uns bereit befreit hatten. Dass Nadine hier war - vor allem frei war - würde die Flucht einfacher machen, wir hatten jetzt eine gute Chance zu einem Schiff zu kommen.
Dann jedoch betrat Erron Black den Raum, alleine. Ich erhob sofort mein Gewehr, aber was dann passierte.. darauf hätte mich nichts und niemand vorbereiten können.
Erron Black verkündete, dass wir gehen dürften, dass er bereits bezahlt worden sei und sprach noch irgendwas von “Nimbus III”, was auch immer das zu bedeuten hatte.
Ich versuchte den Rest zu überzeugen, dass wir jemand der dutzende Föderationsschiffe angegriffen und Crews getötet oder gefangen genommen hatte nicht einfach zurücklassen dürfte, aber Nadine tat das mit einem “Nicht hier, nicht jetzt” ab. Auch Mr. Black gab direkt seine Meinung dazu ab, dass er einige von uns mitnehmen würde. Und er hatte Recht - mit nur zwei Waffen würde er mindestens zwei, drei von uns erledigen ehe wir ihn neutralisieren könnten, ich hatte selber erlebt wie leicht er Lucy und mich auf dem Frachter ausschalten konnte.
Also ließ ich ihn für den Moment gewähren und wir traten den Weg zum Frachter an, wo Fey-Mina sich bereits auf ihr Lachsbrötchen freute.
Wenig später waren wir an Bord angekommen und setzten wieder Kurs auf die Badlands, wo wir das weitere Vorgehen planen würden.
Es blieb nur noch Lexa Griffin: was genau war mit ihr passiert? Doktor Vadiye war von ihr niedergeschossen worden und sie war auf der Station gewesen. War es möglich, dass sie wirklich mit Erron Black zusammenarbeitete. Wenn ja, wieso? Um sich an uns zu rächen, um Nadine Hawkins zu beseitigen? Nein, für beides hätte es andere Wege gegeben.
Doktor Vadiye hat mir inzwischen vollen Remote-Zugriff auf die Solaris Datenbank gegeben - gut, dass ich dieses PADD mitgenommen habe - und ich weiß, dass Starfleet Intelligence einen Agent auf dieser Station hat. Laut Berichte hat Lexa Griffin eine der Wache exekutiert, aber wieso? Das weiß niemand.
Wie geht es nun also weiter für uns? Was haben wir am heutigen Tage erreicht? Ja, wir konnten mit Doktor Vadiye und Lucy zwei weitere Crewmitglieder wieder in unseren Reihen aufnehmen und ihre Erinnerungen zurückholen, wir waren - relativ - in Sicherheit und niemand wollte uns für den Moment in eine dunkle Zelle sperren.
Aber wir hatten auch die gesamte Crew der Solaris inklusive Lexa Griffin an Erron Black und seine Piraten verloren. Schlimmer noch, wir waren auf uns alleine gestellt. Selbst wenn die Sternenflotte noch nichts von unseren Handlungen weiß, wir könnten schlecht auf der Erde auftauchen und um Hilfe bitten.
“Der Rest der Crew? Oh, ich weiß auch nicht, Admiral, irgendwie sind die alle gefangen genommen worden, aber wir wurden freigelassen!”
Wenn ich Zugriff auf diese Intel Berichte habe wird es nicht lange dauern bis auch die Admirals diese haben.
Wir haben also nicht viel Zeit. Und ab morgen früh werde ich meine gesamte Kraft, Anstrengung und all meine Überlegungen darin investieren Lösungen zu finden.
Bis dahin…bin ich einfach nur froh, dass ich Lucy, meine Lucy wieder bei mir habe.
Das mag unglaublich egoistisch klingen, aber alleine das war für mich ein Pluspunkt in der “Was hatten wir heute erreicht?” Spalte.
Captain Paris, Commander Corlsen, Starborn Nadine Hawkins, Doktor Vadiye, Lucy, ich und eine verrückte Etherianerin an Bord eines Frachters… was könnte schon schief gehen?
Computer, Logbuch beenden.
=C= Log Ende.